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Automobilindustrie Kein Ende der schlechten Zeiten für die Peugeot-Aktie

27.10.2006 ·  Ebenso wie Renault mußte auch Peugeot im dritten Quartal einen Umsatzrückgang hinnehmen. Im Gegensatz zum Konkurrenten gibt es derzeit aber wenig Hoffnungszeichen, nachdem die jüngsten Modelle nicht den erhofften Erfolg brachten.

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Europas Autobauer haben schon bessere Zeiten gesehen. Während aber Fiat sich langsam zu erholen beginnt, VW erste Schritte zur Sanierung eingeleitet hat und bei Renault die Zeichen für die Zukunft gut stehen (Renault-Aktie hat längerfristig gute Chancen), scheint Peugeot-Citroën noch zur Talsohle unterwegs zu sein.

Diesen Eindruck muß man jedenfalls gewinnen, wenn man das am Donnerstag abend vorgelegte Zahlenwerk für das dritte Quartal betrachtet. Denn nach einem verkaufsschwachen dritten Quartal wird der französische Autobauer PSA Peugeot Citroen die für das zweite Halbjahr angestrebte Umsatzrendite nicht erreichen können.

Vor allem 307 und 407 enttäuschen

Der Umsatz sank nach Firmenangaben in einem sehr wettbewerbsintensiven Marktumfeld in Westeuropa um 1,8 Prozent auf 12,54 Milliarden Euro. In den ersten neun Monaten ergab sich damit ein Minus von 0,3 Prozent auf 41,63 Milliarden Euro. Analysten hatten im Schnitt mit einem leicht geringeren Umsatzschwund auf 12,6 Milliarden Euro im Quartal und 41,7 Milliarden im Dreivierteljahr gerechnet. Die operative Umsatzrendite werde im zweiten Halbjahr nicht auf dem Niveau der ersten Jahreshälfte von 2,4 Prozent liegen, kündigte das
Unternehmen an.

„Die Verkäufe im dritten Quartal lagen unter den Erwartungen, die Hauptenttäuschung waren der Peugeot 307 und der 407“, sagte Finanzchef Yann Delabriere. Der Absatz des 407 fiel im Quartal um 27 Prozent auf 37.000 Stück, der des 307 um 25 Prozent auf 92.000 Fahrzeuge. Auch der neue 207 konnte den Rückgang der Nachfrage in Europa nicht aufhalten. Der Absatz sank in den ersten neun Monaten um 3,6 Prozent auf 1,698 Millionen Stück, wie PSA mitteilte.

Delabriere wollte keine neue Prognose für das zweite Halbjahr abgeben. Die zweite Jahreshälfte werde vor allem von der Entwicklung der Verkäufe in Westeuropa zum abhängen, die wiederum maßgeblich von der Auslieferung neuer Modelle wie dem Peugeot Boxer sowie Fahrzeugen der Reihe Citroën Relay bestimmt werde.

Rasche Verschlechterung der Verhältnisse

Das Unternehmen hat erst kürzlich seine Bemühungen verstärkt, Kosten zu senken und damit rentabler zu arbeiten. Beobachter hatten eine Senkung der Gewinnprognose größtenteils erwartet. Das Unternehmen hatte für eine stabile Marge im zweiten Halbjahr eine Absatzerholung vorausgesetzt. Diese trat aber zumindest im dritten Quartal nicht ein.

Die Gewinnwarnung ist die zweite des Unternehmens im laufenden Jahr. Schon im Juli hatte PSA-Chef Jean-Martin Folz Zahlen unter den Erwartungen vorlegen müssen, als der Reingewinn um 60 Prozent gefallen war.

„Ich denke, sie sind schockiert, wie schnell sich die Dinge verschlechtert haben“, sagt Max Warburton, Analyst bei der UBS. „Sie leben buchstäblich in den Tag hinein, und sie haben ganz klar im dritten Quartal Verluste gemacht.“ Dies wäre dann die Krönung einer negativen Tendenz , die ihren Anfang bereits vor vier Jahren nahm, als Folz' Kostensenkungsprogramme sich als wenig wirkungsvoll zu erweisen begannen.

Glanz und Elend

Zwischen 1998 und 2002 war Peugeot noch Europas erfolgreichster Autobauer. Die Umsätze wuchsen im Jahresschnitt um 9,5 Prozent, die Gewinne um 37 Prozent. Der Marktanteil stieg von 11,4 auf 15 Prozent. Seitdem betrug das Umsatzwachstum nur noch durchschnittlich 1,2 Prozent, in Westeuropa fallen sie seit dem vergangenen Jahr.

Mittlerweile will PSA ans Eingemachte gehen: Bereits im September kündigte das Unternehmen an, 500 Millionen Euro pro Jahr weniger zu investieren, einen Einstellungsstopp zu verhängen und 10.000 Stellen zu streichen. Abgebaut wird auch die Stelle von Jean-Martin Folz, der Anfang des kommenden Jahres im Alter von 60 in den Ruhestand gehen wird.

Branchenexperten vermuten indes, daß die Gründerfamilie Peugeot ihn im Streit um die zukünftige Strategie zum Rückzug gezwungen hat. Der Familie Peugeot mit Aufsichtsratschef Thierry Peugeot seien die Sanierungspläne von Folz wohl nicht weit genug gegangen. Folz kann zwar auch die Glanzperiode des Konzerns für sich verbuchen, hat aber zu inkonsequent auf die Änderung der Verhältnisse reagiert. So hatte er im Gegensatz zu seinem Konkurrenten Carlos Ghosn von Renault nie einen genauen Zeitplan genannt.

Beste Zeiten der Aktie sind lang vorbei

2002 ging auch spätestens die Glanzzeit der Peugeot-Aktie zu Ende. Diese war von rund 15 Euro im Jahr 1997 bis auf 57,60 Euro im Mai 2001 geklettert und erreichte trotz Baisse ein Jahr später ein Allzeithoch von 60,30 Euro. Danach ging es rasch abwärts bis auf ein Fünf-Jahres-Tief von 33,71 Euro Anfang des Jahres 2003.

Hoffnungen auf eine Wende ließen den Kurs dann bis Ende des vergangenen Jahres wieder auf 57,95 Euro klettern, die sich aber im laufenden Jahr zerschlugen. Das führte dazu, daß die Aktie nach der Gewinnwarnung im Juli endgültig auf ein Jahrestief von 39,29 Euro einbrach. Nach einer leichten Gegenreaktion tendierte die Aktie zuletzt bei etwa 42,50 Euro seitwärts.

Am Freitag ist mit deutlichen Kursverlusten zu rechnen. Nicht nur, daß das Papier mit einem geschätzten Kurs-Gewinn-Verhältnis von 14,8 für das laufende Jahr nicht ganz billig ist. Es ist auch fraglich, ob die zugrundeliegende Prognose überhaupt haltbar ist.

Das gilt in noch viel stärkerem Maße für die Prognose für das kommende Jahr. Im Schnitt gehen die Analysten bisher von einem Anstieg des operativen Ergebnisses von zehn Prozent und des Gewinns je Aktie von 52 Prozent aus. Dafür aber gibt es derzeit keine sichtbare Basis.

Die jüngsten Modelloffensiven der Marke Peugeot mit dem 107 und 207 brachten jedenfalls nicht den erhofften Erfolg. Sollten die Nutzfahrzeuge Peugeot Boxer und Citroën Relay sich ebenfalls schleppend verkaufen, könnte es für PSA noch bitterer kommen. Vorerst ist jedenfalls keine Wende des Abwärtstrends der Aktie zu erwarten.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @mho
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