07.11.2008 · In der Automobilbranche hat in den vergangenen Jahren eine Gezeitenwende stattgefunden. Sie zeigt sich alleine schon daran, das VW inzwischen zu den teuersten Unternehmen der Welt zählt. Porsche ist mehr Wert als Ford und GM zusammen.
In der Automobilbranche hat in den vergangenen Jahren eine Gezeitenwende stattgefunden. Ging sie ursprünglich vom Aufkommen innovativer und wettbewerbsstarker Unternehmen aus Asien aus, so hat sie sich in den vergangenen Monaten beschleunigt durch den Versuch des relativ kleinen Sportwagenherstellers Porsche, den Massenhersteller Volkswagen feindlich zu übernehmen.
Die Entwicklung lässt sich ohne weiteres an den Marktkapitalisierungen der börsengehandelten Unternehmen ablesen. Während Toyotas Börsenwert in den vergangenen Jahren zwischen 65 und 180 Milliarden Euro schwankte, jedoch insgesamt relativ stabil blieb, wurde der Wert von Volkswagen in den vergangenen Jahren immer größer. Zwischenzeitlich wurde VW sogar zum teuersten Unternehmen der Welt.
Gegensätze zwischen asiatisch-europäischen und amerikanischen Autofirmen
Aufgrund verschiedener Sondereffekte ist die Aktie inzwischen zwar massiv überbewertet. Allerdings steht das Unternehmen im internationalen Vergleich operativ vergleichsweise solide da. Ähnliches gilt auch für Porsche, auch wenn sich die Aussichten der gesamten Branche in den vergangenen Monaten aufgrund der Kredit- und Wirtschaftskrise deutlich eintrübten.
Die Gegensätze zwischen japanischen sowie europäischen Herstellern mit jenen ihrer amerikanischen Pendants könnten kaum ausgeprägter sein. Während Porsche am Freitag das beste Ergebnis seiner Geschichte verkündet, musste Ford einen riesigen Quartalsverlust bekannt geben.
Der schwäbische Sportwagenbauer Porsche hat im abgelaufenen Geschäftsjahr (per 31. Juli) einen riesigen Gewinnsprung verbucht und das mit Abstand beste Ergebnis in der Unternehmensgeschichte erzielt. Erstmals lag der Vorsteuergewinn über dem Umsatz. Wie die Stuttgarter am Freitag nach einer Aufsichtsratssitzung mitteilten, lag das Ergebnis vor Steuern bei 8,57 Milliarden nach 5,85 Milliarden Euro im Vorjahr. Der Überschuss stieg von 4,24 Milliarden auf 6,39 Milliarden Euro. Die Erlöse betrugen 7,46 Milliarden Euro.
Alleine die Beteiligung an Volkswagen trug mit 6,83 Milliarden Euro zum Ergebnis bei. Im Vorjahr hatte die VW-Beteiligung einen Beitrag von 3,59 Milliarden Euro geleistet. Porsche hatte Ende Oktober seinen Anteil an Europas größtem Autobauer auf 42,6 Prozent der Stammaktien ausgebaut. Zusätzlich halten die Stuttgarter etwas weniger als 31,5 Prozent in Form von Optionen.
Im kommenden Jahre will der Sportwagenbauer seine Beteiligung an VW auf 75 Prozent erhöhen und so den Weg für einen Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag frei zu machen. Wegen des riesigen Gewinnsprungs wollen die Stuttgarter ihre Sonderdividende von 1,50 Euro je Aktie im Vorjahr auf 2,0 Euro erhöhen. Die normale Dividende soll wie im Vorjahr 0,69 Euro je Stammaktie und 0,70 Euro je Vorzugsaktie betragen.
Dagegen verschärft der angeschlagene amerikanische Autobauer Ford seinen Sparkurs und will in Nordamerika weitere 2.260 Stellen streichen. Vor Steuern fuhr das Unternehmen einen Verlust von 2,7 Milliarden Dollar ein. Unter dem Strich blieb ein Minus von 129 Millionen Dollar. Tief rote Zahlen schrieb das Autogeschäft mit einem Vorsteuerverlust von 2,9 Milliarden Dollar nach minus 362 Millionen im Vorjahreszeitraum. Der Netto-Konzernverlust verringerte sich im Vergleich zum Vorjahr, als der Autobauer ein Minus von 380 Millionen Dollar eingefahren hatte. Bereinigt um Sonderfaktoren fiel das Minus mit 1,3 Dollar je Aktie aber deutlich höher aus als von Analysten erwartet. Sie hatten mit einem Verlust von 94 Cent pro Papier gerechnet
Vor Steuern wies der Konzern in den fortgeführten Geschäften einen Verlust von 2,7 Milliarden Dollar aus, das aber teilweise durch Einsparungen von 2 Milliarden Dollar kompensiert wurde. Ford hatte seine Pensionsverpflichtungen in eine von der Autogewerkschaft UAW betriebene Gesellschaft ausgelagert.
Porsche mehr wert als Ford und GM zusammen
Der Umsatz brach um 22 Prozent auf 32,1 Milliarden Dollar ein. Das Barvermögen verringerte sich drastisch von 26,6 Milliarden Dollar Ende des zweiten Quartals auf nunmehr 18,9 Milliarden Dollar. Als Gründe nannte Ford unter anderem die roten Zahlen im Autogeschäft und gesenkte Zinsen im Autofinanzierungsgeschäft. Ford kündigte an, seine Produktion im vierten Quartal weiter zu drosseln. Bereits im dritten Vierteljahr hatte der Konzern 500.000 weniger Fahrzeuge produziert als von April bis Juni.
Im Unterschied zu den europäischen und asiatischen Konkurrenten leiden die amerikanischen Automobilunternehmen nicht nur unter der Wirtschaftskrise generell, sondern auch unter drastischem Missmanagement. Im blinden Vertrauen auf das Kredit getriebene Wachstum und tiefe Kraftstoffpreise haben sie in den vergangenen Jahren versäumt, moderne und sparsame Fahrzeuge zu entwickeln. Zusammen mit hohen Pensionslasten und einer geringen Flexibilität hat das ihre Wettbewerbsfähigkeit erodieren lassen und sie in die Verlustzone gezogen. Kein Wunder, dass die Papiere von Ford und General Motors an den Börsen inzwischen deutlich weniger wert sind, als die der Konkurrenten.
Mit einer Marktkapitalisierung von knapp 12 Milliarden Euro ist alleine Porsche mehr als doppelt so viel wert, wie die beiden amerikanischen Automobilriesen zusammen genommen. Es dürfte Jahre dauern und riesige Subventionen nötig machen, bis sie sich davon werden erholen können. Ihre Aktien mögen dann interessant werden können, wenn sie ihre Bilanzen bereinigt und neue Produkte entwickelt haben. Bis dahin dürfte allerdings noch viel Zeit vergehen, auch wenn die Börse Entwicklungen vorwegnehmen mag.
porsche und vw
bernd trostmann (btrostmann)
- 08.11.2008, 12:03 Uhr
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