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Asien Warnung vor zu großer „China-Euphorie“

05.12.2003 ·  China wird weltweit gefeiert oder gefürchtet auf Grund des Wachstums. Mögliche Überkapazitäten könnten jedoch die Investitionstätigkeit dämpfen, Lagerbestände bei Rohstoffpreisen zu einer Korrektur führen.

Von Christof Leisinger
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Gut sehen sie aus, die Nachrichten, die zur Zeit täglich in den Wirtschafts- und Börsenmedien zu lesen sind. Sie berichten über Wachstum aller Orten. Auf der einen Seite die impulsinduzierte Konjunkturerholung „phänomenalen“ Ausmaßes in Amerika, das selbst das verkrustete, träge, „alte“ Europa mit nach oben zu tragen scheint. Auf der anderen die „positiven Entwicklungen“ im chronisch strukturbelasteten Japan und natürlich die „Wachstumsstory des Jahrtausends“ in China und den Tigerstaaten der Region.

Vor allem die „China-Euphorie“ scheint keine Grenzen zu kennen. Beinahe täglich gibt es neue Vertragsabschlüsse zu melden mit ausländischen Unternehmen aus allen Wirtschaftsbereichen, die mit zum Teil kräftigen Direktinvestitionen am scheinbar unaufhaltsamen Aufstieg des Reiches der Mitte mit seiner riesigen Bevölkerung zu einer globalen Wirtschaftsmacht teilhaben wollen.

„Made in China“ immer öfter anzutreffen

Der Nachholbedarf auf der Nachfrageseite im Land selbst ist scheinbar unersättlich, was selbst die größten Projekte zu rechtfertigen scheint. Das Land baut nicht nur den größten Staudamm der Welt, schießt Astronauten in den Weltraum, plant Eisenbahnstrecken modernster Technik für das ganze Land und liebäugelt mit einem riesigen Park neuer Kernkraftwerke, die den rasch wachsenden Energiebedarf abdecken sollen. Es stellt auch immer mehr Autos, Computer, Fernseher, Mobiltelefone et cetera her.

Das Land ist nicht nur bei der Fertigung einfacher Massengüter international unheimlich wettbewerbsfähig, sondern immer mehr auch bei an sich sophistizierten Produkten und Dienstleistungen. Die steigenden Exporte sprechen eine deutliche Sprache. Was immer man im Westen mittlerweile als Konsument auf Grund eines attraktiven Preises in die Hand nimmt, man kann beinahe schon regelmäßig mit dem Label „Made in China“ rechnen.

Welt sieht beinahe „zu rosig“ aus

Diese scheinbar unaufhaltsame Entwicklung hinterläßt Spuren. Immer mehr westliche Unternehmen stehen unter enormem Druck, da der Preiswettbewerb knüppelhart ist. Selbst „Ikonen“ wie die „Handyweltmacht“ Nokia bleiben davon nicht verschont. Aber auch die Rohstoffpreise wurden zumindest in der jüngeren Vergangenheit kräftig angeheizt. Denn der Hunger Chinas nach „Input“ scheint beinahe unstillbar zu sein, da das Land selbst relativ schwache Vorkommen hat. Davon können rohstoffreiche Länder wie Australien profitieren. Nicht umsonst läuft auch dort die Wirtschaft gut und steigt die Währung.

Schien die Welt Anfang des Jahres kurz vor dem vorläufigen Ende der Baisse beinahe unterzugehen, so scheint es nun kein trübes Wölkchen mehr am Wirtschaftshimmel zu geben. Die Frage ist allerdings, ob das Bild nicht viel zu rosig ist. Denn bei allem Optimismus dürften die chinesischen Statistiken eher mit Vorsicht zu genießen zu sein, seien es die volkswirtschaftlichen Zahlen oder die Unternehmensbilanzen. Gerne werden die zum Teil gewaltigen Transparenzdefizite übersehen oder überlesen. Das dürfte dazu führen, daß bei vielen Unternehmen - zum Beispiel bei den Banken des Landes - gigantische „schwarze Löcher“ in den Bilanzen lauern.

Überkapazitäten könnten das Wachstum dämpfen

Volkswirtschaftlich betrachtet gibt es warnende Stimmen, die auf mögliche industrielle Überkapazitäten im Lande und auf den Aufbau von Reserven bei Rohstoffen hinweisen. Das ist angesichts der Wachstumseuphorie und steigender Preise verständlich, könnte auf der anderen Seite gerade bei den auch stark spekulativ getriebenen und volatilen Rohstoffpreisen zu deutlichen Korrekturbewegungen führen. Selbst dann, wenn sich das Wachstum Chinas nur abschwächen sollte. Das Land scheint zwar keine Probleme mit den Konsumentenpreisen zu haben, aber die Investitionstätigkeit könnte deutlich überhitzt sein.

Die lokalen Börsen haben in den vergangenen Monaten auch nicht sonderlich gut abgeschnitten, sondern den größten Teil der Kursgewinne der Jahre 1999 bis 2001 wieder abgegeben. Der Shanghai A-Index macht allenfalls die Andeutung, demnächst möglicherweise den zweieinhalb-jährigen Abwärtstrend zu überwinden. Lediglich die Börse in Hong Kong hat in den vergangenen Monaten deutlich zugelegt.

Rohstoffe anfällig für mögliche Korrektur

Insgesamt dürfte es ratsam sein, die Wachstumszahlen aus China etwas kritischer zu betrachten, als es die allgemeine Euphorie nahelegen würde. Skeptiker gehen davon aus, daß China ähnlich wie Amerika dafür sorgt, daß statistische Zahlen in der Tendenz relativ positiv aussehen. Möglicherweise zu positiv. Auf dieser Basis sollten Anleger wohl die Trends bei Rohstoffen im Auge halten, um rechtzeitig auf Änderungen reagieren zu können.

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