16.11.2006 · Porsche und Volkswagen: Diese Unternehmen sind zwar miteinander verbunden, könnten unterschiedlicher aber kaum sein. Träumen manche Anleger schon von einem neuen „Global Player“? Zur Erinnerung: Bei Daimler-Chrysler ging das schief.
Diese Aktien hätte man haben sollen: Die Titel von Volkswagen haben sich in den vergangenen Monaten um mehr als 80 Prozent verteuert, die Porsche-Vorzüge sind um über 40 Prozent gestiegen.
Am Donnerstag ging es einmal mehr nach oben: für die Volkswagen-Stämme um 2,5 Prozent auf 85,86 Euro, für die Porsche-Titel um 4,15 Prozent auf 916,50 Euro. Damit sind die VW-Aktien so teuer wie seit 1998 nicht mehr, die Porsche-Aktien sind nicht weit von ihrem Ende Oktober erreichten Rekordhoch bei 925,10 Euro entfernt.
Porsches Dementi klingt unglaubwürdig
Die jüngste Rally ist natürlich mit den Gerüchten zu erklären, Porsche könnte VW übernehmen. Am Morgen erhöhten deshalb zwei Banken ihre Kursziele für die Aktie des Wolfsburger Konzerns: Goldman Sachs sieht das Potential der VW-Aktie nunmehr bei 110 nach zuvor 77 Euro, J.P. Morgan setzt das Kursziel bei 85 nach zuvor 65 Euro.
Der Stuttgarter Sportwagenbauer bemühte sich am Donnerstag, den Ball flach zu halten: „Es bestehen derzeit definitiv keine Absichten, den Anteil von Porsche an VW auf 30 Prozent oder darüber aufzustocken“, sagte Porsche-Kommunikationschef Anton Hunger der Nachrichtenagentur dpa. Würde Porsche 30 Prozent an Volkswagen besitzen, müßte der Sportwagenbauer allen VW-Aktionären ein Übernahmeangebot machen.
Zustimmung zur Kapitalerhöhung ist eine Formalie
Doch es sieht tatsächlich ganz danach aus, als wolle Porsche seine Macht bei Europas größtem Autokonzern ausbauen: Mit der am Mittwoch angekündigten Kapitalerhöhung könnte der Anteil an VW problemlos auch über 30 Prozent klettern. Die Hauptversammlung im Januar muß der Kapitalspritze zwar noch zustimmen, das dürfte aber eine Formalie sein, schließlich sind dort die Familien Porsche und Piech allein stimmberechtigt.
Am Donnerstag hieß es aus dem Hause Porsche, das noch zu genehmigende Kapital habe nichts mit Volkswagen zu tun. Wofür aber sollte das Geld sonst benötigt werden? Porsche ist schließlich solide finanziert und erhöht seine Rücklagen Jahr für Jahr.
Das Ende des VW-Gesetzes kommt
Am Mittwoch hatte Porsche nach einer Aufsichtsratssitzung mitgeteilt, der VW-Anteil sei seit Wochenbeginn von 25,1 Prozent auf 27,4 Prozent gestiegen. Das Aufsichtsgremium ermächtigte Porsche-Chef Wendelin Wiedeking, den Anteil weiter auf bis zu 29,9 Prozent aufzustocken.
Damit bereitet sich der weltweit rentabelste Autohersteller auf das Ende des VW-Gesetzes vor, das die Ausübung der Stimmrechte bei dem Wolfsburger Autobauer auf 20 Prozent begrenzt. Seit gut einem Jahr hält der von Familienaktionären beherrschte Porsche-Konzern 21,2 Prozent der VW-Aktien und hat sich als größter Aktionär vor das Land Niedersachsen gesetzt.
Was will Porsche mit VW?
Das halbherzige Dementi von Porsche und die Euphorie der Anleger rücken eine Frage etwas in den Hintergrund, die eigentlich ganz vorne stehen müßte: Was will Porsche mit VW? Klar, die bisherige Beteiligung ergibt Sinn, VW ist für Porsche schließlich ein wichtiger Entwicklungspartner und Lieferant. Die bestehenden Verbindungen zwischen beiden Autobauern wurden durch die Beteiligung lediglich vertieft. Außerdem hat sich der Deal für Porsche heute schon gelohnt - die Stuttgarter haben sich in Wolfsburg zu einem günstigen Kurs eingekauft, der inzwischen kräftig gestiegen ist.
Wenn Porsche aber tatsächlich die Mehrheit an VW übernehmen würde, wäre dies eine andere Dimension. Denn Porsche und Volkswagen sind und bleiben zwei völlig unterschiedliche Unternehmen - und die Gefahr ist groß, daß sich der profitable Sportwagenbauer einen lahmen Massenproduzenten ans Bein binden würde. Die großen Unterschiede verdeutlichen zum Beispiel einige Zahlen aus den Geschäftsberichten der Unternehmen.
Porsches Umsatzrendite: 19,2 Prozent
Porsche setzte im vergangenen Geschäftsjahr, das im Juli endete, genau 96.794 Fahrzeuge ab. Volkswagen verkaufte im 2005 knapp 5,2 Millionen Autos, also 54 Mal so viele. Der VW-Umsatz dagegen liegt mit 95,3 Milliarden Euro nur 13 Mal so hoch wie der von Porsche (7,3 Milliarden Euro). Das ist verständlich, schließlich kostet ein Porsche deutlich mehr als ein VW. Unter dem Strich blieb bei Volkswagen im vergangenen Jahr ein Gewinn von 1,1 Milliarden Euro, bei Porsche aber 1,4 Milliarden.
VW verdient mit 54 Mal so vielen Autos also weniger als Porsche. Die Umsatzrendite von Porsche beläuft sich auf stolze 19,2 Prozent, die von Volkswagen nur auf 1,2 Prozent. Porsche hat in den vergangenen zehn Jahren seinen Umsatz mehr als verdreifacht und seinen Nettogewinn fast verzwanzigfacht. Volkswagen hat im gleichen Zeitraum seinen Umsatz nicht einmal verdoppelt und seinen Nettogewinn nur gut verdreifacht.
Vor allem im VW-Kurs steckt viel Phantasie
Um den Vergleich nicht zu unfair erscheinen zu lassen: Ohne den starken Partner Volkswagen wäre das Geschäftsmodell Porsche nicht so erfolgreich. Trotzdem noch einmal die Frage: Was würde Porsche eine Mehrheit bei VW bringen? Wollen die Stuttgarter beweisen, daß sie die lahmen Wolfsburger auf Trab bringen können? Das wäre ein gewagtes Experiment. Würde es funktionieren, hätte die Marke VW sicher ein riesiges Potential. Was Toyota kann, könnte Volkswagen auch, mag sich mancher denken.
Vielleicht erleben wir also den Anfang einer langen Erfolgsgeschichte. Wer diese Wette eingehen will, der kann auf weiter steigende Kurse setzen. Er sollte allerdings bedenken, daß zumindest im VW-Kurs schon sehr viel Phantasie steckt: Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) auf Basis der Schätzung von Deutsche Bank Equity Research beträgt 43,7 für dieses und 15,4 für das kommende Jahr. Damit gehört die Aktie nach dem KGV-Kriterium zu den teuersten Dax-Titeln.
Träumen manche von einem neuen „Global Player“?
Die Porsche-Aktie dagegen sieht mit einem KGV auf Basis der durchschnittlichen Gewinnschätzung von 16,1 für dieses und 13,8 für das kommende Geschäftsjahr vergleichsweise günstig aus. Zumindest ist diese Bewertung eher gerechtfertigt als die der VW-Aktie, wenn man auf die beeindruckende Gewinnentwicklung in der Vergangenheit blickt. VW dagegen steckt mitten in der Sanierung. Der Aktienkurs ist der Geschäftsentwicklung schon ein gutes Stück vorausgelaufen und wird früher oder später wohl ordentlich korrigieren müssen.
In den nächsten Tagen und Wochen können die Kurse freilich weiterhin munter steigen - getrieben von immer neuen Spekulationen. Vielleicht träumen manche Anleger schon von einem neuen „Global Player“, einem Zusammenschluß von Volkswagen, Porsche, MAN und Scania: Vom schnellen Flitzer bis zum schweren Lkw - alles aus einer Hand. Daimler-Chrysler hatte einst ähnliche Träume.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.692,96 | −1,41% |
| FAZ-INDEX | 1.495,13 | −1,32% |
| TecDAX | 769,89 | −0,43% |
| MDAX | 10.249,10 | −1,04% |
| SDAX | 4.985,13 | −0,71% |
| REX | 421,06 | −0,02% |
| Eurostoxx 50 | 2.480,76 | −1,65% |
| F.A.Z. EURO INDEX | 80,01 | −1,60% |
| Dow Jones | 12.801,20 | −0,69% |
| Nasdaq 100 | 2.547,32 | −0,65% |
| S&P500 | 1.342,64 | −0,69% |
| Nikkei225 | 8.947,17 | −0,61% |
| EUR/USD | 1,3195 | −0,67% |
| Rohöl Brent Crude | 117,61 $ | −0,91% |
| Gold | 1.711,50 $ | −2,09% |
| Bund Future | 138,62 € | +1,01% |