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Veröffentlicht: 24.01.2017, 09:34 Uhr

Anlagestrategie Bescheidenere Aussichten für Aktien

Ingo Mainert von Allianz Global Investors rät trotz bescheidener Aussichten zum Kauf von Aktien. Er ist nicht der Einzige, der dem Euroraum eine gute Konjunkturlage bescheinigt.

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© dpa Unter enger Beobachtung der Anleger: Die amerikanische Notenbank

Über einen langen Zeitraum brachten Aktienanlagen im Schnitt rund 7 Prozent im Jahr. Auf absehbare Zeit sollten Anleger eher mit jährlichen Renditen zwischen 3 und 5 Prozent rechnen, sagt Ingo Mainert, ein Anlagestratege in der Fondsgesellschaft Allianz Global Investors.

Gerald Braunberger Folgen:

Die eher bescheidenen Aussichten für die Aktie lassen sich in einem wirtschaftlichen Umfeld beobachten, das zumindest in der nahen Zukunft nicht schlecht aussieht. „Wir sehen die stärkste Konjunkturdynamik seit dem Jahre 2008“, sagte Mainert in einem Pressegespräch. Aber die wirtschaftliche Entwicklung ist für ihn nicht allein ausschlaggebend: „Früher hieß es, politische Börsen hätten kurze Beine. Heute sehen wir, dass der Einfluss der Börsen auf die Politik zugenommen hat.“

Wachstumsaussichten negativ

Mehrere große Themen sieht Mainert an den internationalen Kapitalmärkten. Das erste Thema ist eine große politische Unsicherheit, die nicht so schnell verschwinden wird. Diese Unsicherheit wird zwar begleitet von zunächst guten Konjunkturaussichten, aber im Gegenzug sieht Mainert die langfristigen Aussichten für das Wirtschaftswachstum wegen einer Deglobalisierung, der alternden Gesellschaften und hoher Schuldenberge eher negativ.

Unter politischer Unsicherheit kann nach Ansicht des Anlagestrategen die Bewertung von Aktien in Europa leiden: „Langfristig könnte dies zwei Punkte im Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) kosten. Das deckelt die Aussichten am Aktienmarkt.“ Auf dem gegenwärtigen Kursniveau hält Mainert deutsche und europäische Aktien für billiger als amerikanische Aktien.

Überzogene Inflationsängste

Der zweite Trend ist das Ende einer überzogenen Deflationsdebatte, an die sich eine auf absehbare Zeit bescheidene Inflation anschließen dürfte, auch wenn gerade in der deutschen Kundschaft oft regelrechte Inflationsängste zu beobachten sind. Doch Mainert beruhigt: „Wir können noch keine nachhaltigen Inflationstendenzen erkennen.“

Das dritte große Thema an den Kapitalmärkten ist die Erkenntnis, dass die Zinsen auch wieder steigen können. Er hält es für wahrscheinlich, dass die Fed im laufenden Jahr ihren Leitzins dreimal erhöhen wird. Die Rendite zehnjähriger amerikanischer Staatsanleihen könnte zum Jahresende die Marke von 3 Prozent erreichen.

Der Dollar ist eher teuer

Für die Eurozone erwartet Mainert im Herbst eine Debatte über den Ausstieg aus den Anleihekäufen und für das Jahr 2018 eine weitere Reduzierung der Anleihekäufe. Mit den amerikanischen Anleiherenditen dürften auch die deutschen Renditen steigen: „Wir können uns vom transatlantischen Trend nicht vollständig abkoppeln. Die deutschen Renditen werden den Anstieg der amerikanischen Renditen ein Stück weit nachvollziehen.“

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Am Devisenmarkt hält der Anlagestratege einen Fall des Wechselkurses unter die sogenannte Parität von einem Dollar für einen Euro für wenig wahrscheinlich. Denkbar sei dies am ehesten, falls in den Vereinigten Staaten wie unter Ronald Reagan eine expansive Finanzpolitik mit einer Zinserhöhungen der Fed kombiniert würden, aber in diesem Fall käme es zu Erschütterungen in den Schwellenländern, die auf die Weltwirtschaft strahlten. „Der Dollar ist heute eher teuer“, findet Mainert mit Blick auf übliche Bewertungsmodelle wie die Differenzen der kurzfristigen Zinsen in den Vereinigten Staaten und der Eurozone. Am Devisenmarkt sei denn auch kein „exzessiver Dollaroptimismus erkennbar“.

Hochstimmung dürfte abflauen

Mainert ist nicht der einzige Finanzmarktteilnehmer, der die Konjunktur auch im Euroraum zurzeit in guter Form sieht. „Die Stimmung hat sich im Herbst 2016 merklich aufgehellt“, heißt es in einem Kommentar der Commerzbank. „Hierfür sehen wir zwei Gründe: die lebhaftere globale Nachfrage und die allmählich in der Realwirtschaft ankommende ultra-expansive Geldpolitik der EZB.“

Allerdings sollte man sich nicht auf eine zu lange Hochstimmung einstellen: „Der erste Treiber dürfte angesichts der ungelösten Probleme in den Schwellenländern nicht dauerhaft sein. Deshalb gehen wir davon aus, dass die Stimmung aktuell den Hochpunkt erreicht hat.“ Auch Mainert erwartet, dass in diesem Jahr die Stimmung in der ersten Hälfte besser sein wird als in der zweiten.

„Die Stimmungsindikatoren im Euroraum haben sich zum Jahresende 2016 deutlich aufgehellt“, schreibt der Chefvolkswirt der DZ Bank, Stefan Bielmeier. „Die gute Stimmungslage dürfte zu Beginn des Jahres 2017 für eine etwas stärkere wirtschaftliche Dynamik sorgen. Wir haben daher die Prognose für das Wirtschaftswachstum in der Europäischen Währungsunion und einiger Mitgliedsländer von 1,2 auf 1,3 Prozent nach oben revidiert. Den Inflationsausblick haben wir ebenfalls angepasst. Statt der bislang prognostizierten Rate von 1,1 Prozent dürfte die Inflationsrate im Jahresdurchschnitt 2017 nun bei 1,3 liegen.“

„Das Hauptrisiko für die Wachstumsaussichten ist die politische Unsicherheit, die wegen mehrerer Wahlen, aber auch wegen des Brexits über Europa hängt“, warnt das Analysehaus Oxford Economics. Darunter könnte die Bereitschaft der Unternehmen zu Investitionen leiden, auch wenn die EZB-Geldpolitik die Kreditnachfrage anstoße.

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