28.04.2006 · Nach Daimler-Chrysler ist auch VW schwach ins Jahr gestartet. Manche Beobachter vermuten dahinter ein taktisches Mittel gegen den Betriebsrat. Doch das zeigt um so mehr, daß sich die Restrukturierung von VW und Daimler-Chrysler noch hinziehen dürfte.
War der Donnerstag schon nicht gut für die deutschen Standardwerte, weil die chinesischen Zinserhöhungen und vor allem wenig Positives aus dem Haus des Autobauers Daimler-Chrysler belasteten, wird es am Freitag nicht besser.
Im Gegenteil: Am Vormittag testete der Dax um Haaresbreite, ob die Marke von 6.000 Punkten halten würde. Schuld daran sind vor allem die Autowerte: Daimler-Chrysler-Aktien geben wie schon am Vortag nach und verlieren aktuell 2,4 Prozent, BMW-Papiere geben 1,8 Prozent nach, und VW-Titel führen die Verliererliste mit einem Minus von 3,9 Prozent an.
VW verfehlt Prognosen klar
Denn nach den Zahlen, die die Wolfsburger für das erste Quartal vorlegten, haben sie die Prognosen der Analysten klar und deutlich verfehlt. Zwar steigerte der Konzern den operativen Gewinn im ersten Quartal deutlich vor Sondereinflüssen um 55 Prozent auf 726 Millionen Euro und steigerte den Nettogewinn von 70 auf 327 Millionen Euro, doch Analysten waren im Schnitt von 945 Millionen Euro operativen Gewinn und 439 Millionen Euro nach Steuern ausgegangen.
Weniger stark ins Gewicht fiel, daß VW mit einem Plus von 21,4 Prozent auf 25,337 Milliarden Euro den Umsatz unerwartet deutlich steigern konnte. Erwartet worden waren 23,720 Milliarden Euro.
Auch die Markengruppe VW, zu der neben der krisengeschüttelten Stammmarke VW auch Skoda, Bentley und Bugatti gehören, verpaßte beim operativen Gewinn die Erwartungen. Nach einem Verlust von 53 Millionen vor Jahresfrist belief sich der operative Gewinn für das Auftaktquartal auf 134 Millionen Euro, wie der Konzern am Freitag in Wolfsburg mitteilte. Von Reuters befragte Analysten hatten jedoch mit 312 Millionen Euro gerechnet.
Für das Gesamtjahr rechnet der Konzern weiterhin mit einem Anstieg des operativen Ergebnisses vor Sonderfaktoren. Der Vorstand äußerte sich leicht positiv zur Autokonjunktur. Auf dem westeuropäischen Markt und in den Vereinigten Staaten erwartet man eine verbesserte Marktposition, da alle Marken mit neuen Volumenmodellen vertreten seien. Auf den Märkten China und Südamerika/Südafrika rechnet der Konzern mit „moderat ansteigenden“ Auslieferungen.
Nur Finanzdienstleister bringt gute Gewinne
Weiter belastend werden sich die hohen Energie- und Rohstoffpreise auswirken, teilte VW weiter mit. Auch von der Wechselkursentwicklung seien „keine entscheidenden Impulse zu erwarten“.
Analysten bemühten sich um Schadensbegrenzung. Robert Heberger, Analyst bei Merck Finck, sieht lediglich die Finanzdienstleistungsparte über den Prognosen. Vor allem die Vereinigten Staaten hätten sich schlechter entwickelt als geschätzt. VW bleibe genauso wie Daimler-Chrysler weiterhin eine „Restrukturierungs-Story“, bei der genaue Quartalsprognosen insgesamt recht schwierig seien.
Als „übertrieben“ bezeichnet Analyst Michael Punzet von der Landesbank Rheinland-Pfalz (LRP) die Kursreaktion. Die Zahlen seien eigentlich keine große Enttäuschung gewesen. Mit Blick auf die anstehenden Verhandlungen mit den Gewerkschaften seien extrem gute Quartalszahlen aber auch sehr unwahrscheinlich gewesen.
Ein von Reuters zitierter Analyst sieht in den Zahlen „ein klares Signal an den Betriebsrat“. Bereits im Vorfeld der Veröffentlichung hatten Branchenexperten gemutmaßt, Volkswagen könne den auszuweisenden Gewinnanstieg in der Quartalsbilanz in Grenzen halten wollen, um seine Verhandlungsposition mit dem Betriebsrat nicht zu untergraben.
Auch Daimler-Chrysler lebt vom Finanzbereich
Die Verhandlungen dürften die Aktie noch zusätzlich belasten. Denn der Betriebsrat hat abermals Kritik am Vorstand des Automobilherstellers geäußert. Eine „schlüssige Strategie der Standort- und Beschäftigungssicherung mit Beschäftigungsperspektiven“ sei nicht erkennbar, sagte der Konzern-Betriebsratsvorsitzende Bernd Osterloh am Freitag in Wolfsburg. Für die Arbeitnehmervertreter verdichte sich der Eindruck, daß es dem Vorstand eher um einen Arbeitsplatzabbau gehe.
Dieser Stand signalisiert, daß sich die Wende bei VW weiter verzögern könnte, wenn sie denn zu bewältigen ist. Verzögerungen in der Restrukturierung zeigten sich auch am Donnerstag bei Daimler-Chrysler. Ein unerwarteter Sonderertrag aus der Auflösung von Rückstellungen verschönerte das Ergebnis, das unter höheren als ursprünglich angekündigten Belastungen für die Sanierung der defizitären Kleinwagentochter Smart zu leiden hatte.
Der Betriebsgewinn stieg um 263 Millionen Euro auf 891 Millionen Euro und lag damit über den Schätzungen der Analysten, die lediglich mit 818 Millionen Euro gerechnet hatten. Doch ohne die Rückstellungsauflösung hätte der Gewinn lediglich 725 Millionen Euro betragen. Smart schlug dagegen mit einem Minus von 982 Millionen Euro zu Buche. Erwartet worden waren 800 Millionen, wie im Vorjahr.
Der Verlust der Mercedes-Gruppe fiel höher als erwartet aus, bei Chrysler halbierte sich der Betriebsgewinn. Mit einem Konzernüberschuß von 299 Millionen Euro nach 288 Millionen Euro ein Jahr zuvor verfehlte Daimler-Chrysler klar die Erwartungen der Analysten.
Fast 90 Prozent des Gewinns lieferten die Finanzdienstleistungen. Beim Absatz ist trotz neuer Modelle kein Wachstum absehbar und der in Aussicht gestellte Anstieg des Betriebsgewinns auf sechs Milliarden Euro von 5,19 Milliarden Euro im Jahr 2005 liegt unter den bisherigen Schätzungen des Finanzmarkts.
Aktien bewertungstechnisch nicht attraktiv
Beide Firmen quälen sich schon seit langer Zeit mit ihrer Restrukturierung und befinden sich dabei in der guten Gesellschaft sowohl der amerikanischen Autobauer als auch von Peugeot.
Bewertet sind die Aktien trotz des jüngsten Kursrutsches auf Basis der Prognosen mit Kurs-Gewinn-Verhältnissen (KGV) mit 14,6 und 11,1 für VW bzw. 12,9 und 10,5 für Daimler-Chrysler auf Basis des laufenden und des kommenden Jahres. Das gilt allerdings auch nur dann, wenn sich die Prognosen erfüllen - der Start ins Jahr war aber denkbar schwach.
BMW dagegen kommt auf KGVs von 11 für das laufende und kommende Jahr. Trotz der schwachen Dynamik erscheint das deutlich attraktiver. Noch besser im Markt liegen die japanischen Autobauer. So wird für Honda von KGVs von 13,2 und 12,1 ausgegangen. Toyota ist mit 16,1 und 14,3 deutlich teurer.
Während sich die deutschen Autobauer eher quälen, steigerte Mazda nicht nur in dem im März abgelaufenen Geschäftsjahr den Gewinn stärker als erwartet. Der operative Gewinn stieg gegenüber dem Vorjahr um 49 Prozent auf 123,44 Milliarden Yen, Branchenexperten hatten in einer Reuters-Umfrage im Durchschnitt 118,5 Milliarden Yen gerechnet.
Währungseffekte reichen als Erklärung nicht aus
Auch mit seiner Prognose für das im März 2007 endende Geschäftsjahr übertraf Mazda die Erwartungen. Dem Ausblick zufolge wird der Betriebsgewinn um neun Prozent auf 135 Milliarden Yen zulegen. Dazu sollen neue Modelle beitragen. Analysten hatten mit 131,4 Milliarden Yen gerechnet.
Indes helfen Japans Autobauern und besonders Mazda, die 70 Prozent der japanischen Produktion exportieren, auch Währungseffekte, basierend auf einem schwachen Yen, während sich die Europäer mit einem starken Euro auseinandersetzen müssen.
Das ändert indes nichts an den Restrukturierungsproblemen bei VW und Daimler-Chrysler, die Resultate einer jahrelangen verfehlten Strategie sind, die sich beim einen Konzern innerbetrieblich und beim anderen in mißlungen Projekten äußert. Der schwache Start ins Jahr zeigt, daß die Aktien deutlich mehr Geduld abverlangen, als von einigen Anlegern bislang erwartet worden war. Insofern sind sie derzeit wohl kaum als erste Wahl in der Branche zu betrachten.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |