12.12.2008 · Die europäischen Auto-Aktien geraten unter starken Verkaufsdruck, nachdem der amerikanische Senat der dortigen Autoindustrie das staatliche Rettungspaket versagt hat. Die Daimler-Aktie leidet am stärksten, doch auch andere Autowerte brechen ein.
Es dürfte wohl kaum einen Anleger überrascht haben, dass am Freitag auch die deutschen Autoaktien unter die Räder gekommen sind. Allen voran verloren Daimler im Laufe des Vormittags mehr als 7 Prozent auf 23,30 Euro. BMW notierten mehr als 4 Prozent schwächer bei 21,48 Euro. Auch die meisten europäischen Autowerte brachen ein. Der Auto-Stoxx-Index fiel zeitweise um 4 Prozent. Unter den großen europäischen Standardwerten wurden Renault und Fiat mit einem Abschlag von mehr als 8 Prozent gehandelt. Peugeot verloren mehr als 5 Prozent.
Dabei sind die größten Verlierer bisher die Aktien der amerikanischen Autokonzerne General Motors und Ford - Chrysler ist nicht mehr an der Börse notiert. Noch konnten die Anleger nicht an der Wall Street auf die Nachricht reagieren, dass der amerikanische Senat den großen Drei die staatliche Rettung von 14 Milliarden Dollar (10,8 Milliarden Euro) verweigert.
Hohe Kursverluste für GM und Ford
Doch auch an der Frankfurter Börse werden GM (Isin: US3704421052) und Ford (Isin: US3453708600) als Auslandsaktien gehandelt. Zwar sagt der Handel wenig über die Reaktion der amerikanischen institutionellen Großanleger aus. Doch das Ausmaß der Kursabschläge zeigt doch deutlich, wie die deutschen Anleger das Ausbleiben der staatlichen Rettung beurteilen: GM tendierten 34 Prozent schwächer bei nur noch 2,09 Euro und knapp 700.000 gehandelten Stück. Zeitweise lag der Kurs sogar 45 Prozent im Minus.
GM und Chrysler gelten an der Börse als heiße Kandidaten dafür, dass sie möglicherweise noch vor Jahresultimo Insolvenz anmelden müssen. Die Situation von Ford wird im Vergleich zu den beiden Konkurrenten als etwas besser eingeschätzt. Die Ford-Aktie verlor in Frankfurt 12 Prozent auf 2 Euro und notierte zeitweise fast 25 Prozent im Minus.
Lage angespannt, aber nicht hoffnungslos
Erst um kurz vor 5 Uhr morgens europäischer Zeit war die Ablehnung des Rettungspakets offiziell. Doch beim amerikanischen Börsenschluss zeichnete sich schon ab, dass die Diskussion zumindest schwierig würde. In New York hatten Ford und GM schon um jeweils 10 Prozent nachgegeben.
Die Lage bei den amerikanischen Autobauern ist nun laut Experten angespannt, aber nicht hoffnungslos. „Die Psychologie ist erstmal negativ, weil die Gefahr eines Konkurses bei GM und/oder Chrysler gewachsen ist und die Zukunft sehr unklar erscheint“, sagte Analyst Jürgen Pieper, Analyst beim Bankhaus Metzler. Allerdings scheine die Lage auf den zweiten Blick nicht hoffnungslos, da der künftige amerikanischen Präsident Barack Obama schon betont habe, die Autoindustrie nicht fallen zu lassen. Entsprechend dürfte er bei seiner Amtsübernahme wenn nötig auch Notgelder zur Rettung der Autobauer aufbringen.Die erste Auswirkung ist Pieper zufolge aber Unsicherheit und Angst, was die Autowerte belastet. Hieraus könnten sich allerdings durchaus Kaufgelegenheiten für Anleger mit starken Nerven ergeben, so Pieper weiter.
GM engagiert schon Insolvenzberater
General Motors hat laut einem Pressebericht schon vor einigen Wochen einige der renommiertesten amerikanischen Insolvenzberater und -anwälte engagiert. Diese prüften, ob Gläubigerschutz beantragt werden solle, berichtete das „Wall Street Journal“ am Freitag unter Berufung auf Kreise.
In Europa litten auch die Aktien von Autozulieferern unter den verdüsterten Branchenaussichten. So tendierte die Aktie von Leoni um 16 Prozent schwächer. An der Pariser Börse wurde die Aktie von Valéo mit einem Minus von 8,2 Prozent gehandelt.
Conti-Aktie leidet unter Hausgemachtem
Nur Continental machte am Freitag eine Ausnahme. Die Aktie des Reifenherstellers und Autozulieferers litt weniger unter der Branche als unter eigenen Schwierigkeiten. Nach einem Bericht des „Handelsblatt“ lieferte die Aufsichtsratssitzung des Automobilzulieferers dramatische Erkenntnisse über den Zustand des Großaktionärs Schaeffler. Das fränkische Familienunternehmen benötige kurzfristig eine Eigenkapitalzufuhr von 4 bis 7 Milliarden Euro, schrieb die Zeitung unter Berufung auf Kreise des Kontrollgremiums.
Dass Schaeffler Refinanzierungsbedarf habe, sei offensichtlich, sagte ein Händler. Allerdings bekomme das Ganze den Anschein eines Notfalls, so der Börsianer. Die Nachrichten belasteten auch die zum Verkauf eingereichten Continental-Aktien und die nachträglich zum Verkauf eingereichten Titel des Zulieferers, die 6,46 Prozent auf 56,01 Euro oder. 5,78 Prozent auf 56,25 Euro nachgaben. Die Continental-Aktien selbst büßten 6,1 Prozent auf 35,11 Euro ein.
Nun warten die Anleger gespannt auf die Markteröffnung in New York um 16 Uhr europäischer Zeit. Dann wird sich zeigen, wie die amerikanischen Großanleger die Aussichten bei den amerikanischen Autokonzernen einschätzen. Auch wenn die meisten Anleger jetzt einen scharfen Kurseinbruch bei Ford und GM erwarten, muss dieser nicht zwangsläufig stattfinden.
Autokauf in der Praxis
Michael Krause (KanzleiKrause)
- 14.12.2008, 12:16 Uhr
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |