18.10.2005 · Endlich hat sich GM mit den Gewerkschaften auf ein Sanierungspaket geeinigt. Die Anleger nahmen's mit überschwenglichem Optimisumus auf. Doch am Risiko der Anlage hat sich eigentlich nichts geändert.
Anlagen in General Motors-Papieren sind in den vergangenen Monaten nun wahrlich keine uninteressanten Objekte gewesen. Allerdings hätten sich die Inhaber sicherlich weniger aufregende Zeiten gewünscht. Der Montag abend machte da sicherlich keine Ausnahme - auch wenn die Aktien 7,5 Prozent in den Vereinigten Staaten zulegten.
Auch die Anleihenkurse kletterten um sechs bis neun Prozent. Nicht gelegen hat das an den Geschäftszahlen für das dritte Quartal. Nach neun Monaten belaufen sich die Verluste des Konzerns mittlerweile auf rund drei Milliarden Dollar. Davon fielen allein 1,6 Milliarden im dritten Quartal an, rund achtmal soviel wie im Vorjahreszeitraum und 1,92 Dollar je Aktie, wohingegen Analysten mit 81 Cent gerechnet hatten. Die Liquidität des Konzerns ist zum 30. September auf 19,2 Milliarden Dollar von 20,2 Milliarden Dollar am 30. Juni gesunken.
Weitere Marktanteilsverluste in Nordamerika
Die Gründe sind hinlänglich bekannt: jahrelang hatten die zwei großen amerikanischen Hersteller Ford und General Motors (GM) auf das Geschäft mit den unschierigen SUVs, den Sportgeländewagen, gesetzt. Die kamen aber nicht nur langsam aus der Mode - ihr hoher Spritverbrauch machte sie unattraktiv. Der Konzernumsatz stieg im diesjährigen dritten Quartal um fünf Prozent auf 47,2 Milliarden Dollar - aber angesichts der Verluste ganz offenbar zu einem zu hohen Preis.
Für Nordamerika bezifferte GM-Chef Wagoner den Marktanteil auf 25,6 Prozent im abgelaufenen Quartal nach 28,5 Prozent vor einem Jahr. Das Management sei zuversichtlich, mit den kommenden Produktoffensiven künftig wieder besser abzuschneiden, sagte er. Dazu würden auch Fahrzeuge mit Hybridmotoren gehören - eine
Kombination von klassischem Verbrennungs- und Elektromotor.
Auch in Europa schrieb General Motors wieder rote Zahlen, diesmal in Höhe von von 150 Millionen Dollar, nach 236 Millionen Dollar im Vorjahresquartal. Im zweiten Quartal war GM Europe noch erstmals seit Jahren ein operatives Plus von 37 Millionen Dollar gelungen. Die laufende Restrukturierung bei GM Europe kostete das Unternehmen im dritten Quartal 56 Millionen Dollar.
Antrieb durch Sparpaket
„Opel gewinnt wieder Marktanteile“, sagte ein Sprecher von GM Europe. Allein in Deutschland seien es zuletzt rund elf Prozent gewesen, in Europa komme Opel auf etwa acht Prozent. Dies ist aber immer noch deutlich weniger als noch vor Jahren.
Der Auftrieb für die General Motors-Papiere kam vielmehr daher, daß sich das Unternehmen endlich mit der mächtigen Gewerkschaft UAW einigen konnte. So sollen die das Unternehmen schwer belastenden Gesundheitsausgaben für die Belegschaft um jährlich drei Milliarden Dollar vor Steuern gekürzt werden. Die Bar-Einsparungen würden bei einer Milliarde Dollar liegen.
Die Kosten für die Versorgung früherer Mitarbeiter sollen um etwa 15 Milliarden Dollar sinken. GM will auch seine Materialkosten netto um jährlich eine Milliarde Dollar reduzieren. Hinzu kommen Betriebsschließungen und ein weiterer Personalabbau. Damit will GM bis 2008 eine Kapazitätsauslastung seiner Werke von 100 Prozent oder mehr erreichen, erklärte der GM- Konzernchef. Es sollen „25 000 Stellen oder mehr“ gestrichen werden.
Wagoner wollte jedoch nicht mitteilen, welche Betriebe geschlossen werden sollen. Mit den Kostensenkungsinitiativen wolle GM seine strukturellen jährlichen Kosten bis Ende 2006 um jährlich fünf Milliarden Dollar senken. Dies „reiche jedoch nur teilweise aus, um GM in Nordamerika voll wettbewerbsfähig zu machen“, erklärte Wagoner.
GMAC soll verkauft werden
Er kündigte auch an, daß GM einen möglichen Verkauf einer Kontrollmehrheit an der lukrativen Finanztochter GMAC (General Motors Acceptance Corporation) an einen strategischen Partner prüfe. Die Tochtergesellschaft erhöhte im vergangenen Quartal vor allem wegen eines starken Geschäfts mit Hypothekenkrediten den Nettogewinn auf 675 (Vorjahr: 620) Millionen Dollar. Dies sei trotz der Belastungen durch den Hurrikan „Katrina“, die Wagoner auf rund 160 Millionen Dollar bezifferte, ein Rekordergebnis gewesen.
Dennoch wolle GM seine unternehmerische Führung bei der Finanztochter abgeben, um mit einem starken Partner wieder eine Aufstufung der Bonitätsbewertung durch die Ratingagenturen zu erreichen. So könnte sich GMAC (General Motors Acceptance Corp) in Zukunft wieder günstiger refinanzieren.
Weitere Belastungen könnten General Motors aus der Insolvenz des Automobilzulieferers Delphi erwachsen. Diese könnten sich auf bis zu zwölf Milliarden Dollar summieren und stammen aus der Garantie von Pensionsverpflichtungen der ehemaligen Tochter. Wie der Automobilkonzern am Montag anläßlich der Vorlage der Zahlen für das dritte Quartal mitteilte, werden die Verbindlichkeiten aber eher „näher am Mittelpunkt“ der Spanne von Null Milliarden bis zwölf Milliarden Dollar gesehen.
Eigentlich hat sich nichts geändert
Zuvor war das Unternehmen davon ausgegangen, möglicherweise maximal elf Milliarden Dollar an Pensionsverpflichtungen übernehmen zu müssen. Die neue Obergrenze habe sich Zuge der Verhandlungen um eine Einigung mit der Gewerkschaft UAW um die Senkung der eigenen Gesundheitskosten ergeben, hieß es bei GM. Im Klartext hat GM hier offenbar einen Kuhhandel mit den Gewerkschaften gemacht.
Bei allem Optimismus und aller Tatkraft von Rick Wagoner: GM ist keineswegs aus dem Schneider und das Schreckgespenst eines gigantischen Konkurses schwebt weiter über Detroit. Denn GMs Problem ist ja nicht allein die Kostenbelastung, sondern vielmehr die Zange aus Kostenbelastung und intensiverem Wettbewerb, in dem sich das Unternehmen bislang nicht gut geschlagen hat. Die Marktanteilsverluste in Nordamerika gehen weiter, Umsätze werden teuer erkauft, die Erholung in Europa könnte möglicherweise bereits ins Stocken geraten sein.
Ob GM so schnell wie nötig gesundschrumpfen kann, ist fraglich. Und ein Verkauf von GMAC ist vor diesem Hintergrund riskant. Denn wenn das Tafelsilber einmal verscheuert ist, läßt es sich nicht mehr verpfänden. Gelingt die Umstrukturierung nicht oder nur unvollkommen und fährt GM weiter in die Miesen, so wird die Insolvenz unvermeidlich werden, zumal wenn die Kosten aus der Delphi-Insolvenz akut werden sollten. Vor diesem Hintergrund hat sich am Risiko der GM-Papiere nichts geändert und der Aufschwung von kurzer Dauer sein.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |