07.12.2001 · Wochenthema Art-Investment: Der Markt für Fotografie hat wenige wirkliche Stars und viele vielversprechende Talente.
Von Ulrich Raphael FirschingDie Fotografie hat sich eine feste Position auf dem Kunstmarkt erobert. In den USA widmen sich mehr als 500 Museen dem Sammeln von Fotografie, in Deutschland sind es mehr als zehn.
Für die Etablierung des einstmals nicht als Kunst bewerten Genres sprechen auch die Vergabe des renommierten Turner-Preises 2000 an den deutschen Fotokünstler Wolfgang Tillmans, der Spitzenpreis für Gustave Le Grays „Große Woge, Sète“ aus dem Jahr 1885, die Ende Oktober 1999 bei Sotheby's in London für 460.000 Pfund zugeschlagen wurde und der Rekord mit 540.000 Dollar für Andreas Gurskys „Paris, Montparnasse“ von 1993 am 15. November bei Christie's in New York - damit das teuerste Werk zeitgenössischer Fotokunst auf Auktionen.
Erste Auktion bei Grisebach erst 1998
Vor zehn Jahren sah das noch alles anders aus: Die erste reine Fotoversteigerung im Kunsthaus Lempertz Köln fand 1989 statt. Villa Grisebach Berlin schloss sich erst 1998 an. Mittlerweile haben alle großen und auch kleinere, spezialisierte Auktionshäuser nachgezogen und entsprechende Sachverständige engagiert. 1988 tauchten weniger als zehn Arbeiten der amerikanischen Selbstinszenierungskünstlerin Cindy Sherman auf internationalen Auktionen auf, 1998 waren es schon gut 100.
Auch im Galerienhandel existieren neben Pionieren, wie der Galerie Rudolf Kicken Berlin, die bereits seit 1974 ausschließlich Fotografie des 19. und 20. Jahrhundert vertreibt, mittlerweile zahlreiche jüngere auf Fotografie spezialisierte Anbieter, zum Beispiel Heidi Reckermann, Sabine Schmidt, Bodo Niemann. Und die „klassischen“ Kunstgalerien lassen es sich kaum noch nehmen, regelmäßig reine Fotoausstellungen zu präsentieren.
Die Becher-Schule popularisierte das Genre
Seit in Deutschland Künstler wie Gerhard Richter, Anna und Bernhard Blume, Jürgen Klauke, Günther Förg in den 60er und 70er Jahren die Fotografie als zusätzliches Medium für ihr künstlerisches Schaffen nutzten, hat der Kunstmarkt dieser Technik nach und nach mehr Respekt erwiesen.
Maßgeblich vorangetrieben haben diese positive Entwicklung seit Ende der 50er Jahre Bernd und Hilla Becher mit ihrer bis heute populären, dokumentarischen Industrie- und Architekturfotografie. Durch ihre Lehrtätigkeit an der Düsseldorfer Akademie riefen die Bechers eine regelrechte Fotoschule ins Leben. Dementsprechend sind auch die Preise von Arbeiten ihrer Studenten, Andreas Gursky, Candida Höfer, Thomas Struth, Thomas Ruff, Axel Hütte, Boris Becker beständig gestiegen.
So erzielte der deutsche Sammler Hans Grothe mit Gurskys Wohnmaschine „Paris, Montparnasse“, den er 1994 aus der niedrigen 5er Auflage für 50.000 Mark kaufte, eine jährliche Rendite von knapp 50 Prozent. Mit solchen Werten können selbst Bluechips des Aktienmarktes nur selten mithalten. Derartig überdurchschnittliche Preissteigerungen sind aber auch im Kunstmarkt die Ausnahme.
336.000 US-Dollar für eine Cindy Sherman
Ähnlich wie Gursky ergeht es den Arbeiten von Cindy Sherman. 1954 in New Jersey geboren, entwickelte sich gerade in der Kunstmarkt-Metropole New York ab etwa 1980er Jahren ein regelrechter Run auf ihre Selbstinszenierungen als unschuldiges Mädchen vom Lande, Hausfrau, Hure oder Vamp.
Die erste Ausstellung ihrer „Film Stills“ hatte sie 1980 in der New Yorker Galerie Metro Pictures. Die Preise lagen damals bei einigen 100 Dollar. Bisheriger Endpunkt der Rekordserie stellt das „Film Still #48“ dar, das sie im Stil der 50er Jahre gekleidet mit Köfferchen auf einer Landstraße zeigt. Es wechselte am 17. Mai 2001 für 336.000 Dollar bei Christie's in New York den Besitzer.
Bei Sherman scheinen die Fotografien mit pittoresken, erzählerischen Situationen ihren Höhepunkt erreicht zu haben. Dagegen wird für die zwar viel gelobten und ausgestellten Serien der Disgust-, Horror- und Sex-Pictures nicht soviel Geld ausgegeben. Hier ist bei kleinen Auflagen bis zu zehn Stück noch Entwicklungspotenzial vorhanden.
Wenige Stars und viele vielversprechende Talente
Mit Gursky, Sherman, Ruff, Nan Goldin oder der Australierin Tracey Moffatt sind bereits die wirklichen Stars des internationalen Fotomarktes genannt; Moffatts erstes Bild aus ihrer Serie „Something more“ erzielte am 28. November beim Auktionshaus Deutscher-Menzies in Melbourne inklusive Aufgeld umgerechnet 170.000 Mark, 1998 kostete das Werk bei der L.A. Galerie in Frankfurt noch rund 7.000 Mark.
Aber es gibt andere, vielversprechende Talente, deren Preisniveau noch nicht so hoch liegt.
Der Schweizer Daniele Buetti bearbeitet seine Fotos von Hochglanzschönheiten und Supermodels wie Kate Moss mit der Spitze eines Kugelschreibers. Auf deren nackter Haut bringt er filigrane Muster oder Schriftzüge auf. Kulturell unterschiedliche Vorstellungen von Schönheit, aber auch ihre Vergänglichkeit interessieren Buetti. Und die kann man noch zu günstigen Preisen haben. Für mittelformatige Arbeiten in einer 3er Auflage muss man mit rund 3.000 Mark rechnen. Leuchtkästen gibt es ab 7.000 Mark. Große Installationen wie „My love is your love“ in der Kunsthalle Nürnberg gehen dann schon in den höheren fünfstelligen Bereich.
Oliver Bobergs schonungsloser Blick auf die Realität
Mit seinen banalen Alltagsorten, die die trostlose Wirklichkeit der betonierten Städte der 70er und 80er Jahre aufgreifen, hat der junge deutsche Fotokünstler Oliver Boberg Erfolg. Das dritte Jahr ist er erst auf dem Markt, und schon nahm er an Ausstellungen im Kölner Museum Ludwig oder dem Museum of Contemporary Photography in Chicago teil. An seinen Bildern fasziniert der scheinbar schonungslose Blick auf die Realität, der aber in seinem Atelier akribisch nachgebaut, abfotografiert und somit archetypisch überhöht wird.
Bobergs Häuserschluchten, Aussichtsplattformen oder Betonbrücken gibt es bei seinem Frankfurter Galeristen Lothar Albrecht als kleines Format in einer 20er Auflage für 3.500 Mark, im Grossformat mit fünf Exemplaren kostet der Abzug 12.000 Mark.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |