Die geschäftliche Ausgangslage für VW bleibt schwierig. Das ist der Eindruck, der sich aus den Nachrichten herleiten läßt, die Europas größter Autobauer am Dienstag anläßlich der Bilanzpressekonferenz verbreitete.
Da wurde zwar das Versprechen bekräftigt, das operative Ergebnis 2005 nach Sondereinflüssen zu verbessern, doch in den beiden ersten Monaten des Jahres lieferte der Konzern weltweit 0,5 Prozent weniger Fahrzeuge aus als im gleichen Vorjahreszeitraum, weshalb das operative Ergebnis im ersten Quartal nicht befriedigend ausfallen werde.
Wie hoch das Jahresergebnis insgesamt ausfallen wird, läßt sich momentan noch nicht mit einer ausreichenden Sicherheit vorhersagen. Auf der einen Seite kämpfen die Wolfsburger zwar mit zahlreichen Modellneuheiten und einem massiven Sparprogramm um steigende Gewinne. Gleichzeitig ist der Konzern auf der anderen Seite aber auch stark von nicht prognostizierbaren externen Umständen abhängig.
Noch immer zahlreiche Risikofaktoren
Den eigenen Angaben zufolge sei es nicht auszuschließen, daß die Anstrengungen zur Ergebnissteigerung auch im Jahr 2005 durch externe Faktoren beeinträchtigt würden. Das Unternehmen wies dabei auf die gestiegenen Rohstoffpreise, die angespannte Wettbewerbsituation und die Wechselkurse hin. Das Problem der ansteigenden Rohstoffpreise, allen voran für Stahl, werde sich auch in diesem Jahr weiter verschärfen, sagte Vorstandsvorsitzender Bernd Pischetsrieder.
Warnungen dieser Art sind natürlich nicht das, was die Börsianer bevorzugt hören. Sie quittieren die Nachrichten daher auch erwartungsgemäß mit einem Minus von 2,36 Prozent auf 36,46 Euro. Ein Teil der in den vergangenen Wochen eingefahrenen Gewinne hat der Titel damit schon wieder eingebüßt. Daß die Kursverluste nicht noch größer ausfallen, hat vermutlich mit er Hoffnung zu tun, daß die intern eingeleiteten Restrukturierungen mittelfristig einen nachhaltigen Erfolg zeigen werden.
Große Hoffungen ruhen dabei auch auf den als Sanierer zu VW geholten früheren DaimlerChrysler-Manager Wolfgang Bernhard. Er soll das Ruder herumreißen und die im Vorjahr in die roten Zahlen gerutschte Markengruppe Volkswagen wieder in die Erfolgsspur zurückführen. Doch zunächst bleibt festzuhalten, daß 2004 das operative Ergebnis der Markengruppe (VW-Pkw, Skoda, Bentley, Bugatti) minus 44 Millionen Euro betrug, nach plus 486 Millionen Euro im Vorjahr. Richtig Geld verdient das Unernehmen demnach momentan nur mit Audi sowie in der Finanzdienstleistungs-Sparte.
Keine Aktie für auf Sicherheit bedachte Anleger
Einfach ist die auf Bernhard wartende Aufgabe mit Sicherheit nicht. So steht in China nach deutlichen Ertragsrückgängen (der operative Gewinn der beiden Gemeinschaftsunternehmen in China fiel auf 222 Millionen Euro von 561 Millionen Euro) eine komplette Neuausrichtung an. Und auch nach hauseigener Einschätzung bleibt die Lage auf den wichtigen Automobilmärkten schwierig.
„VW steht ein schwieriges Jahr bevor. Der Markt ist noch immer schwach, speziell in Deutschland, und das ist nun einmal der wichtigste Markt für VW,“ gibt Fabian Kania von Helaba Trust zu bedenken, der die VW-Aktie als „Verkauf“ einstuft. Selbst wenn die Erwartungen der Analysten 2005 erfüllt werden sollten, ist die Bewertung der Aktie im Branchenvergleich mit einen Kurs-Gewinn-Verhältnis von zwölf nicht gerade günstig.
Auch das spricht dagegen, daß die Aktie schnell und nachhaltig auf die Überholspur wechselt. Für konservative Anleger ist der Titel wegen zahlreicher Risiken zumindest nicht unbedingt geeignet. Diese Einschätzung gilt auch selbst auf die Gefahr hin, dam man dadurch im Falle einer überraschend positiven Geschäftsentwicklung Kurschancen verpassen sollte.