04.12.2001 · FAZ.NET im Gespräch mit Torsten Bröhan, ehemals Fondsmanager des nach nur vier Jahren wieder geschlossenen Global Art Fund.
Es sollte eine große Sammlung zeitgenössischer Kunst werden und wurde es auch. Mit dem von der Frankfurter DG-Bank initiierten „Global Art Fund“ sah es zunächst so aus, als würde sich damit das Thema Kunst als Anlageobjekt auch breiteren Anlegerschichten öffnen lassen. Doch bereits nach vier Jahren kam das Aus. Im Gespräch mit FAZ.NET erläutert der frühere Fondsmanager Torsten Bröhan nicht nur, warum es zur Fondsschließung kam. Der renommierte Sammler und frühere Galerist gibt auch Ratschläge, worauf Anleger heute achten sollten, wenn sie in Kunst investieren wollen.
Herr Bröhan, was machen Sie denn eigentlich jetzt?
Wir bereiten gerade eine eigene Website zu dem gesamten Bereich Design vor, die Ende Januar 2002 erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt werden soll. Wir wollen damit einen Schritt weiter gehen als es die Medien zu diesem Thema bisher getan haben. Das soll mehr ein Informations- und Bildungssystem werden. Beispielsweise wird es einen virtuellen Rundgang durch meine eigene Sammlung geben, die zur Zeit bedeutendste Design-Sammlung in Privathand, die ich in den vergangenen 30 Jahren aufgebaut habe. Zusätzlich sollen Web-Galerien entstehen, in denen zeitgenössisches Design präsentiert wird.
Wie kam es überhaupt vor vier Jahren zu dem Projekt Global Art Fund?
Eigentlich war das der Abschluss einer langen Vorgeschichte, mit der ich mich schon als Student beschäftigt hatte. Als Sammler hat man ja eigentlich nie genug Geld, um eine Sammlung aufzubauen. Es passiert nur allzu häufig, dass einem sehr gute Objekte angeboten werden, wenn man eben gerade nicht liquide ist. Um das zu vermeiden, kam mir die Idee, einen Fonds zu kreieren, eine Art Geldsammelstelle, die es ermöglichen sollte, langfristig unabhängig zu sein, um Chancen des Kunstmarktes dann ausnutzen zu können, wenn sie sich bieten. Dazu bedarf es natürlich schon einer fundierten Expertise in vielen Gebieten, damit man auch erkennen kann, was günstige Objekte sind, die im Rahmen eines solchen Konzeptes zusammengeführt werden können.
Und was hat dann zur Schließung des Fonds Mitte vergangenen Jahres geführt?
Das ging nicht von mir aus. Die DG-Bank hat, sicher auch im Zuge ihrer bevorstehenden Fusion mit der WGZ-Bank, leider nicht mehr ihren Part des Projektes erfüllen können oder wollen. Beispielsweise eine bestimmte Distribution zu gewährleisten, die es ermöglicht, dass der Fonds ständig liquide Mittel zugeführt bekommt. Offenbar hatten auch die Beteiligten in der DG-Bank weniger Widerstände im Markt erwartet.
Hat dabei auch der Zeitpunkt eine Rolle gespielt?
Natürlich. Denn der Fonds kam für ein solches Projekt im Grunde zu einer ausgesprochen schlechten Zeit. Es gab ja gerade zu diesem Zeitpunkt mit dem Börsenboom und dem New Economy-Hype sehr viele kurzfristig konzipierte Anlageformen, auf die sich die Anleger geradezu gestürzt haben. Und das hat auch die Luft aus dem ja sehr langfristig angelegten Konzept des Global Art Fund herausgenommen.
Haben auch die handelnden Personen eine Rolle gespielt? War es vielleicht das falsche Team?
Anfangs sicher nicht, aber später hat das schon eine Rolle gespielt. Vor allem als der damalige Initiator auf Seiten der DG-Bank, Thomas Amend, das Institut verlassen hatte. Es fehlte dann im Grunde jemand, der auch die Passion für ein solches Projekt mitbrachte. Ich hatte später den Eindruck, dass sich die DG-Bank mit einem solchen Projekt nicht länger beschäftigen wollte.
Es gibt aber auch heute noch Bestände aus diesem Fonds?
Ja, ich habe die vergangenen Monate unter anderem damit verbracht, mit Auktionshäusern und privaten Sammlern über eine Übernahme von ganzen Blöcken aus diesen Beständen zu verhandeln. Was natürlich in der aktuellen wirtschaftlichen Situation auch wieder nicht so einfach ist. Wir hatten im Grunde sowohl in der Anlaufphase als auch jetzt in der Veräußerungsphase den denkbar ungünstigsten Zeitpunkt erwischt.
Würden Sie aus der heutigen Sicht sagen, dass es hätte anders laufen können?
Durchaus. Wenn wir jetzt tatsächlich in eine Rezession laufen sollten, dann dürften sich ja auch wieder Möglichkeiten zum Erwerb interessanter Kunstwerke in einzelnen Sammelgebieten ergeben. Aber das würde natürlich einen kontinuierlichen Mittelzufluss zu so einem Fonds voraussetzen.
Was würden Sie denn einem Anleger raten, der heute in Kunst investieren will?
Zunächst einmal sollte er natürlich eine Liebe zur Kunst mitbringen. Man muss die Kunst wirklich kennen und eine echte Passion dafür mitbringen. Aber man muss natürlich auch den Kunstmarkt genau studieren, um herauszufinden, wo Werke angeboten werden, die einem auch tatsächlich liegen. Und dann gehört auch die genaue Kalkulation dazu, was ich mir überhaupt leisten kann, also wie hoch eigentlich mein Budget ist.
Würden Sie denn auch den Anfänger ermutigen, sich mit dem Thema Kunst als Anlageobjekt auseinander zu setzen?
Natürlich. Es gibt immer Chancen, Bereiche, die vernachlässigt werden. Aber man muss sich eben auch wirklich mit der Kunst und ihrer Geschichte beschäftigen. Und man sollte nicht versuchen, aus rein kommerziellen Zwecken ein Sammelgebiet aufzubauen, wenn man keine persönliche Beziehung dazu hat.
Werden Sie denn noch einmal Fondsmanager?
Ich denke nicht. So etwas macht man glaube ich nur einmal im Leben.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |