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Auftakt der Berichtsperiode Wall Street fürchtet schwache Bilanzsaison

 ·  Zahlreiche amerikanische Unternehmen haben bereits vor enttäuschenden Ergebnissen gewarnt. Es zeichnet sich eine Abschwächung des Gewinnwachstums ab.

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Börsianer an der Wall Street fürchten wegen der Euro-Krise und des nachlassenden Wachstums der Weltwirtschaft eine schwache Bilanzsaison für die großen amerikanischen Aktiengesellschaften. Zwar hat der Aluminiumkonzern Alcoa zum Auftakt der Berichtsperiode für das zweite Quartal trotz eines deutlichen Gewinnrückgangs die durchschnittlichen Prognosen der Analysten leicht übertroffen. Gleichzeitig warnte allerdings der große Halbleiterhersteller Advanced Micro Devices (AMD) vor einem überraschenden Rückgang des Quartalsumsatzes.

AMD begründete diese Entwicklung mit geschäftlicher Schwäche in Europa und China. „Ich hatte gehofft, dass die neuen Produkteinführungen helfen würden, das makroökonomische Umfeld zu übertreffen, aber es sieht nicht so aus, als ob das geschehen ist“, sagte Stacy Rasgon, Analystin des Wertpapierhauses Sanford C. Berstein, die auch die Frage einer ähnlich negativen Entwicklung bei Konkurrenten wie Intel aufwarf. Der Aktienkurs von AMD sackte im frühen Handel an der New Yorker Börse am Dienstag um zeitweise fast 9 Prozent ab. Der Kurs des Dow-Jones-Mitglieds Alcoa, das wegen der weitgefächterten Verwendung von Aluminium als eine Art Konjunkturindikator gilt, drehte nach positivem Handelsauftakt in den negativen Bereich, wobei sich der Markt insgesamt nahezu unverändert zeigte. Alcoa legt traditionell als erstes Unternehmen des Dow Jones Quartalszahlen vor und gibt deswegen den inoffiziellen Startschuss zum vierteljährlichen Zahlenreigen.

Eine elementare Triebfeder für Aktienkurse

Insgesamt zeichnet sich eine Abschwächung des Gewinnwachstums ab. Schon vor dem Schock für die Aktionäre von AMD hatten 95 andere im breitgefassten Aktienindex S&P 500 abgebildete Unternehmen schwächer als erwartete Resultate avisiert. Dem stehen nach Angaben des Informationsdienstes Thomson Reuters nur 29 Unternehmen entgegen, deren Geschäfte überraschend gut liefen. Das sei ein überdurchschnittlich schwacher Trend. Belastend für international agierende amerikanische Unternehmen könnte auch die Stärke des Dollar gegenüber anderen Währungen wirken. Das reduziert die außerhalb des Dollarraums erwirtschafteten Gewinne in der Bilanz.

Analysten an der Wall Street haben seit Beginn des zweiten Quartals ihre Prognosen für die Gewinnentwicklung kräftig zurückgenommen. Anfang April hatten die Auguren für die S&P-500-Konzerne noch mit einem durchschnittlichen Gewinnwachstum um 9,2 Prozent gegenüber dem gleichen Vorjahresquartal gerechnet. Mittlerweile sind es nur noch 5,8 Prozent. Unternehmensgewinne sind eine elementare Triebfeder für Aktienkurse, da Aktien Anteile an Unternehmen verbriefen. Steigende Gewinne, die Unternehmen zuletzt häufig mit Kostenkürzungen erzielten, waren für die Erholung der amerikanischen Aktienkurse von den Tiefständen der Finanzkrise vor mehr als drei Jahren verantwortlich.

Auch in diesem Jahr liegt der S&P 500 trotz zeitweiliger Rückschläge im vergangenen Quartal mit fast 8 Prozent im Plus. Pessimisten unter den Aktienprofis fürchten allerdings, dass das aktuelle Kursniveau die schwächer gewordenen Aussichten noch nicht spiegelt. Adam Parker, der die amerikanische Aktienanlagestrategie der Bank Morgan Stanley verantwortet, rechnet für den S&P 500 mit Kursverlusten von rund 14 Prozent bis zum Ende des Jahres. „Amerikanische Unternehmensgewinne sind der Stützpfeiler, und jetzt gibt es Zeichen, das er Risse bekommt“, sagte Parker dem „Wall Street Journal“.

Sonderfaktor Apple

Die durchschnittlichen Gewinnprognosen werden zudem von zwei außergewöhnlichen Entwicklungen verzerrt. Zum einen geht das erwartete Gewinnwachstum des Finanzsektors von mehr als 50 Prozent zum Teil auf die schwachen Ergebnisse der Bank of America im vergangenen Jahr zurück. Die Bank hatte damals einen Sonderaufwand in Milliarden-Dollar-Höhe wegen eines außergerichtlichen Vergleichs gebucht. In diesem Jahr wird allerdings das Ergebnis ihres Konkurrenten JP Morgan Chase wegen Milliardenverlusten mit Wertpapiergeschäften beeinträchtigt werden. JP Morgan wird die Ergebnisse am Freitag veröffentlichen und kündigte neue Details zu den im Mai bekanntgewordenen Verlusten an.

Der zweite Sonderfaktor für die Unternehmensergebnisse ist der Computerkonzern Apple, der in den vergangenen Quartalen von der ungebrochenen Nachfrage nach dem Tabletcomputer iPad und dem Multimedia-Handy iPhone profitierte. Die Analysten von Thomson Reuters führen mehr als die Hälfte des für die Technologiebranche insgesamt erwarteten Gewinnwachstums von knapp 8 Prozent einzig auf Apple zurück.

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Jahrgang 1965, Finanzmarktkorrespondent in New York.

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