02.07.2007 · Der Nikkei hat den langfristigen Abwärtstrend überwunden und läuft nach oben. Der jüngste Tankan-Bericht zeigt eine anhaltend gute Stimmung unter den japanischen Unternehmen, die mehr investieren wollen. Die Aktien sind nicht mehr günstig.
Mit einem Kursgewinn von 140 auf zuletzt 18.146 Punkte in den vergangenen vier Jahren konnte die japanische Börse gemessen am Nikkei im internationalen Vergleich nicht mit anderen Märkten mithalten.
Allerdings konnte der Markt in diesem Rahmen den langfristigen Abwärtstrend deutlich überwinden, in den die japanische Börse nach dem Platzen einer gigantischen, von einer viel zu lockeren Geld- und Kreditpolitik getriebenen Kurs- und Vermögenspreisblase im Jahr 1990 übergangen war.
Japanische Unternehmen so profitabel wie zu den Spitzenzeiten des vergangenen Booms
Die Folgen einer verfehlten Geld- und Finanzpolitik zogen Japan in eine deflationäre Phase, in deren Rahmen nicht nur die Aktienkurse, sondern auch die Immobilienpreise massiv fielen, während die Kurse am Rentenmarkt durch die Decke gingen. Selbst eine ultralockere Geldpolitik und die bis heute andauernde künstliche Abwertung der Währung konnten die Wirtschaft des Landes erst wieder auf die Beine bringen, als die Unternehmen sich wenigstens in Ansätzen entflochten, restrukturiert und auf Effizienz und Profitabilität ausgerichtet hatten.
Inzwischen sind japanische Unternehmen so profitabel wie zu den Spitzenzeiten des vergangenen Booms. Das zeigt ein Blick auf die Entwicklung der Umsatzrenditen in den vergangenen Jahrzehnten (siehe Chart). Das hat damit zu tun, dass sie tatsächlich effizienter geworden sind, dass sie teilweise von einer weichen Währung, aber auch vom globalen und vor allem vom regionalen Wirtschaftsboom profitieren.
Der Handel innerhalb des asiatischen Wirtschaftsraums hat in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen. Aus diesem Grund rechnen viele Strategen damit, dass sich Asien von der immer deutlicher werdenden amerikanischen Konjunkturschwäche wird abkoppeln können. Allerdings gibt es bei dieser Sicht ein Problem: Letztlich landeten bisher ein großer Teil der in Asien hergestellten Produkte bei europäischen und vor allem auch bei den hoch verschuldeten amerikanischen Konsumenten. So fragt sich, wer deren Nachfrage kompensieren kann, sobald sie deutlicher nachlassen sollte. Immerhin steigert auch der anhaltend schwache Dollar nicht gerade ihre Kaufkraft.
Japanische Unternehmen wollen Investitionen steigern
Tatsache ist, dass die Wirtschaftsstimmung in der japanischen Industrie sich von April bis Juni nicht nur stabil entwickelt hat. Vielmehr wollen die Betriebe ihre Investitionen im laufenden Fiskaljahr aufstocken. Das zeigt der von der Bank of Japan (BoJ) am Montag veröffentlichte Tankan-Bericht. Der Index für Großunternehmen der Industrie verharrte mit 23 Punkten auf dem relativ hohen Stand des vorigen Berichts. Die Prognose von Ökonomen wurde damit bestätigt. Für die Großunternehmen des Dienstleistungsbereichs wurde ebenfalls ein unveränderter Indexstand von 22 ausgewiesen; damit wurden die Erwartungen ebenfalls erfüllt.
Positiv ist die Investitionsneigung der Unternehmen. Für das seit dem ersten April laufende Fiskaljahr planen die Großunternehmen eine Steigerung ihrer Investitionen um 7,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Dies führt sehr wahrscheinlich zu einer konjunkturellen Eigendynamik, die zumindest mittelfristig auch durch einen enger werdenden Arbeitsmarkt verstärkt werden könnte. Er dürfte die Einkommen steigen lassen, die durch Zinserhöhungen der japanischen Zentralbank - sie sind wahrscheinlich nach den Wahlen in den kommenden Wochen aufgrund der zunehmenden Kapazitätsauslastung nur eine Frage der Zeit - die Einkommen erhöhen könnte. Immerhin sind die Ersparnisse in Japan hoch, so dass steigende Zinsen den Konsum beflügeln könnten.
„Das Geschäftsklima bleibt felsenfest“, kommentierte Junko Nishioka, Ökonom bei ABN Amro Securities Japan, den Tankan-Bericht. „Die Ergebnisse bewegen sich in einer Bandbreite, die eine Zinserhöhung im August oder September rechtfertigt.“ Im Juli 2006 hatte die japanische Zentralbank ihre Nullzinspolitik beendet und strebt nun eine allmähliche Normalisierung des Zinsniveaus an. Zuletzt wurde der Leitzins im Februar um 25 Basispunkte auf 0,50 Prozent angehoben.
Aktien japanischer Unternehmen nicht gerade günstig
Allerdings konnte Volkswirt Tomoyuki Ohta vom Mizuho Research Institute für die derzeitige Achillesferse der japanischen Wirtschaft, den schwachen privaten Konsum, aus dem Tankan-Report keine Verbesserung ableiten. Da die personelle Unterbesetzung in den Unternehmen gelindert worden sei, könne in nächster Zukunft nicht mit starken Lohnzuwächsen gerechnet werden. Trotz eines angespannten Arbeitsmarktes hinken die Gehälter der Arbeitnehmer seit einiger Zeit der Entwicklung hinterher.
Insgesamt rechtfertig die wirtschaftliche Entwicklung bisher die Kursgewinne an der Börse. Allerdings sind die japanischen Aktien inzwischen mit Kurs-Gewinn-Verhältnissen von mehr als 30 auf Basis der abgelieferten Gewinne keine Schnäppchen mehr. Aus diesem Grund dürfte die Kursphantasie begrenzt bleiben. Das gälte vor allem dann, wenn sich das globale Wachstum abschwächen sollte. Größere Phantasie dürfte nur dann aufkommen, wenn es gelingen sollte, den Binnenkonsum anzukurbeln, um auf diese Weise unabhängiger von der schwachen Währung zu werden.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.751,96 | −0,09% |
| FAZ-INDEX | 1.505,26 | −0,19% |
| TecDAX | 772,73 | −1,05% |
| MDAX | 10.296,70 | −0,54% |
| SDAX | 4.989,81 | −0,62% |
| REX | 423,38 | +0,51% |
| Eurostoxx 50 | 2.489,35 | −0,18% |
| F.A.Z. EURO INDEX | 80,46 | −0,11% |
| Dow Jones | 12.904,10 | +0,96% |
| Nasdaq 100 | 2.592,29 | +1,42% |
| S&P500 | 1.358,04 | +1,10% |
| Nikkei225 | 9.389,48 | +1,64% |
| EUR/USD | 1,3130 | +0,01% |
| Rohöl Brent Crude | 120,28 $ | +0,19% |
| Gold | 1.713,00 $ | −1,15% |
| Bund Future | 138,72 € | −0,24% |