Aufatmen dürfen offenbar zunächst die Fiat-Aktionäre. Denn ihre schwer gebeutelte Aktie ist auf dem besten Weg, zumindest vorläufig einen Boden auszubilden. Etliche Börsianer scheinen jedenfalls bereit zu sein, dem Wert eine neue Chance zu geben.
Nach einer für einen Traditionskonzern wie Fiat fast beispielslosen Talfahrt hat der Aktienkurs zuletzt um über 26 Prozent auf 6,52 Euro zugelegt. Dieses Kursplus signalisiert, daß die Ängste, die bis hin zu einem Bankrott von Italiens größten Industriekonzern gingen, mittlerweile nachgelassen haben. Vielmehr verspricht man sich jetzt vom neu zusammengesetzten Vorstand rasche Sanierungserfolge und dafür ist man auch bereit, Vorschußlorbeeren zu gewähren.
Institutionelle Anleger wetten auf eine Kurserholung
Händler berichteten zuletzt über große Käufe durch ausländische Fonds und der Eindeckung von Leerverkaufs-Positionen. Zu den dabei mitmischenden Akteuren zählt unter anderem der renommierte Schweizer Vermögensverwalter Felix Zulauf. Die Rechnung, die Zulauf aufstellt, lautet dabei ganz einfach: Er veranschlagt den Buchwert auf zehn Euro und alleine die von Fiat gehaltene Beteiligung an CNH Global, einem Hersteller von Traktoren und Baumaschinen, decke bereits den aktuellen Börsenwert ab. Hinzu kämen eine profitable Lkw-Sparte sowie die Automarken Ferrari und Maserati.
Basierend auf dieser simplen Rechnung könnte es durchaus sein, daß der Titel zunächst das Gröbste überstanden hat. Nach dem Tod des Präsidenten Umberto Agnelli und dem Rücktritt des Chief Executive Giuseppe Morchio ist die Geschäftsleitung inzwischen wieder komplett und nach dem dritten Präsidenten und dem fünften Chief Executive innerhalb von nur zwei Jahren besteht nun die Aufsicht auf mehr Kontinuität.
Diese hätte Fiat auch bitter nötig, schließlich ist der Marktanteil im Autogeschäft lange Zeit kontinuierlich gesunken. Und in der Tat gibt es erste hoffnungsvolle Signale. So hat der neue Chief Executive Officer der Automobilsparte, Hebert Demel, kürzlich die Absatzzahlen für den Monat Mai als „ermutigend“ bezeichnet. Insgesamt war der Gesamtautomobilabsatz in Italien da um zwölf Prozent gestiegen, wobei allerdings der Marktanteil auf dem wichtigen Heimatmarkt noch einmal auf 27,7 Prozent von 28,2 Prozent im April zurückgefallen ist.
Langfristig muß das Unternehmen noch viele Hausaufgaben machen
Doch was kurzfristig fast noch mehr zählt als Marktanteil, wo man natürlich über neue Modelle wie den Mini-Van Lancia Musa ebenfalls Boden gutmachen will, sind strategische Entscheidung wie das Abschneiden alter Zöpfe und die Bereinigung des Beteiligungsportfolios. In dieser Hinsicht wird dem dem von der Schweizer Warenprüfungsgesellschaft SGS kommenden neuen Präsidenten Sergio Marchionne dank seiner Erfahrungen mit derartigen Arbeiten einiges zugetraut. Da er mit Aktien-Optionen ausgestatet ist, gehen kühl kalkulierende Börsianer davon aus, daß er mit harten Einschnitten versuchen wird, den Börsenwert seines Unternehmens schnell zu steigern.
Mit den richtigen Maßnahmen dürfte dies nicht allzu schwer fallen, steht bei Fiat einem Umsatz von rund 47 Milliarden Euro doch nur eine Marktkapitalisierung von 5,5 Milliarden Euro gegenüber. Wie der angesprungene Aktienkurs zeigt, könnte es mit dem für dieses Jahr versprochenen Erreichen der operativen Gewinnzone nun erst einmal darum gehen, diese Bewertungslücke etwas zu schließen. Flexibel agierende Anleger könnten dabei mitmischen.
Allerdings dürfen sie dabei nicht vergessen, daß Fiat langfristig gesehen vermutlich noch nicht aus dem Schneider ist. Irgendein Branchenvertreter wird im überbesetzten Automarkt in den nächsten Jahren auf jeden Fall noch die Segeln streichen müssen. Und damit Fiat unter den Überlebenden bleibt, werden die neuen Verantwortlichen mehr tun müssen, als dem Konzern nur kurzfristig wirkende Einschnitte zu verpassen. Dafür sind vielmehr neue Strategien unabdingbar, die momentan aber noch nicht auf dem Tisch liegen.