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Automobile Charttechnik spricht für die Fiat-Aktie

24.07.2006 ·  Fiat kommt bei der Restrukturierung besser voran als erwartet. Der italienische Automobilkonzern übertrifft die Erwartungen, die Aktie legt zu. Dazu kommt ein charttechnisch sehr interessantes Kursbild.

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Für Freunde der Charttechnik ist dieses Kursbild ein echter Hingucker: Die Fiat-Aktie könnte als Musterbeispiel für eine Untertassen-Formation dienen (IT0001976403). Diese Formation darf als Vorbereitung für einen markanten Kursanstieg gelten. Der „Henkel“ der Tasse könnte nichts anderes als Ruhe vor dem Sturm bedeuten, wie Charttechniker Thomas Bopp im FAZ.NET-Spezial zur technischen Analyse erläuterte (siehe auch: Untertassen-Charts kündigen die Kurswende an). Bald dürfte es - behalten die Charttechniker recht - also kräftig nach oben gehen.

Die Aktie kostet in Mailand im Frühjahr 1998 fast 45 Euro - in nur wenigen Monaten verliert sie aber die Hälfte ihres Wertes. 1999 und 2000 geht es noch mal über 30 Euro, in den Folgejahren aber gewinnt die Krise an Fahrt. Die Aktie fällt und fällt - bis auf ein Tief bei 4,50 Euro vor gut einem Jahr. Charttechnisch war damit der Boden der Untertasse erreicht. Am Montag ging die Aktie bei 10,71 Euro aus dem Handel, das ist gut ein Prozent mehr als am Vortag.

Doch auch aus fundamentaler Sicht spricht einiges für die Fiat-Aktie: Der Autobauer hat schließlich mit seinen am Montag vorgelegten Geschäftszahlen die Prognosen der Analysten übertroffen. Zudem hob das Management seine Jahresprognose leicht an. Das Betriebsergebnis der Automobilsparte soll auf 250 Millionen Euro statt nur auf 200 Millionen Euro steigen. Für das Nettoergebnis des gesamten Konzerns rechne man nun mit 800 Millionen Euro statt mit „mehr als 700 Millionen Euro“, wie es bisher hieß.

Gewinn endlich auch im gewöhnlichen Geschäft

Der vier Jahre lang krisengeschüttelte Turiner Fahrzeugkonzern hat für das erste Halbjahr 2006 einen Nettogewinn von 481 Millionen Euro erreicht, ohne daß er dabei wie im Vorjahr von außerordentlichen Erträgen profitieren konnte. Im Vorjahr wurde zwar im gleichen Zeitraum ein ähnlicher Gewinn ausgewiesen, doch war im gewöhnlichen Geschäft noch ein Verlust von 251 Millionen Euro entstanden.

Für das zweite Quartal weist die Fiat-Gruppe im gewöhnlichen Geschäft einen Nettogewinn von 330 Millionen Euro aus, gegenüber einem Verlust von 39 Millionen Euro im gleichen Zeitraum des Vorjahres.

Der Umsatz stieg im Vergleich zum Vorjahr im zweiten Quartal um 12,9 Prozent auf 13,6 Milliarden Euro, im ersten Halbjahr betrug die Steigerung 14,7 Prozent auf 26,2 Milliarden Euro.

Vor allem die Autosparte brummt

An der wirtschaftlichen Erholung des Konzerns hat vor allem die Tochtergesellschaft Fiat Auto (Marken Fiat, Alfa Romeo und Lancia) einen großen Anteil. Dort wurden sowohl für das zweite Quartal wie auch für das gesamte erste Halbjahr 2006 Umsatzsprünge von mehr als 20 Prozent realisiert.

Als Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit wird dabei für das zweite Quartal 2006 ein Ertrag von 88 Millionen Euro ausgewiesen (2005: Verlust von 88 Millionen Euro) und für das erste Halbjahr ein Ertrag von 145 Millionen Euro (2005: Verlust von 217 Millionen Euro).

Crédit Agricole als neuer Finanzpartner

Zugleich wird die französische Bankengruppe Crédit Agricole zum neuen Finanzpartner im Autogeschäft. Diese wird zusammen mit Fiat Auto ein paritätisches Gemeinschaftsunternehmen betreiben. Bisher lag das Autofinanzierungsgeschäft von Fiat Auto in den Händen von Fidis Retail Italia, einer ehemaligen Tochtergesellschaft, die in Krisenzeiten zu 51 Prozent an vier italienische Banken verkauft worden war.

Für die verkaufte Beteiligung gibt es jedoch ein Rückkaufrecht, was Fiat in Anspruch nehmen will, bevor 50 Prozent an den neuen französischen Partner weitergegeben werden. Dieser zahlt dann dafür an den Fiat-Konzern eine Milliarde Euro.

Abkommen in Rußland und China

Im Geschäft mit Nutzfahrzeugen erweiterte der Fiat-Konzern seinen Aktionsradius mit drei Abkommen in Rußland und China. In Rußland wird mit dem Partner Severstal eine neue Fabrik für Lieferwagen gebaut, die in Elabuga in Tartarstan jährlich 75.000 Exemplare des Fiat Ducato herstellen soll.

In China hat sich die Nutzfahrzeugtochtergesellschaft Iveco mit einem der größten Fahrzeughersteller, der Gruppe Saic Motor Corporation mit Sitz in Shanghai in einem paritätischen Gemeinschaftsunternehmen zusammengetan, das wiederum 67 Prozent der Anteile an einer Lastwagenfirma namens Chongqing Heavy Vehicle Group aus kommunalem Besitz erwerben soll.

Dort sollen mit Investitionen von insgesamt 120 Millionen Euro die Produktionskapazitäten von jährlich 15.000 auf 40.000 Lastwagen ausgeweitet werden. Zudem ist eine Produktion des Iveco-Schwerlastwagens „Stralis“ vorgesehen. Daneben will Fiat zusammen mit dem Kraftfahrzeughersteller Saic rund 150 Millionen Euro in eine gemeinsame Motorenproduktion investieren.

Analysten sind meist positiv gestimmt

Die Analysten stehen dem Autobauer immer positiver gegenüber. Laut Bloomberg haben in den vergangenen vier Wochen fünf Analysten ihre Gewinnschätzung für dieses Jahr angehoben, nur ein Beobachter korrigierte seine Prognose nach unten. Für das kommende Jahr gab es drei Herauf- und keine Herabstufungen.

Doch es gibt auch kritische Stimmen: Manchem Beobachter hängt der jüngste Erfolg zu sehr am Punto. Analysten der Rasbank zufolge verdient Fiat an jedem Punto 1.000 Euro mehr als am Vorgängermodell. Der Wagen hat maßgeblich dazu beigetragen, daß Fiat seinen Marktanteil in Westeuropa von 6,6 Prozent 2005 auf 7,9 Prozent im ersten Halbjahr 2006 steigern konnte.

Doch die Konkurrenz schläft nicht. Analysten sehen den Punto im Wettbewerb mit anderen Kompaktwagen, die schon auf dem Markt sind oder noch kommen, darunter der Toyota Yaris, der Renault Clio, der Peugeot 207 und der Opel Corsa.

Aktie hat alle Eigenheiten eines Turnaround-Titels

Die fundamentale Bewertung der Aktie zeigt, daß ein guter Teil der Restrukturierungsgeschichte schon eingepreist ist: Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) auf Basis der durchschnittlichen Analystenschätzung beträgt 17,05 für dieses und 11,41 für das kommende Jahr. Für einen Massenproduzent ist das sicher nicht wenig.

Alles in allem scheint die Fiat-Aktie also die typischen Merkmale eines Turnaround-Titels zu besitzen: Die Chancen auf weiter steigende Kurse sind gut, die Risiken für Rückschläge wegen der schon ambitionierten Bewertung allerdings auch. Die Charttechnik spricht für die Aktie, die fundamentale Lage zumindest nicht eindeutig dagegen - die Fiat-Titel bleiben eine interessante Wette.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @bemi mit Material von tp./F.A.Z.
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