17.08.2009 · Die Stammaktien von Volkswagen haben am Montag deutlich an Wert verloren. Der Abschwung dürfte mit der Grundlagenvereinbarung zusammenhängen, die VW, Porsche und das Emirat Qatar Ende vergangene Woche unterzeichnet haben.
Von Johannes RitterDie Stammaktien von Volkswagen (VW) haben am Montag deutlich an Wert verloren. Im Tagestief fiel der Kurs um rund 11 Prozent. Am Nachmittag erholte er sich wieder, lag aber mit 171 Euro zu Handelsschluss 9 Prozent im Minus. Die VW-Aktie war damit der größte Kursverlierer im Dax.
Der Abschwung dürfte mit der Grundlagenvereinbarung zusammenhängen, die VW, Porsche und das Emirat Qatar Ende vergangene Woche unterzeichnet haben. Diese führt im Ergebnis dazu, dass Porsche als zehnte Marke unter das Dach des VW-Konzerns rückt und Volkswagen mit Qatar einen weiteren Großaktionär bekommt. Bisher liegen 50,8 Prozent bei der von den Familien Porsche und Piëch kontrollierten Porsche Holding SE; 20 Prozent der stimmberechtigten Stammaktien hält das Land Niedersachsen.
Qatar will von Porsche VW-Aktienoptionen übernehmen, die einen VW-Anteil von rund 17 Prozent verbriefen und die Beteiligung später bis auf 19 Prozent ausbauen. Auf welchen VW-Aktienpreis sich Qatar und Porsche verständigt haben, ist nicht bekannt. Im Markt wird er auf 85 bis 100 Euro geschätzt. In jedem Fall ist genau diese geplante Transaktion nach Ansicht von Arndt Ellinghorst, Analyst der Bank Credit Suisse, ausschlaggebend für den jüngsten Kursrutsch der VW-Stämme: "Der Markt antizipiert, dass der Streubesitzanteil fällt, sobald Qatar die VW-Optionen übernimmt."
Zum Hintergrund: Es gibt Fonds, die ausschließlich in Aktien investieren, die in Leitindizes wie dem Deutschen Aktienindex (Dax) oder Euro-Stoxx-50 enthalten sind. Dabei folgen sie unter anderem der Regel, dass eine ausreichend große Anzahl von Aktien eines Unternehmens frei handelbar sein muss. Dieser "Free-Float" verengt sich bei VW durch den Einstieg Qatars enorm, denn die den Optionsgeschäften zugrunde liegenden VW-Aktien wurden bisher dem Streubesitz zugerechnet. Analyst Ellinghorst schätzt, dass die passiven Indexfonds deswegen rund 6 Millionen VW-Stammaktien verkaufen müssten. Entsprechend groß sei das Abwärtspotential im Kurs. "Es gibt keinen Grund, war-um die Stammaktie über der Vorzugsaktie notieren sollte", sagt Ellinghorst.
Der Kurs der stimmrechtslosen VW-Vorzüge lag am Montag bei 57,70 Euro und damit knapp 2 Prozent über dem Schlusskurs vom Freitag. Der enorme Abstand zwischen den Aktiengattungen sorgte im Markt stets für große Irritationen. "Mit den fundamentalen Daten des VW-Konzerns hat der Kurs der Stammaktie schon lange nichts mehr zu tun. Jetzt platzt die ganze Blase", meint Ellinghorst. Dafür sieht er die VW-Vorzugsaktie im Aufwind: "Die Vorzugsaktie wird die liquide Aktiengattung. Auf sie werden die Anleger fortan setzen." Das Momentum für die deutlich günstigeren VW-Vorzüge scheint so gut zu sein, dass sogar die von VW angekündigte Kapitalerhöhung, die ausschließlich über die Ausgabe neuer Vorzugsaktien laufen soll, keinen größeren Kursdruck erzeugt.
Auch Marc-René Tonn vom Bankhaus M.M. Warburg hält die Kurskorrektur bei der VW-Stammaktie für längst überfällig. Er schätzt deren fairen Wert auf 84 Euro. Den fairen Wert der Vorzugsaktie veranschlagt Tonn auf 67 Euro. Die am Montag veröffentlichen VW-Absatzzahlen für Juli hätten den Kurs nicht beeinflusst. Europas größter Automobilkonzern hat die Auslieferungen gegenüber dem Vorjahresmonat um knapp 7 Prozent gesteigert und damit seinen Marktanteil weiter erhöht. Allerdings profitiert VW von der Abwrackprämie in Deutschland und den staatlichen Anreizprogrammen in China.
Wenn diese Stützungsmaßnahmen auslaufen, geht es auch für VW bergab. Analyst Tonn glaubt, dass der Absatz 2010 um 3 Prozent sinken wird. Im laufenden Jahr wird der Nettogewinn des Konzerns nach seiner Schätzung auf 1,2 Milliarden Euro einbrechen nach 4,7 Milliarden Euro im vergangenen Jahr. "VW muss zusätzlich zur Abwrackprämie hohe Rabatte gewähren. Das drückt die Margen."
Unterdessen hat die Rating-Agentur Moody's ihre Einschätzung der Kreditwürdigkeit von VW trotz der bevorstehenden finanziellen Last aus der Porsche-Übernahme beibehalten. Das Rating laute weiterhin auf "A3", teilte die Agentur mit.
Der Ausblick sei stabil, basiere allerdings auf der Annahme, dass die zur Finanzierung des Porsche-Kaufs geplante Kapitalerhöhung zügig abgeschlossen werde und die Integration des Sportwagenherstellers keine Probleme aufwerfe.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |