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Automobilaktien Mehr Phantasie und höheres Tempo

03.08.2006 ·  Automobilaktien sind wieder gefragt. Die Hersteller übertrumpfen sich mit guten Nachrichten, obwohl vom amerikanischen Markt derzeit eher schlechte Signale kommen. Die Autoindustrie ist in Bewegung wie seit Jahren nicht mehr.

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Überraschend gute Quartalszahlen haben zahlreichen Automobilwerten an der Börse neuen Schwung gegeben. Am Mittwoch preschte BMW vor und setzte die Serie positiver Nachrichten aus der Branche fort, die in der vorigen Woche von General Motors (GM), Volkswagen und Daimler-Chrysler begonnen wurde.

Auch die schwachen Vorgaben vom amerikanischen Automarkt konnten die zuversichtliche Stimmung an den Kapitalmärkten nicht trüben. An den europäischen Börsen sind Autowerte in den vergangenen Tagen die Titel mit der besten Wertentwicklung.

Krisengeschüttelte Nummer eins GM

Tatsächlich ist die globale Autoindustrie in Bewegung wie seit Jahren nicht mehr. Die Allianzpläne von Renault und Nissan mit GM haben auf einen Schlag Fusions- und Übernahmespekulationen in der Branche angeheizt.

Seitdem spielen Börsianer unterschiedliche Szenarien durch, diskutieren beispielsweise eine Allianz von Honda und Ford oder loten konkret die Chancen des Dreier-Bündnisses von GM mit Renault und Nissan aus. Profiteur ist die krisengeschüttelte Nummer eins GM: „Den Amerikanern könnte die Allianz bei ihrer Sanierung am ehesten helfen“, sagt Björn Rosentreter von Independent Research.

Furcht vor Feindseligkeiten im Nahen Osten

Am Aktienkurs von GM war das unmittelbar nach Bekanntwerden der Pläne mit einem Kursplus von zehn Prozent abzulesen. Inzwischen ist das Kursziel für Aktien des Autokonzerns, dessen Anleihen nur noch Ramschstatus genießen, vielfach angehoben worden. Die Analysten der Credit Suisse etwa stufen die GM-Aktie „neutral“ ein und haben das Kursziel von 26 auf 35 Dollar erhöht. GM-Aktien waren vor den Allianzspekulationen die großen Verlierer, kosten derzeit aber gut 31 Dollar.

Dabei sind die allgemeinen Rahmenbedingungen für Autowerte unverändert kritisch zu beurteilen. Schlechte Vorzeichen gibt es zuhauf: Globale Überkapazitäten und ruinöse Rabattschlachten auf wichtigen Absatzmärkten zehren seit Jahren an der Rendite, und noch ist nicht absehbar, ob neue Formen der Zusammenarbeit zwischen den Autokonzernen wirklich das Problem zu vieler nur mäßig ausgelasteter Fabriken lösen. Aus Furcht vor dem Ausbruch neuer Feindseligkeiten im Nahen Osten belasten aktuell die hohen Rohölpreise.

Rohstoffkosten nur als Ausrede?

Wenn in einer solchen Situation schwache Absatzzahlen im originären Autogeschäft hinzukommen, schlagen die dramatisch gestiegenen Rohstoffkosten auf die Ertragsrechnung durch: Peugeot-Citroen mußte vorige Woche die eigene Ergebnisprognose nach unten korrigieren, als selbst schlimmste Befürchtungen der Börsianer noch übertroffen wurden.

Und bei Honda geht das Management davon aus, daß die geplanten Sparmaßnahmen nicht ausreichen, um die höheren Kosten für Kupfer, Aluminium und Edelmetalle wettzumachen. Renault-Chef Carlos Ghosn dagegen will die Rohstoffkosten nicht als Ausrede gelten lassen, sollte er die Renditeziele verfehlen.

Japaner gut beurteilt

Anleger orientieren sich an den Herstellern, die sich besser geschlagen haben: Auf dem Weg zum größten Autobauer der Welt gibt Toyota das Tempo vor und hat in den Vereinigten Staaten Ford in der Zulassungsstatistik bereits von Rang zwei verdrängt. Unverändert gut werden die Japaner an der Börse beurteilt.

Der Favorit unter den europäischen Werten ist für viele Analysten Daimler-Chrysler. Dresdner Kleinwort empfiehlt die Aktie zum Kauf bei einem Kursziel von 49 Euro. Analyst Rosentreter von Independent Research nennt ein Kursziel von 47 Euro auf sechs Monate. Und sein Kollege Georg Stürzer von der Hypo-Vereinsbank sieht den fairen Wert bei 48 Euro.

Sanierungseffekte bei Daimler-Chrysler

„Die Weichen sind in die richtige Richtung gestellt“, sagt Stürzer. „Das Smart-Thema ist gelöst, die Kostensenkungen bei der Marke Mercedes-Benz werden in den nächsten Quartalen eine klare Ergebnisverbesserung bewirken, und bei Chrysler kann eine Modelloffensive zu Produktivitätssteigerungen beitragen.“ Die positiven Effekte der eingeleiteten Sanierung dürften bei Daimler-Chrysler zudem eher sichtbar sein als beim Konkurrenten Volkswagen, dem in den kommenden Wochen noch langwierige Tarifauseinandersetzungen mit Betriebsrat und Gewerkschaft bevorstehen.

Mit derzeit 40 Euro ist die Daimler-Aktie aus Analystensicht viel zu niedrig bewertet. Sie kostet damit soviel wie vor der Amtsübernahme von Vorstandschef Dieter Zetsche und nur halb soviel wie die Renault-Aktie. Stürzer kennt den Grund: „Zetsches operatives Ergebnisziel von 6 Milliarden Euro in 2006 wird von der Börse angezweifelt, die von Ghosn für Renault angestrebte operative Marge von 6 Prozent in 2009 aber nicht. Beide haben verdient, daß man ihnen ihre Ziele abnimmt.“

Quelle: hpe. / F.A.Z., 03.08.2006, Nr. 178 / Seite 17
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