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Automobile Die Daimler-Aktie hat einen schweren Stand

07.04.2004 ·  Bei der Hauptversammlung von DaimlerChrysler ist von Aktionären vor allem Kritik zu hören. In der Tat wartet der Autobauer zu oft mit negativen Schlagzeilen auf. Erst wenn sich das ändert, winken der Aktie bessere Zeiten.

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Der Hauptversammlung von DaimlerChrysler an diesem Mittwoch wird die überwiegende Mehrzahl der anwesenden Anleger vermutlich mit einer verärgerten Miene beiwohnen. Das ist wenig verwunderlich, schließlich produziert der Autobauer häufig negative Schlagzeilen. Zum Beleg sei nur auf das Desaster um das Mautsystem Toll Collect oder auf die ständigen Probleme in den Bereichen Chrysler und Mitsubishi Motors verwiesen.

Was die meisten Aktionäre aber am meisten wurmt, ist der seit Jahren unbefriedigende Kursverlauf. Wer schon länger Anteilseigner ist, der sitzt seit Ende April des Jahres 1999 auf einem Wertverlust von über 60 Prozent. Die schlechte Bilanz schieben die Börsianer vor allem Konzernchef Jürgen Schrempp in die Schuhe. Der Vorwurf dabei lautet, er habe das Unternehmen mit einer verfehlten Expansionsstrategie mehr Schaden als Nutzen zugefügt.

Objektiv betrachtet darf die schwache Kursentwicklung nicht alleine DaimlerChrysler selbst angelastet werden. Schließlich notierte auch der Dax im genannten Zeitraum deutlich im Minus. Aber kritische Fragen muß sich das Management schon gefallen lassen. Denn ebenso objektiv richtig ist, daß der Traum von der Welt AG bisher nicht einmal ansatzweise aufgegangen ist.

Derzeit drückt es vor allem bei Mitsubishi Motors

Nach jahrelangen massiven Problemen mit der ehemals für stolze 36 Milliarden Dollar zugekauften amerikanischen Tochter Chrysler, sind in Übersee zwar inzwischen einige Schwierigkeiten behoben, endgültig aus dem Schneider ist man aber selbst hier trotz enormer Anstrengungen noch nicht. Ein Faß ohne Boden scheint aber nach wie vor Mitsubishi Motors zu sein.

Der angeschlagene japanische Autobauer, an dem DaimlerChrysler 37 Prozent der Anteile hält, braucht jüngsten Presseberichten zufolge, dringend 5,5 Milliarden Euro, um einen Konkurs abzuwenden. Und mit einer Geldpsritze alleine ist es vermutlich nicht getan. Vielmehr scheint hier dringend eine grundlegende Neuausrichtung nötig zu sein. Das sehen auch Analysten wie Yasuhiro Matsumoto, Analyst bei BNP Paribas Securities, so: „Hier geht es nicht nur ums Geld. Mitsubishi muß seine Produkte, das Marketing und das Management deutlich verbessern. Ähnlich urteilt auch Michael Raab, Analyst beim Bankhaus Sal. Oppenheim: Um zu überleben braucht Mitsubishi Motors kurzfristig dringend Geld. und längerfristig muß die Modellpolitik umgestellt werden.

Wie groß die Probleme sind und um was für einen Fehlgriff es sich bei Mitsubishi Motors handelt, wird auch an der Tatsache deutlich, daß es sich dabei um den momentan einzigen unprofitabel arbeitenden japanischen Autobauer handelt. Bedenkt man zudem noch die das Image schädigenden Vorgänge um das Mautabrechnungssystem Toll Collect, dann ist verständlich, warum die Anleger aufgebracht und nicht gut auf Daimler-Boss Schrempp zu sprechen sind.

Scharfe Kritik von Seiten der Aktionärsschützer

Schon im Vorfeld der Hauptversammlung haben Kleinaktionäre die Konzernspitze heftig attackiert, wobei der Verband der Kritischen Aktionäre Vorstandschef Schrempp als den „größten Kapital- und Arbeitsplatzvernichter“ in der Unternehmensgeschichte bezeichnete und seine Ablösung forderte. Die Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) bezeichnete das Konzept von einem weltumspannenden Automobilkonzern als Fehlkonstruktion. Die Gesamtbilanz des Konzerns gleiche einem „Tollhaus“.

Angezweifelt wird auch, ob Mitsubishi per zusätzlicher Geldspritze überhaupt zu retten ist und auch der Vorwurf, daß die Übernahme von Chrysler eine Fehlkauf war, steht weiter im Raum. DSW-Vertreter Jörg Pluta kommt jedenfalls zu dem Schluß: „Das viel gepriesene Konzept vom weltumspannenden Automobilkonzern erweist sich immer deutlicher als Fehlkonstruktion. Die Chancen, daß sämtliche operativen Konzernsäulen auf Dauer Gewinn erzielen, ist gleich Null.“

Aktie noch immer im langfristigen Abwärtstrend

Strategisch äußerst ungünstig kommen auch die neuesten Meldungen, wonach DaimlerChrysler im März bei seinen Marken Mercedes-Benz und Smart Absatzrückgänge verbucht hat und auch im gesamten ersten Quartal hinter der im Vorjahreszeitraum abgesetzten Zahl zurückliegt. Angesichts der negativen Nachrichtenlage und dem allgemeinen Mißmut unter der Anlegerschaft ist nicht absehbar, was die Aktie aus ihrem langjährigen negativen Trott ziehen könnte. Ein vermutlich kursbeflügelnder Abschied von Chrysler oder Mitsubishi Motors zeichnet sich derzeit jedenfalls nicht ab. Schon deshalb nicht, weil Schrempp sonst sein Gesicht verlieren würde.

Auch was die Bewertung angeht, hat der Titel im Branchenvergleich mit Kurs-Gewinn-Verhältnissen von gut dreizehn und knapp elf auf Basis der für 2004 und 2005 geschätzten Gewinne nicht überdurchschnittlich viel zu bieten. Und solange sich die Nachrichtenlage nicht aufhellt, zieht auch die mit gut 36 Milliarden Euro verglichen mit dem in diesem Jahr erwarteten Umsatz von 140 Milliarden Euro niedrige Börsenbewertung nicht.

Charttechnisch gesehen bewegt sich der Titel seit dem im März des Jahres 2003 verbuchten Tief bei 23,94 Euro zwar in einem sanften mittelfristigen Aufwärtstrend. Aber das schlechtere Abschneiden als am Gesamtmarkt hat sich auch in dieser Zeit nicht geändert. Und ein echtes nachhaltiges charttechnisches Kaufsignal läßt solange auf sich warten, wie der seit April 1999 bestehende langfristige Abwärtstrend, der momentan bei rund 38 Euro verläuft, nicht überwunden wird. Würde es allerdings dazu kommen, könnte das ein Vorbote dafür sein, daß man die Probleme bei DaimlerChrysler doch langsam in den Griff bekommt.

Der Chart zeigt den Kursverlauf der DaimlerChrysler-Aktie.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @JüB
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