26.10.2006 · Einen Umsatzrückgang in den ersten neuen Monaten muß der Autobauer Renault beklagen. Indes hatten Analysten Schlimmeres erwartet. Derzeit arbeitet das Unternehmen an Verbesserungen, die sich Ende 2007 auszahlen sollen.
Der Automarkt ist gespalten. Während japanische Autobauer große Erfolge vor allem in den Vereinigten Staaten feiern, deren Autohersteller allesamt schwerst in der Krise stecken, befinden sich die europäischen Fabrikanten zumeist in verschiedenen Phasen der Sanierung.
Das galt mit Einschränkung auch für die französische Renault, die durch ihre hohe Beteiligung an der japanischen Nissan lange ein wenig davon ausgenommen wurde. Was Wunder also, daß der Aktienkurs der Franzosen seit 2003 in der Tendenz nach oben lief, bis er im Mai bei 97,15 Euro ein Allzeithoch erreichte.
Scheitern der GM-Allianz nicht negativ
Auch danach nahm er mit einer deutlichen Konsolidierung und einer Erholung im Juli einen durchaus nicht ungewöhnlichen Verlauf. Im August jedoch begann die Erholung zu stocken. Die Aktie tendierte seitwärts und konnte sich erst in den vergangenen Tagen etwas befreien, nachdem Renault eine Allianz mit der angeschlagenen amerikanischen GM abgelehnt hatte, weil die Bedingungen für Renault-Chef Carlos Ghosn nicht akzeptabel waren. Dabei ging es vor allem um eine milliardenschwere Ausgleichszahlung, die GM gefordert hatte.
Zwar deutete sich an, daß Renault/Nissan weitere Kooperationspartner akzeptieren würden, im Mittelpunkt aber stünde jetzt die Konzentration auf die internen Programme zur Rentabilitätssteigerung. Das scheint nach den am Mittwoch vorgelegten Zahlen für die ersten neuen Monate des laufenden Jahres auch durchaus notwendig.
Denn vor dem Marktstart seiner neuen Modellpalette im kommenden Jahr leidet Renault unter einer schwächeren Nachfrage. Der Konzernumsatz sank in den ersten neun Monaten 2006 um 1,2 Prozent auf 30,9 Milliarden Euro. Immerhin fiel der Rückgang etwas geringer aus als von Branchenexperten befürchtet. Der Umsatz der Automobilsparte ging um 4,3 Prozent auf 8,9 Milliarden zurück.
In Europa auf dem Rückzug
Im dritten Quartal sank der Umsatz um 4,5 Prozent auf 9,35 Milliarden Euro, nachdem die Zahlen aus dem Vorjahr wegen Strukturänderungen revidiert werden mußten. Analysten hatten auch für diesen Zeitraum mit einem geringeren Umsatz von 9,25 Milliarden gerechnet.
Renault machte für den Rückgang der Einnahmen vor allem einen um 3,6 Prozent geringeren Absatz seiner Fahrzeuge weltweit verantwortlich. Dennoch sieht sich das Unternehmen im Plan. „Wir haben schon früher gesagt, daß 2006 ein Übergangsjahr sein wird, und wir bleiben dabei“, erklärte Finanzchef Thierry Moulounguet. „Daher stehen wir auch zu unserer Prognose für die Umsatzrendite.“ Diese beläuft sich auf 2,5 Prozent.
Den geringeren Absatz konnte das Unternehmen zum Teil durch eine flexiblere Preisgestaltung und Währungseffekte auffangen. Zudem lieferte Renault mehr Fahrzeuge an seinen japanischen Partner Nissan und den amerikanischen Branchenführer General Motors. Außerhalb Europas legte der Konzernumsatz mit den Marken Renault, Dacia und Samsung um mehr als zehn Prozent zu.
Verjüngung der Modellpallette soll Schub bringen
In Europa wurden dagegen in den ersten neun Monaten 8,5 Prozent weniger Renaults zugelassen, so daß der Marktanteil des Unternehmens von 10,4 auf 9,4 Prozent sank. Als Grund nannte Renault den harten Wettbewerb, den Preiskampf und eine unvorteilhafte Produktpalette. Daher werde das Unternehmen damit fortfahren, unprofitable Geschäftsbereiche herunterzufahren, vor allem das Geschäft mit kurzfristigen Leasingverträgen.
Konzern-Chef Carlos Ghosn will Renault binnen drei Jahren an die europäische Spitze führen. Dazu soll die Umsatzrendite bis 2009 auf sechs Prozent steigen und der Absatz in diesem Zeitraum um 800.000 Fahrzeuge angekurbelt werden. Eine Reihe neuer Modelle bis hin zur Luxus-Klasse wie etwa ein neuer „Laguna“ sollen dazu beitragen. Auch eine neue Version des Kleinwagens „Twingo“ soll im kommenden Jahr in den Handel kommen. Ghosn hatte allerdings gewarnt, daß Renault in den ersten neun Monaten 2007 von der Modellerneuerung noch nicht profitieren werde.
Gewinnschub erst ab Ende 2007
Auch Nissan zeigte zuletzt Schwächen. Nachdem der Konzern seine schwere Krise der ausgehenden neunziger Jahre überwunden hat, und er mit einer Gewinnspanne von knapp zehn Prozent zum gewinnreichsten Autobauer der Welt heranreifte, verlief die Absatzentwicklung auf dem wichtigen amerikanischen Markt in diesem Jahr nicht so recht zufriedenstellend. Als Gründe wird dabei allerdings ebenfalls der Produktzyklus angeführt.
Alles in allem scheint eine kurzfristig schwächere Entwicklung der Renault-Aktie unter den gegebenen Umständen nicht unwahrscheinlich, da offenbar erst in rund zwölf Monaten mit positiven Ergebnissen der aktuellen Anstrengungen zu rechnen ist. Auf Basis der Gewinnschätzungen für das laufende und das kommende Jahr berechnet sich ein Kurs-Gewinn-Verhältnis für die Aktie von 8,9 bzw. 8,5. Das ist zwar ziemlich günstig, zeigt aber auch eine geringe Gewinndynamik, zumal das geschätzte KGV höher liegt als auf Basis des vergangenen Jahres 2005. Erst 2008 soll das KGV auf sieben und 2009 auf knapp über sechs sinken.
Charttechnisch ist die Lage günstiger. Kursgewinne von 2,6 Prozent am Mittwoch ließen die Aktie aus der kurzfristigen Handelsspanne ausbrechen. Damit bestehen Chancen, den langfristigen Aufwärtstrend wieder aufzunehmen. Sollten die erhofften Gewinnverbesserungen ab Ende des kommenden Jahres tatsächlich eintreten, könnte man einen Anstieg zum jetzigen Zeitpunkt auch als Beginn eines längerfristigen Engagements sehen.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |