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Automobile BMW-Aktie gibt Gas

15.03.2006 ·  Nach einer Ertragsdelle im vergangenen Jahr hat BMW für 2006 einen Rekordgewinn angekündigt. Das liegt zwar vor allem an Einmaleffekten, doch trotzdem sind die Aussichten für die Aktie nicht schlecht.

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Die Welt von BMW scheint wieder heil zu sein. Im vergangenen Jahr trafen die Schwierigkeiten der internationalen Autoindustrie auch die Münchner: Die Folgen der Dollarschwäche machen dem Unternehmen ebenso zu schaffen wie die höheren Preise für Stahl und Öl. Zudem verschärft sich auch im Premiumsegment die Konkurrenz.

Doch der Ausblick auf das laufende Jahr ist so gut, daß die Probleme vergessen sind: Nach einer Ertragsdelle im vergangenen Jahr kündigte BMW für 2006 einen Rekordgewinn an. Ziel sei ein Ergebnis vor Steuern in Höhe von erstmals vier Milliarden Euro, sagte BMW-Chef Helmut Panke am Mittwoch in München.

Seit Jahresbeginn 18 Prozent im Plus

Panke ließ sich damit ungewohnt früh im Jahr auf eine konkrete Gewinnprognose ein. Er begründete den Schritt damit, daß die Aktien des Autobauers an der Börse sonst wohl „abgestraft“ worden wären. Davon kann keine Rede sein, die Anleger reagierten euphorisch: Die Aktie stieg um bis zu vier Prozent auf mehr als 44 Euro, das ist der höchste Stand seit Juni 2002 (Isin DE0005190003). Seit Jahresbeginn hat die BMW-Aktie 18 Prozent zugelegt. Daimler-Chrysler-Papiere stiegen in dieser Zeit nur um elf Prozent und der Dax um knapp neun Prozent.

Im vergangenen Jahr war der Vorsteuer-Gewinn bei dem erfolgsverwöhnten Autobauer um gut acht Prozent auf knapp 3,3 Milliarden Euro gesunken. Allerdings hatten Belastungen aus einer Anleihe das Ergebnis gedrückt, während in diesem Jahr positive Einmaleffekte anfallen.

Neuer Absatzrekord angepeilt

Auch beim Absatz peilt BMW in diesem Jahr neue Rekordwerte an. „Wir wollen damit unsere Position als führender Premiumhersteller der Welt festigen und ausbauen“, sagte Panke. Vor einem Jahr hatte BMW Daimler-Chrysler als größter Hersteller von Luxusautos abgelöst.

Das Absatzwachstum von 14,2 Prozent in den ersten beiden Monaten werde sich in dieser Höhe zyklusbedingt aber nicht über das gesamte Jahr halten lassen. Im vergangenen Jahr hatte die Gruppe die Zahl der Auslieferungen um knapp zehn Prozent auf erstmals mehr als 1,3 Millionen verkaufte Fahrzeuge gesteigert.

Angesichts des geplanten Aktienrückkaufs versuchte Panke Befürchtungen zu nehmen, BMW werde künftig weniger Geld in die Entwicklung neuer Modelle und Technik stecken: „Sie brauchen keine Angst zu haben, daß BMW eine Bank mit angeschlossener Autosparte wird.“ Für die kommenden Jahre hat BMW bereits zwei weitere völlig neue Modelle angekündigt, eine Art Van und eine Mischung aus Coupé und geländegängigem Sports Activity Vehicle.

Nicht nur Sondereffekte treiben den Gewinn

Beim Ergebnis will BMW in diesem Jahr von verschiedenen Effekten profitieren. Im vergangenen Jahr hatten Währungseffekte das Ergebnis um 677 Millionen Euro gedrückt, höhere Rohstoffpreise belasteten den Konzern mit 237 Millionen Euro. Auch 2006 hielten die externen Belastungen an, sagte Panke. „Diese Effekte werden jedoch weniger stark wirken als im Vorjahr.“ Zudem würden das Absatzwachstum und ein besserer Produktmix das Ergebnis beflügeln.

Hinzu kommen die Einmaleffekte: Im vergangenen Jahr drückten Abschreibungen auf eine Rolls-Royce-Umtauschanleihe das Ergebnis um gut 350 Millionen Euro, in diesem Jahr wiederum führte die Reduzierung der Rolls-Royce-Beteiligung bereits zu einem positiven Ergebniseffekt von 350 Millionen Euro. Panke betonte aber, daß das geplante Gewinnwachstum in diesem Jahr nicht nur auf diese Sondereffekte zurückzuführen sei. Der Konzern wolle auch operativ zulegen.

Analysten wenig beeindruckt

Experten zeigten sich vom Ausblick nur wenig beeindruckt. „Clever kommuniziert, würde ich sagen“, sagte HVB-Analyst Georg Stürzer. „Wenn man die Effekte aus der Rolls-Royce-Anleihe aus dem vergangenen und dem laufenden Jahr herausrechnet, bleibt das Ergebnis lediglich stabil.“

Sein Kollege Marc Rene Tonn von MM Warburg äußerte sich ähnlich. „Wenn man davon ausgeht, daß der Umsatz steigt, heißt das, daß die Marge zurückgeht“, sagte er. Operativ könnten andere Premiumhersteller im laufenden Jahr und auch darüber hinaus auch beim Absatzwachstum besser abschneiden. Die Marken Audi und Mercedes dürften größere Steigerungsraten erwarten. Bereinigt um Bilanzierungseffekte habe die VW-Tochter auch die bessere Rendite, sagte Tonn.

Falk Frey, Analyst bei Moody's Investor Services, sagte gegenüber Bloomberg, er sehe für BMW mehrere Risiken: Der Wettbewerb im Luxussegment nehme zu, die operative Marge könnte sinken. Außerdem laufe BMW Gefahr, in Zukunft eher Autos für den Massenmarkt zu bauen und den Fokus auf das Premiumsegment zu verlieren.

Aktie recht moderat bewertet

Credit Suisse bestätigte vor wenigen Tagen seine „Outperform“-Einstufung für die BMW-Aktie. Der Autobauer sei der im Sektor am deutlichsten unterbewertete. Tatsächlich ist das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) noch moderat: Auf Basis der durchschnittlichen Gewinnschätzung für das laufende und das kommende Jahr ergibt sich ein KGV von 12,4 bzw. 11,8. Die Dividende soll in diesem Jahr um 3,2 Prozent auf 64 Cents steigen, daraus errechnet sich eine Dividendenrendite von derzeit rund 1,5 Prozent.

Auch charttechnisch ist das Papier interessant: Ein wichtiger Widerstand bei gut 40 Euro, an dem sich die Aktie in den vergangenen zwölf Monaten dreimal abgearbeitet hatte, ist jetzt genommen. Von seinem bisherigen Rekordhoch im Jahr 2002 bei 47,60 Euro ist die Aktie freilich noch ein gutes Stück entfernt.

Alles in allem scheint BMW ein solides Investment zu sein. Der Autobauer ist und bleibt profitabel. Verglichen mit den Problemen der Konkurrenten Volkswagen und Daimler-Chrysler geht es den Bayern gut. Derzeit spricht wenig dafür, daß sich das so bald ändern sollte. Darum stehen die Chancen gut, daß auch der Aktienkurs langfristig weiter zulegt.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @bemi mit Reuters
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