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Automobilindustrie Porsche-Aktie läuft schlechter als das Geschäft

08.12.2004 ·  Porsche hat ermutigende Zahlen fürs erste Geschäftsquartal vorgelegt und blickt zuversichtlich in die Zukunft. Die Aktie legt zu, hinkt aber auf Jahressicht hinter dem Dax her. Trend und Bewertung reizen nicht zum Kaufen.

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An einem ziemlich müden Börsentag sorgt der Sportwagenhersteller Porsche für gute Stimmung. Die Vorzugsaktie steigt um 3,8 Prozent auf 499,85 Euro. Der Grund: Porsche hat in den ersten vier Monaten des neuen Geschäftsjahres 2004/2005 bei Umsatz und Absatz zugelegt. Zudem blickt der Vorstand zuversichtlich in die Zukunft und trotz des schwachen Dollars die Gewinne nicht unter Druck.

Analysten haben mit Beifall auf die Zahlen und den Ausblick reagiert. So setzte Independent Research das Kursziel herauf, und M.M.Warburg bekräftigte die Kaufempfehlung und nannte einen fairen Wert, der weit oberhalb des aktuellen Kurses liegt. Der schöne Tag für Porsche darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, daß die Aktie alles andere als ein Kursrenner ist. Mit einem Jahresplus von 9,6 Prozent hinkt sie Dax knapp und dem MDax, in den sie bei ordentlichen Quartalsberichten eigentlich gehörte, deutlicher hinterher. Auch von der Bewertung drängt die Aktie sich nicht auf.

Wiedeking: Rechnen Sie mit einer ordentlichen Ertragskraft

Der Umsatz sei vorläufigen Zahlen zufolge in den ersten vier Monaten des Geschäftsjahres 2004/2005 um vier Prozent auf 1,98 Milliarden Euro gestiegen, teilte das Unternehmen mit. Der Absatz habe sich in dem Zeitraum um sieben Prozent auf rund 23.500 Fahrzeuge erhöht. Für das Geschäftsjahr 2003/04 nannte Porsche einen Gewinn je Aktie von 36,60 Euro, ein Plus von 8,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Umsatz legte um fast 14 Prozent auf 6,36 Milliarden Euro zu. Die Umsatzrendite betrug demnach 9,4 Prozent.

Für das laufende Geschäftsjahr rechne Porsche mit weiterem Wachstum. „Gehen Sie davon aus, daß wir auch im laufenden Geschäftsjahr 2004/2005 eine ordentliche Ertragskraft sicherstellen.“ Es werde weiteres Wachstum bei Absatz und Umsatz erwartet. Porsche wolle vor allem in China und Rußland „noch mal weiter mehr Gas geben“, sagte Konzernchef Wendelin Wiedeking laut dpa. Wie er weiter ausführte, sieht sich Porsche auf einen weiter schwachen Dollar vorbereitet. Die entsprechenden Absicherungsgeschäfte würden fortgesetzt. Folglich seien die Gewinne nicht gefährdet.

M.M.Warburg sieht Kurspotential von 24 Prozent

Der Jahresgewinn je Aktie bewegte sich in Rahmen der Schätzungen der Analysten. Dessenungeachtet gilt aus Sicht des Marktes die Vorhersage für das laufende Geschäftsjahr als wichtiger. Und dieser wird als gut beurteilt. Independent Research (IR) bescheinigt Porsche Optimismus, den das Analysehaus teilt. Denn: „Der neuaufgelegte 911 zeigt erhebliche Dynamik“, und der Cayenne habe sich im ersten Quartal weiter stark entwickelt. So hält ein Umsatzplus auf 7,06 Milliarden Euro für möglich und sieht nun einen Jahresgewinn je Aktie von knapp 43 Euro; bisher war das Analysehaus von 40,80 Euro ausgegangen. M.M.Warburg rechnet mit 40,50 Euro.

Durchie Hochstufungen ermäßigt sich das auf den Ergebnisschätzungen basierende Kurs-Gewinn-Verhältnis etwas. Bisher weist Porsche ein KGV von 12,7 auf und ist damit für 2005 höher bewertet als BMW (10,2) und DaimlerChrysler (10,8). IR empfiehlt, den Titel dem Portfolio hinzuzufügen, M.M. Warburg votiert klar mit Kaufen. Die ist aus der Sicht der Bank verständlich, sieht diese doch ein Kursziel von 620 Euro, was einem Kurspotential von 24 Prozent entspricht. IR nennt dagegen 570 Euro als fairen Wert, während die Landesbank Rheinland-Pfalz den Titel mit schon 450 Euro als gut bezahlt und als „Underperformer“ ansieht. Die guten Aussagen zur Zukunft seien im aktuellen Kurs enthalten, heißt es.

Eine Kaufempfehlung erscheint angesichts des Kursbildes auch nicht gerade ratsam zu sein. Denn der Titel bewegt sich in einem seit Juni ausgebildeten Abwärtstrend und ist meilenweit vom Jahreshoch bei gut 583 Euro entfernt. Die negative Trendlinie verläuft bei 520 Euro abwärts. Um aus technischer Sicht ermutigende Signale zu senden, müßte der Titel über die Hürden bei 520 Euro und 540 Euro steigen. Letztlich wird der Chart zeigen, wann es wieder aufwärts geht.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @thwi
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