Europäische Unternehmen geben gerne an, sie hätten sich gegen Wechselkursveränderungen weitgehend abgesichert. Unter anderen auch die Automobilkonzerne Bayerische Motoren Werke (BMW), Porsche, Volkswagen (VW) und die DaimlerChrysler. Sie sind zum Teil ziemlich deutlich von der Geschäftsentwicklung in Amerika abhängig. Umsatz und Gewinnentwicklung dürften sonst deutlich auf die deutliche Abwertung des Dollars gegen den Euro reagieren.
Volkswagen bekam das bereits im vergangenen Jahr zu spüren, denn die Wolfsburger hatten sich am wenigsten über entsprechende - im Fachchinesisch Hedging genannte - Transaktionen abgesichert. Anfang des Jahres 2003 hatten sie nur 40 Prozent des Währungsrisikos abgedeckt. Als der Euro bis Ende September gegen den Dollar um 18 Prozent gestiegen war, sorgte das für einen Rückgang beim Neun-Monats-Betriebsgewinn von VW in Nordamerika um satte 99 Prozent auf gerade noch neun Millionen Euro.
"Die Risiken, die von einem schwachen Dollar ausgehen, sind hoch"
"Die Risiken, die von einem schwachen Dollar ausgehen, sind sehr hoch," bestätigt Alexander Scholl, Fondsmanager bei HSBC Trinkaus Capital Management in Düsseldorf. "Das Hedging muß erneuert werden. Der Gewinn 2005 könnte um etwa 30 Prozent reduziert werden. Langfristig könnte es ein ernstes Problem für die Europäer werden."
BMW hat nach eigenen Angaben zwei Drittel seines Währungsrisikos für 2004 abgesichert. Volkswagen hat nun 70 Prozent über Heding-Positionen abgedeckt. Porsche sicherte fast das gesamte Währungsrisiko bis ins Jahr 2007 hinein ab. Mercedes betrieb Kurssicherung für "fast das gesamte" Risiko für 2004 und "weniger" für 2005. Volkswagen sichert die nächsten zwölf bis 18 Monate ab, so daß die derzeitigen Positionen 2005 auslaufen. Die laufenden Hedging-Geschäfte von BMW und Mercedes enden ebenfalls im Jahr 2005.
Die Hersteller nutzen in der Regel eine Mischung aus Verkaufsoptionen und Devisentermingeschäften für ihre Absicherungsgeschäfte. Der Unterschied besteht darin, daß bei reinen Termingeschäften die Differenz zwischen den Zinssätzen in unterschiedlichen Ländern vorab festgeschrieben werden. Das kostet das Unternehmen keine Barreserven, das Unternehmen muß die Devisen allerdings per Termin zu einem vorab festgesetzten Satz verkaufen
Verkaufsoptionen - oder anders formuliert Put-Kontrakte - bieten dagegen lediglich das Recht, Dollar zu einem festgesetzten Kurs zu verkaufen. Wenn der Kurs am Kassamarkt vorteilhafter ist, können sie die Devisen dort verkaufen und den Kontrakt einfach verfallen lassen. Ähnlich wie bei einer Versicherung müssen die Unternehmen bei Vertragsabschluß die Kosten für diese Kontrakte bezahlen. "Wir versuchen nicht, mit dem Hedging einen Gewinn zu erzielen. Wir sind ein Hersteller und versuchen, unser Risiko zu minimieren, erklärt Norbert Mayer, Leiter Corporate Finance bei BMW. Kein Hersteller wird jedoch sagen, zu welchem Kurs er abgesichert ist, da diese Informationen der Konkurrenz nützen könnten.
Europäische Autohersteller stark „amerikalastig“
Amerika ist für die europäischen Hersteller ein sehr wichtiger Markt. Der Umsatzanteil reicht auf Basis der Zahlen des Jahres 2002 von knapp 20 Prozent bei Volkswagen bis zu knapp 52 Prozent bei DaimlerChrysler. Neben den finanziellen Absicherungsmöglichkeiten haben die Unternehmen auch die Möglichkeit, sich „natürlich“ abzusichern. BMW und DaimlerChrysler sind beispielsweise stärker als Volkswagen oder Porsche durch ein so genanntes "natürliches Hedging" geschützt. Denn BMW baut den sportlichen Geländewagen X5 und den Sportwagen Z4 in South Carolina und Mercedes läßt den Geländewagen der M-Klasse - neben den ganzen Chryslerfahrzeugen - in Amerika fertigen. Die Modelle werden dann zum Teil in Europa verkauft.
Grundsätzlich schlägt sich der schwache Dollar nicht nur dann durch, wenn Zahlungen stattfinden, sondern auch wenn die „Dollaraktivitäten“ in die „Eurobilanz“ umgerechnet werden müssen. Dieser Effekt wird sich für europäische Hersteller nur vorübergehend kompensieren lassen. Spätestens wenn die Absicherungsmaßnahmen ausgelaufen sind spielt das dann vorherrschende Dollarniveau eine Rolle. Sollte der Euro weiterhin so stark bleiben, lassen sich die Effekte in der Bilanz kaum noch vermeiden. Die Unternehmen müssen mit dem dann erreichten Niveau zurecht kommen. Wenn die Autokonzerne nächste Woche ihre neuen Modelle auf der Automobilmesse in Detroit präsentieren, wird die Euro-Stärke sicherlich ein Thema sein. Seit der letzten Auto-Show in Detroit hat der Euro 19 Prozent gegenüber dem Greenback gewonnen.
Um das Risiko zu minimieren, wenden sich einige Investoren bereits Autoherstellern zu, die nicht nach Amerika exportieren oder gar dort aktiv sind. "Der Markt interessiert sich derzeit nicht für das Thema. Aber wenn der Euro bei 1,25 oder 1,30 Dollar ist und bleibt, wird es Gewinnwarnungen geben," prognostiziert ein Fondsmanager.