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Asien Für Japans Börsianer ist es wieder Zeit zu Zittern

05.03.2003 ·  Wenn in Japan Ende März Bilanz gezogen wird, werden die Anleger alljährlich nervös, da sie Hiobsbotschaften befürchten. Dieses Jahr hält sich die Aufregung bisher in Grenzen, doch gelöst sind die Probleme nicht.

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Traditionell bekommen die Börsianer in Japan weiche Knie, wenn es auf Ende März und damit auf das Fiskaljahresende zugeht. Denn angesichts der Dauerkrise des Landes ist dann stets die Sorge groß, dass ein Dominostein umfällt und damit das gesamte fragile Gebäude zum Einstürzen bringt.

Als größter Problemfall wird dabei immer wieder der Bankensektor eingeschätzt. Stein des Anstoßes sind hier die nicht nur von der japanischen Opposition auf über 300 Milliarden Euro bezifferten notleidenden Kredite. An diese erschreckend hohe Summe ist die Sorge vor Bankenpleiten und im Extremfall einem Bankenrun geknüpft.

Die große Aufregung lässt bisher noch auf sich warten

In diesem Jahr geht es nur wenige Wochen vor diesem kritischen Termin aber relativ gemächlich zu. Große Schlagzeilen hat das nahende Ende des Fiskaljahres bisher nicht gemacht. Überlagert von der intensiv geführten Diskussion um die Ernennung des neuen Notenbankpräsidenten konnte der Aktienmarkt bisher ein Abrutschen auf ein neues 20-Jahrestief bisher vermeiden.

Bei einem aktuellen Stand des Nikkei 225 Index von Punkten ist diese Gefahr aber noch lange nicht gebannt. Denn der jüngste Tiefstand, der am zehnten Oktober des Jahres 2002 markiert wurde, liegt mit 8.197,22 Punkten nur unwesentlich unter dem derzeitigen Kursniveau.

Trotzdem lässt sich konstatieren, dass die Knie der Börsianer in diesem Jahr weniger schlottern. Das bestätigt auch Klaus Papenbrock, für Japan zuständiger Volkswirt bei Deutsche Bank Research, wenn er sagt: „Von diesem Thema hört man in Japan momentan noch vergleichsweise wenig.“

Die Grundprobleme sind noch immer nicht gelöst

Gleichzeitig räumt er aber auch ein, dass das Land im Vergleich mit den Vorjahren „nicht deutlich besser dasteht“: Ein Aufflammen der Thematik kurz vor Toreschluss ist deshalb nicht auszuschließen. Zumal die vielfältigen Probleme des Landes, die sich auf einen kurzen Nenner gebracht in Deflation und fehlendem Wachstum manifestieren, noch immer einer Lösung harren.

Die Hoffnungen auf die Vorgabe eines Inflationszieles haben sich mit der Ernennung von Toshihiko Fukui weit gehend zerschlagen. Nun wird zwar mit einer Fortsetzung und sogar einer Ausdehnung der expansiven Geldpolitik gerechnet, nicht aber mit einem eindeutigen Inflationsziel. Es wäre ohnehin fraglich gewesen, ob damit der gordische Knoten zu durchschlagen gewesen wäre oder ob nicht neue Probleme heraufbeschworen entstanden wären.

Papenbrock bringt die knifflige Ausgangslage auf den Punkt: „Wir haben es in Japan nicht nur mit einem Problem zu tun, sondern mit einem ganzen Sammelsurium. Diese Schwierigkeiten sind auch noch eng miteinander verwoben, sodass es sich fast um einen Teufelskreis handelt“, schildert der Analyst der Deutschen Bank die Lage.

Das Bankensystem wackelt weiter

Patentrezepte lassen sich kurzfristig mit Sicherheit nicht aus dem Hut zaubern. Sinnvoll scheinen neue Lösungsvorschläge ohnehin nur zu sein, wenn sie eine Zusammenarbeit aller Beteiligten vorsehen. So scheint ein aufeinander abgestimmtes Vorgehen zwischen Geld- und Fiskalpolitik unabdingbar.

Eine Kompromisslösung ist derzeit aber noch nicht in Sicht. Wie groß die Not der Banken noch immer ist, zeigt sich an den Problemen, welche die fünf größten Banken des Landes haben, die bis Ende März geplante Ausgabe neuer Aktien im Wert von rund zwei Billionen Yen zu platzieren.

Es wurde teilweise sogar versucht, das mangelnde Interesse der Anleger mit Versprechen wie einer Absicherung gegen Kursverluste anzuregen. Angeblich schreckten einige Bankenbosse sogar nicht davor zurück, Kunden die Kündigung von Krediten anzudrohen, falls sie keine Aktien zeichnen.

Hausse am Rentenmarkt die große Stütze

Angesichts ihrer dramatischen Lage können die Banken froh sein, dass bei Gefahr in Verzug der Staat in brenzlichen Situationen vermutlich wieder mit kursstützenden Käufen am Aktienmarkt eingreifen wird. Als Segen für die Bankbilanzen erweist sich zudem der noch immer bombenfeste Rentenmarkt. Dort sind die Renditen zehnjähriger Staatsanleihen zuletzt auf rekordtiefe 0,76 Prozent gesunken. Die damit verbundenen Kursgewinne auf das Anleihenportfolio helfen den Banken dabei, ihre Verluste auf den Aktienpositionen zumindest teilweise auszugleichen.

Wirklich kritisch würde es für Japan wegen dieser Konstellation dann, wenn den Rentenmarkt ein Schwächeanfall ereilen sollte. Dieser ist laut Papenbrock solange nicht in Sicht, wie die weltweit vielen Krisenherde die Anleihemärkte allgemein noch stützen. Auch das Ausland muss hoffen, dass Japan wieder einmal mit einem blauen Auge davon kommt. Käme es nämlich zu einer existenziellen Krise und zum Abzug japanischer Gelder aus dem Ausland, würde beispielsweise der US-Rentenmarkt, an dem Japaner die größten Gläubiger stellen, ebenfalls unweigerlich ins Wanken geraten.

Aktienmarkt versucht eine Bodenbildung

Zu einem derartigen Fiasko wird es aber voraussichtlich auch in diesem Jahr nicht kommen. Wer trotz der vielen Risiken den Mut nicht verliert, der kann vielmehr selbst in Japan mit gezieltem Stock-Picking die eine oder andere interessante Aktie finden. So haben sich zuletzt vor allem gering kapitalisierte Titel gut geschlagen. Als Paradebeispiel dient hier der Autoradio- und Navigationsystemehersteller Clarion, dessen Aktienkurs sich in diesem Jahr wegen günstig eingeschätzter Wachstumsaussichten schon verdreifacht hat.

Auf eine generelle Trendwende sollte Anleger am japanischen Aktienmarkt aber so lange nicht setzen, bis ein wirklich überzeugendes Maßnahmenpaket zur Bekämpfung der Krise geschürt wurde. In der japanischen Konsensgesellschaft ist ein solcher Befreiungsschlag, der den Bürgern auch viele Opfer abverlangen würde, derzeit aber noch nicht in Sicht. Ein solches Konzept wäre aber dringend nötig, um den angedeuteten Versuch eine Bodenbildung zu einem erfolgreichen Abschluss zu bringen.

Die Charts zeigen in dieser Reihenfolge die Kursentwicklung des Nikkei 225 Index und die Rendite zehnjähriger japanischer Staatsanleihen.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @JüB
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