03.03.2009 · Auch die letzten Zweifler haben nun erkennen müssen: Die Baisse am amerikanischen Aktienmarkt ist in eine neue Phase eingetreten. Einige technische Analysten fürchten nun eine Ausverkaufsstimmung. Eine Zwischenerholung ist jedoch möglich.
Auch die letzten Zweifler haben am Montag erkennen müssen, dass die Baisse am amerikanischen Aktienmarkt in eine neue Phase eingetreten ist. Jetzt interessiert technisch orientierte Analysten nur noch, wie diese Phase verlaufen wird. Zwei Szenarien sind denkbar: entweder ein Ausverkauf mit einer nachfolgenden Tendenzwende nach oben, was sich optisch in Form eines „V“ darstellen würde, oder ein gemächliches, von Erholungen unterbrochenes Abbröckeln, das in einer Seitwärtsbewegung endet. In beiden Fällen wollen sich Techniker auf keine Ziele für die Indizes festlegen lassen. Alle Angaben müssten unter dem Vorbehalt stehen, dass es sich nur um vage Wahrscheinlichkeiten handelt.
Noch bis Ende vergangener Woche hatten jene, die den Standard & Poor's 500 Index (S&P 500) als repräsentativ für den gesamten amerikanischen Aktienmarkt ansehen, gehofft, dass sich die Schwächephase nur als ein Test des zyklischen Tiefstands vom 21. November 2008 erweisen werde. Bei solchen Tests ist es nicht ungewöhnlich, dass das ursprüngliche Tief noch einmal in Grenzen unterschritten wird, bevor ein Index nach oben abdreht. Diese Hoffnung hat sich am Montag zerschlagen. Der Dow Jones Index für Industriewerte hatte die Richtung vorgegeben, denn er war schon seit Februar auf immer neue zyklische Tiefstände gesunken.
Hälfte der Baisse entfällt auf Obama
In der Baisse, die im Juli 2007 mit dem Ausbruch der weltweiten Finanzkrise begonnen hat, haben sich die wichtigsten Indizes in der Spitze mehr als halbiert. Bemerkenswert erscheint, dass fast die Hälfte dieser Baisse auf die Zeit entfällt, in der der heutige Präsident Obama gewählt wurde und später ins Amt eintrat. Jeffrey Saut, einer der Strategen von Raymond James, erinnert daran, dass der S&P 500 am Wahltag bei 1005 Punkten lag. Am Montag schloss er bei 700 Zählern. Dies bedeutet einen Fall von etwa 27 Prozent. Saut weist ferner darauf hin, dass bei der Betrachtung des 3000 Werte umfassenden Russell-Index die durchschnittliche Aktie um rund 53 Prozent gesunken ist. 7,3 Prozent seien sogar um 90 Prozent gefallen. 125 Titel des Index kosteten inzwischen weniger als 1 Dollar, 46 Prozent der Papiere notierten nun mit weniger als 10 Dollar. Saut merkt an, dass der Russell-3000-Index das Portefeuille eines durchschnittlichen amerikanischen Anlegers wohl am besten widerspiegele.
Robert Prechter, der herausragende zeitgenössische Vertreter der Elliott Wave Theory, hat schon am 23. Februar geraten, Baissepositionen einzudecken und sich auf eine kräftige Erholung einzustellen. Den Anlegern solle es nun um den Kapitalerhalt gehen. Prechter gründet seine Empfehlung unter anderem darauf, dass die Zahl der Haussiers nach seinen Erkenntnissen zuletzt auf ein kaum noch unterschreitbares Minimum von 3 Prozent zusammengeschmolzen ist. Indikatoren, die den Anteil der Haussiers und der Baissiers messen, sind Stimmungs- und damit Kontraindikatoren. Der Techniker will mit seiner Empfehlung, Baissepositionen aufzugeben, nicht sagen, dass die gesamte Baisse ausgestanden sein könnte. Im Gegenteil, es könne durchaus sein, dass bedeutende Ereignisse im Rahmen der Finanzkrise, die das Kursniveau weiter drücken würden, noch bevorstünden. Doch auch die letzten Chancen auf der Baisseseite auszureizen vertrage sich nicht mit der nun geltenden Maxime des Kapitalserhalts.
Anleger, die nur auf Aktien setzen, sind auf der falschen Seite
Lowry, ein unabhängiger Fachdienst, misst seit Jahrzehnten regelmäßig das Kaufpotential und den Verkaufsdruck an der New York Stock Exchange. Nach seinen jüngsten Beobachtungen gelangt er zu dem Schluss, dass noch immer nichts auf ein Verebben der Verkaufsbereitschaft hindeute. Im Gegenteil, der Verkaufsdruck habe sich sogar noch erhöht, während der Indikator für das Kaufpotential unter seinen im November 2008 verzeichneten Stand gesunken sei.
Diese Kombination spreche grundsätzlich für weiter fallende Kurse, und im vorliegenden Fall wachse sogar das Risiko eines weiteren Einbruchs. Anleger, die immer noch Aktien hielten, würden dann wohl zu der Einsicht gezwungen, dass sie sich auf der falschen Seite befänden. Die Erfahrung zeige, dass sie dann alle zur gleichen Zeit auszusteigen versuchten.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |