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Australien Langfristiger Aufwärtstrend gebrochen

28.11.2008 ·  Lange Zeit war die australische Börse so etwas wie ein Nirwana für die Haussiers. Doch inzwischen kriselt es auch in Down Under beträchtlich. Der All Ordinaries Index ist jetzt sogar unter den seit 1991 bestehenden Aufwärtstrend gerutscht.

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Über viele Jahre hinweg hatten die Anleger in Australien kaum echte Sorgen. Zwar gab es auch in Down Under immer wieder Kursrückschläge zu beklagen. Per Saldo ging es letztlich aber immer weiter nach oben mit den Notierungen. Begonnen hat die Hausse Anfang 1991 bei einem Stand von gut 1.200 Punkten. Und im Rekordhoch brachte es der All Ordinaries Index bis auf 6.854 Punkte.

Doch auch in Australien ist es jetzt vorbei mit der Herrlichkeit. Derzeit beläuft sich das zu beklagende Minus gemessen an der Spitze auf rund 50 Prozent. Fast noch schwerwiegender an dieser Bilanz ist das negative Chartbild.

Nachdem der Leitindex im Oktober den stärksten monatlichen Rückgang seit mehr als 20 Jahren erlitten hat, ist er mittlerweile unter den seit 1991 bestehenden Aufwärtstrend gerutscht. Aus charttechnischer Sicht ist das streng genommen ein weiteres Verkaufssignal. Unter Druck steht übrigens auch der australische Dollar. Dieser ist speziell gegenüber dem amerikanischen Dollar unter Druck geraten, nachdem er es noch im Juli auf ein 25-Jahreshoch gebracht hatte.

Konjunktur leidet unter Rohstoffpreisverfall

Neben der Kreditkrise, die weltweit auf den Kursen lastet, leidet das rohstoffreiche Australien unter dem starken Verfall der Rohstoffpreise. Nachdem das Land lange Zeit in den Genuss eines kleinen Wirtschaftswunders gekommen war, zeigen sich jetzt auch in Down Under konjunkturelle Bremsspuren. Wissenswert in diesem Zusammenhang ist, dass Australien etwa 17 Prozent des Bruttoinlandsprodukts mit Rohstoffausfuhren erwirtschaftet.

Die Regierung sah sich deshalb jedenfalls wie andernorts schon veranlasst, ein milliardenschweres Programm zur Stützung der Wirtschaft zu beschließen. Trotzdem dürfte sich das Plus beim Wachstum des Bruttoinlandsprodukts in diesem Jahr auf zwei Prozent abschwächen und 2009 dürfte es noch geringer ausfallen. Möglicherweise rutscht das Land erstmals seit zwei Jahrzehnten wieder in eine Rezession.

Für diese Gefahr spricht auch die plausible Annahme, dass der Kursverfall an der Börse stärker auf die Konsumlust durchschlagen dürfte. Schließlich sind die Australier bei einer Aktionärsquote von 55 Prozent anders als die Deutschen keine Aktienmuffel. Im September ist der Einzelhandelsumsatz jedenfalls so stark gesunken wie seit drei Jahren nicht mehr. Erstmals seit 1993 haben die Verbraucher weniger ausgegeben.

Notenbank steuert mit aggressiven Zinssenkungen gegen

Verschärft wird die Situation noch dadurch, dass die australischen Verbraucher hoch verschuldet sind. Seit 1999 hat sich das Volumen ausstehender Darlehen nahezu verdoppelt. Es liegt derzeit bei 160 Prozent des verfügbaren Einkommens und damit höher als in Amerika und Großbritannien, wie Shane Oliver, Volkswirt bei AMP Capital Investors vorrechnet.

Der Immobilienmarkt zeigt bereits erste Risse. Die Hauspreise sind im dritten Quartal um 1,8 Prozent gefallen. Das ist der stärkste Rückgang seit Ende der siebziger Jahre. Auch das Geschäftsvertrauen ist im vergangenen Monat auf den niedrigsten Stand seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1989 gefallen. Bei JPMorgan Chase & Co. befürchten die Analysten wegen der konjunkturellen Eintrübungen im kommenden Jahr mit einem Anstieg der Arbeitslosigkeit auf neun Prozent, was mehr als eine Verdoppelung wäre.

Angesichts des negativen Umfeldes ist es ein Pluspunkt, dass der Staat dank eines bisher erwarteten Haushaltsüberschusses finanziell noch Luft für Stützungsmaßnahmen hat. Und auch die Notenbank hat bei einem aktuellen Leitzins von 5,25 Prozent noch Manövriermasse nach unten, obwohl sie schon seit Anfang September mit Zinssenkungen im Umfang von bisher 200 Basispunkten versucht hat, die Wirtschaft wieder anzukurbeln.

Gewinnschätzungen drohen weiter zu fallen

Von einer Stabilisierung ist bisher aber noch nichts zu spüren. Auch bei den Unternehmensergebnissen kann davon noch keine Rede sein. Zuletzt sind die Prognosen für die Gewinne vielmehr gefallen wie Steine. Weil auch die Kurse sehr stark gesunken sind, bewegt sich das Kurs-Gewinn-Verhältnis für den Gesamtmarkt nach Berechnungen der Macquarie-Bank auf gut neun. Attraktiv sieht auch die auf durchschnittlich 6,8 Prozent veranschlagte Dividendenrendite aus.

Allerdings gibt es auch bei der Bewertung noch zwei Haken. Zum einen sind weltweit die Bewertungen drastisch gefallen, wodurch manche andere Börsenplätze sogar noch lukrativer Bewertungskennziffern aufweisen können. Zum anderen sind die Gewinnrevisionen nach unten vermutlich noch immer nicht abgeschlossen. Wenn sich die Gewinnspannen ähnlich stark zurückbilden sollten wie während der Krise im Jahr 1992, dann hätten die Gewinnschätzungen laut Macquarie noch immer viel Luft nach unten.

Vor diesem Hintergrund dürfte es das vernünftigste sein, erst auf eine Stabilisierung der Unternehmensergebnisse zu warten - und natürlich auf ein Ende des charttechnischen Abwärtstrends. In dieser Hinsicht steht dem Markt jetzt ein wichtiger Härtetest bevor. Denn wenn der All Ordinaries auch noch unter die vom Anfang des Jahrtausends resultierende wichtige Unterstützungszone um 3.400 Punkte rutschen sollte, dann wäre Down Under am Aktienmarkt endgültig Land unter angesagt.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @JüB
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