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Automobilindustrie VW-Einstieg belastet Porsche-Aktie

26.09.2005 ·  Das Geheimnis ist gelüftet: Porsche steht hinter dem Anstieg der VW-Aktie der vergangenen Wochen. Am Montag gab es für die Porsche-Aktie dafür Kursabzug.

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Wendelin Wiedeking war schon immer ein eigensinniger Mensch. Am Montag wurde bekannt, daß der charismatische Porsche-Chef hinter dem Kursanstieg der VW-Aktie in den vergangenen Wochen steckte. Wohl gemerkt nicht er persönlich: Nein, Porsche will größter Aktionär bei VW werden, um die langfristige Unabhängigkeit des angeschlagenen Autobauers zu sichern.

Ein bißchen mag das den Zuffenhausenern ja wie eine späte Rache vorkommen, standen sie doch in den vergangenen Jahrzehnten immer wie der kleine exotische Bruder des mächtigen Wolfsburger Konzerns dar - obwohl Volkswagen 1937 einst unter tatkräftiger Mithilfe von Ferdinand Porsche gegründet wurde, dessen Schöpfung auch der erfolgreiche Käfer war.

Der Anlegerdaumen zeigt nach unten

Wie auch immer die Gefühle des Porsche-Chefs sein mögen, die Gefühle der Anleger konnten am Montag nicht eindeutiger negativ sein. Um rund 65 Euro fiel der Kurs der Aktie am Morgen nach Börseneröffnung, in der Spitze elfeinhalb Prozent auf 600 Euro.

Denn was Porsche von einem zwanzigprozentigen Engagement bei Volkswagen hat, das ist niemand wirklich klar. Porsche bemühte sich zwar am Montag zu beteuern, daß der Einstieg bei VW keine Projekte gefährde. Doch die gegebene Erklärung vermochte auch nicht so recht zu überzeugen: Porsche wolle erreichen, daß es auch nach der zu erwartenden Aufhebung des VW-Gesetzes (auf Basis eines entsprechenden Urteil des Europäischen Gerichtshofes) nicht zu einer feindlichen Übernahme von Volkswagen kommen könne, die nicht den langfristigen Interessen von VW entspräche.

„Der Absturz der Porsche-Aktie sagt alles“, meinte dazu Stephen Pope, Leitzer des Bereichs Aktienanalyse bei Cantor Fitzgerald in London. „Wenn man derartig handelt, braucht man eine bessere strategische Indikation. Wenn Porsche die Partnerschaft hätte sichern wollen, hätten sie das schon vor Monaten tun müssen“.

Was hat Porsche davon?

Deutsche Analysten reagierten durch die Bank mit Herabstufungen. Dabei präsentierten sie sich auch noch mit Sammetpfötchen. Die Hypo-Vereinsbank etwa erklärte, die Anleger könnten kritisieren, daß die hohe Liquidität von Porsche in eine ziemlich volatile Anlage einfließe“.

Auch die Landesbank Rheinland-Pfalz (LRP), deren Einschätzung zu Porsche schon zuvor eher negativ war, gab sich zurückhaltend. Da man für die weitere Entwicklung des VW-Konzerns „recht positiv gestimmt“ sei, ergäben sich für Porsche längerfristig „nicht unerhebliche Chancen aus der angestrebten Beteiligung“. Kurzfristig sei dies aber ein Belastungsfaktor, weil Porsche mit dem Einstieg seine vielfach beschriebene finanzielle Unabhängigkeit für notwendige Investitionen aufgebe.

Damit sprechen die Analysten die wesentlichen Punkte an. In jüngster Zeit wurden bereits immer wieder Zweifel geäußert, daß Porsche sich wirklich den Bedingungen auf dem weltweiten Automobilmarkt nachhaltig entziehen kann.

Die jüngsten Umsatzzahlen des abgelaufenen Geschäftsjahrs blieben hinter den Erwartungen der Analysten zurück, wenngleich sich der Absatz besser entwickelt hatte. Dies deutet möglicherweise daraufhin, daß Porsche das hat, was es bestreitet: ein Wechselkursproblem. Immerhin gingen 40 Prozent der Produktion nach Nordamerika.

Der lange Schatten des Ferdinand Piëch

Und da stört dann auch Wiedekings Eigensinn. Ertragszahlen, so hieß es, sollen erst im November mitgeteilt werden, wenn sie vom Aufsichtsrat festgestellt werden. Schon das begeisterte niemanden wirklich.

Doch ob das alles wirklich dem Porsche-Chef anzulasten ist, ist angesichts der Aktionärsstruktur fraglich. Denn die entscheidenden Stammaktien der Porsche AG befinden sich in den Händen zweier Familien: Porsche - und Piëch. Und letzterer ist ja niemand anderes als der frühere große VW-Chef. Was soll Wiedeking also machen, wenn der Großaktionär auf den Einstieg bei VW drängt? Zumindest aber muß er die Maßnahme ja gut geheißen haben.

Ob dabei wirklich nur wirtschaftliche Motive eine Rolle spielen, ist zumindest fraglich. Denn VW ist ja so etwas wie Ferdinand Piëchs Lebenswerk. Das ist derzeit in keiner guten Verfassung. Nicht wenige machen Piëch dafür verantwortlich, der nun via Porsche seinen langen Schatten wieder über Wolfsburg wirft. Wirtschaftlich läßt sich dagegen nicht unbedingt erklären, warum die liquiden Mittel Porsches nun in den internen Restrukturierungskampf bei VW geworfen werden.

Niedersachsen-Connections

Auch Politik mag damit etwas zu tun haben. Denn Porsche hat sich um den Standort Deutschland verdient gemacht - allem Expertenrat zum Trotz, die für den Aufbau eines amerikanischen Werks plädieren. Da VW schwächelt und das VW-Gesetz auf Dauer nicht mehr zu halten ist, fürchtet auch die niedersächsische Staatskanzlei, die den Porsche-Einstieg am Montag vehement begrüßte, um Arbeitsplätze, sollte einer der gefürchteten „Heuschreckenschwärme“ über Wolfsburg herfallen. In dieses Bild fügt sich auch ein, daß, wie bereits am Vormittag durchsickerte, der Geländewagen „Marrakesch“ in Wolfsburg und nicht auf der iberischen Halbinsel gebaut werden soll - Expertenrat zum Trotz.

Sicherlich kann der Einstieg für VW auch Vorteile haben. Die undurchsichtigen Schmiergeldaffären im Konzern sind immer noch nicht aufgeklärt. Ein neuer Großaktionär könnte vielleicht diesen Prozeß beschleunigen, oder? Bloß die Frage, was Porsche davon hat, ist immer noch nicht geklärt.

Die fundamentale Wachstumsgeschichte bleibt weiter unangetastet. Aus der VW-Beteiligung sollten sich zunächst keine direkten Belastungen ergeben. Es sei denn, daß VW seine Probleme nicht in den Griff bekommt und die jetzt teuer erworbene Beteiligung irgendwann (teilweise) abgeschrieben werden muß.

Aussichten der Porsche-Aktie eingetrübt

Strategisch ist die Beteiligung nicht sinnlos, sichert sie unter anderem die langfristige Produktion des Cayenne-Chassis in Bratislava, und die Möglichkeit, freie VW-Kapazitäten ab 2009 für den Bau des Panamera nutzen zu können. Die Frage bleibt zum einen, ob das nicht auch billiger gegangen wäre - zum Beispiel als die VW-Aktie noch bei 35 Euro dümpelte. Zum anderen ist die Frage, ob es wirklich unmittelbaren Handlungsbedarf gab.

Insofern ist der Ansicht der Anleger, daß der VW-Einstieg die Aussichten der Porsche-Aktie auf absehbare Zeit nicht verbessert, durchaus beizupflichten. Immerhin sieht die Bewertung der Aktie jetzt mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 14,4 etwas freundlicher aus. Zumindest ist sie billiger als Daimler-Chrysler und Volkswagen und daher vergleichsweise empfehlenswert. Doch Honda und Toyota sind mit KGVs von 11 und 13 trotz guter Kurs- und Unternehmensentwicklung noch immer günstiger bewertet.

Charttechnisch ist die Porsche-Aktie am Montag durch die 38- und die 100-Tage-Linie durchgefallen und hat auch ihr Anfang September aufgestelltes letztes Tief bei 624,35 Euro deutlich unterschritten. Wenngleich der Kurs noch deutlich Luft zur 200-Tage-Linie hat und damit dem langfristigen Aufwärtstrend nicht aktuell gefährdet, so ist doch auf absehbare Zeit die Chance verspielt, das Allzeithoch vom Juli bei 685,98 Euro zu knacken und mit dem Einschwenken in einem Seitwärtstrend zu rechnen. Denn so gut können die Ergebniszahlen, die im November vorgelegt werden, eigentlich gar nicht mehr sein, daß sie angesichts des für Porsche üblichen Aspirationsniveaus dem Kurs einen ausreichend heftigen Impuls verleihen.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @mho
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