10.03.2003 · Am Montag hat der japanische Nikkei-Index zeitweise die 8.000-Punkte-Marke unterschritten und lag damit so niedrig wie seit 20 Jahren nicht mehr. Vor allem die Bankaktien verloren stark an Wert.
Zum ersten Mal innerhalb von zwanzig Jahren ist der japanische Nikkei-Index am Montag unter die Marke von 8.000 Punkten gerutscht. Vor allem Bankentitel haben das Börsenbarometer in die Tiefe gezogen. Der Grund ist die Sorge, zunehmende Wertverluste bei Aktienbeständen könnte ihre Eigenkapitaldecke vor dem Ende des laufenden Geschäftsjahrs am 31. März untergraben.
Im Handelsverlauf sank der Nikkei um 2,1 Prozent auf 7.975,36 Punkte, dem niedrigsten Stand seit dem neunten März 1983, drehte aber danach ins Plus. Um 15 Uhr Ortszeit wurde er in Tokyo mit 8042,26 Punkten festgestellt - ein Minus von 101,86 Punkten oder 1,3 Prozent. Investoren zogen Gelder ab, weil sie riesige Verluste infolge des Niedergangs des japanischen Aktienmarktes befürchten, wie es hieß.
Anlagen-Verluste bei Banken vervierfacht
Außer Bankentiteln gaben auch Papiere von Exportteuren wie Sony und Hitachi nach. Die steigende Wahrscheinlichkeit eines Krieges gegen den Irak könnte das Verbrauchervertrauen in Amerika weiter schädigen und damit die Nachfrage nach Produkten aus Japan weiter dämpfen, so die dahinter stehende Sorge.
Der Nikkei rutschte in einer Zeit ab, in der Käufer für Aktien fehlen - und Lebensversicherungen den Markt mit Aktien im Wert von rund 163 Milliarden Euro bis Monatsende überfluten könnten. So plant Taiyo Mutual, Anteile an Banken im Wert von 141,7 Milliarden Yen zu verkaufen, um weitere Verluste bei den eigenen Wertpapierbeständen zu vermeiden. Auch steht die geschätzte Zahl von notleidenden Krediten in Höhe von 420 Milliarden Euro im Raum.
Der Topix Banken-Index sank auf sein Rekordtief. Die Aktie der Sumitomo Mitsui Financial Group, der viertgrößten Bank der Welt, sackte um zehn Prozent ab. Um 5,4 Prozent gab der Kurs der Mitsubishi Tokyo Financial Group nach. Und der Titel der UFJ Holding, des viertgrößten Kreditinstituts des Landes, verbilligte sich um 7,5 Prozent.
Die aus Anlagen resultierenden Verluste von Sumitomo Mitsui und den sechs größten Mitbewerbern haben sich im Vergleich zum März vergangenen Jahres vervierfacht und betragen 5,8 Billionen Yen oder 45 Milliarden Euro, so das Daiwa Institute of Research.
Ruf nach Hilfe von Staat und Zentralbank
Nun spekulieren Maktbeobachter auf Hilfe von Staat und Zentralbank, um Aktienkursen Auftrieb zu geben. Die Regierung könnte öffentliche Pensionsgelder in Aktien stecken und die Bank of Japan ihren Plan ausweiten, Banken Aktien im Wert von 15,5 Milliarden Euro abzukaufen, um deren Verluste zu begrenzen. Eine fortgesetzte Schwäche der Märkte werde in einer unterstützenden Stellungnahme der Regierung münden, und wenn dies nicht helfe, in preisstützenden Aktionen bis Monatsende, so Basil Masters von Credit Agricole Asset Management Japan gegenüber Bloomberg News.
„Die Regierung und die Bank of Japan müssen über eine effektive Politik nachdenken“, um Aktien zu verteuern, gab Kabinettsminister Yasuo Fukuda zu bedenken.
Banken wollen staatliche Hilfe umgehen
Die vier größten Banken des Landes wollen aber eine Sanierung von staatlicher Seite vermeiden und dafür selbst 15,6 Milliarden Euro aufbringen. So hält es Hiroshi Motoki von Alliance Capital Management für unwahrscheinlich, dass es bis Monatsende zu einer Finanzkrise kommt.
Der japanische Aktienmarkt leidet nach wie unter einer Mischung aus rückläufigen Preisen, mangelndem Wachstum, verkrusteten Strukturen, stark verschuldeten Unternehmen und hohen realen Zinsen. Investoren halten sich zurück. Als ob das nicht genug wäre, um einen Aufschwung zu verhindern, kommt dazu noch die hemmende Wirkung der Angst um einen Krieg gegen den Irak. Zudem ist der gegenüber dem Dollar zuletzt erstarkte Yen einem Wachstum abträglich, weil Exporte verteuert werden. Das alles lässt Anlegern nur geringe Alternativen. Sie investieren entweder im Ausland oder im Rentenmarkt. Dort waren in den vergangenen Wochen und Monaten immer wieder neue Rekordstände zu verzeichnen.
Viele Experten sehen für die „japanischen Verhältnisse“ nur eine Lösung, nämlich die der Inflationierung. Das heißt, die Notenbank sollte so viel Geld in den Markt pumpen, dass die Preise nicth nur nicht mehr fallen, sollen wieder zu steigen beginnen. Die Frage ist allerdings, wie Banken, Versicherungsunternehmen und der Rentenmarkt mit dann steigenden Zinsen zu Recht kommen würden.
Insgesamt dürfte es auf absehbare Zeit schwierig sein, mit japanischen Aktien Geld zu verdienen.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |