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Art-Investment Die Young British Artists sind risikoreich

05.12.2001 ·  Wochenthema Art-Investment: Der Blick bei der Kunstanlage sollte weniger Einzelwerten als bestimmten Stilrichtungen und Epochen gelten.

Von Stefan Kobel
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Eine schöne Geschichte ist die von dem Cézanne-Gemälde, das - 1874 für ein Pfund gekauft - heute inflationsbereinigt einen Wert von 39.000 Pfund hätte. Leider ist das nur eine Geschichte.

Die fantastisch anmutende Wertsteigerung von 3,9 Millionen Prozent ergibt zwar hochgerechnet die immer noch beachtliche Rendite von 8,8 Prozent im Jahr. Damit schlägt der Wegbereiter der Moderne die meisten Aktienindizes. Doch woher hätte man vor über 100 Jahren wissen sollen, dass Cézanne das Rennen machen würde und nicht ein Ateliernachbar, dessen Werke heute vielleicht nicht einmal den Sammlerpreis für historische Aktienzertifikate erlösen würden?

Das Verlustrisiko lässt sich eingrenzen

Wie bei anderen Geldanlagen auch, ist es sinnvoll, weniger Einzelwerte, sprich Künstler, auf ihre Rentabilität abzuklopfen, sondern den Blick etwas weiter zu fassen und bestimmte Epochen, Stilrichtungen oder Künstlergruppen zu untersuchen, aus deren Vertretern man auswählt. Dem eigenen Gusto mag überlassen bleiben, das Geld in Zeitgenossen, Alte Meister oder Klassische Moderne zu investieren. Wie bei den meisten Anlageformen lässt sich das Verlustrisiko nicht ausschließen. Man kann es jedoch eingrenzen. Dass dabei die Rendite nicht zu kurz kommen muss, zeigt ein Blick auf die Wertentwicklung der sogenannten Young British Artists und der deutschen Expressionisten.

„Freeze“ lautete der Titel der aufsehenerregenden Ausstellung, die Damien Hirst und 15 seiner Mitstudenten 1988 in einer alten Londoner Lagerhalle veranstalteten. Es sollten allerdings noch weitere vier Jahre vergehen, bis der Werbetycoon und Kunstsammler Charles Saatchi seine Ankäufe in der Schau „Young British Artists“ zeigte, die der Gruppe den Namen gab. Von da an ging es kometenhaft aufwärts.

Kurs der Young British Artists gefallen

Besonders für die Werke Damien Hirsts schien es keine Obergrenze zu geben. Im November 2000 wurde sein Diptychon „In Love - Out Of Love“ in New York für 680.000 Dollar versteigert. Auch die Arbeiten Tracey Emins sind teuer. Für ihren „Exorcism of the last painting I ever made“ fiel im Februar dieses Jahres bei 95.000 Pfund in London der Hammer. Das sei zu teuer, meinen viele. „Die YBAs werden als ein Phänomen der 90er Jahre betrachtet werden, nicht als etwas, das ins 21. Jahrhundert hineinreicht“, ließ sich der Direktor der Londoner Tate-Gallery Nicholas Serota vernehmen.

Die Zahlen scheinen Serota Recht zu geben. Seitdem die Auktionsverkäufe zeitgenössischer Künstler ihr Allzeithoch von 1992 Anfang des Jahres 2000 fast wieder erreicht hatten, fiel das Preisniveau erneut um rund 15 Prozent ab. Allerdings würde es Serota wohl kaum jemand verübeln, wenn ein Hauch verletzter Eitelkeit sein Urteil beeinflusst hätte. Schließlich hatte ihm Saatchi genau die große Hai-Skulptur „The Physical Impossibility of Death in the Mind of Someone Living“ für eine Damien Hirst-Retrospektive zweimal verweigert, mit der dieser jetzt sein neues Saatchi-Museum im Sitzungssaal des ehemaligen Greater London Council zwischen Tate Britain und Tate Modern eröffnen will.

Mit diesem privaten Museum des tonangebenden Sammlers zeitgenössischer Kunst in Großbritannien könnten die dort vertretenen Künstler noch einmal einen Schub bekommen. Bei Werken von Dinos und Jake Chapman (Preisspanne auf Auktionen 2.100 bis 58.000 Pfund), Chris Ofili (1.100 bis 148.000 Pfund) und Richard Woods (einziger Auktionsverkauf bisher 2.800 Pfund) könnte also jetzt genau der richtige Zeitpunkt zum Einstieg sein.

Kurs bei Deutschen Expressionisten stabil

Anders sieht es bei den Bluechips des internationalen Kunsthandels aus: Deutsche Expressionisten verkaufen sich seit Jahren gut und verzeichnen zum Teil immer noch kräftige Preissteigerungen. Der spektakuläre Erlös von 22,5 Millionen Dollar im Mai dieses Jahres für Max Beckmanns „Selbstbildnis mit Horn“ ist der höchste für ein deutsches Gemälde überhaupt. Er markiert auch einen Trend, der sich durch alle Preiskategorien zieht. Nicht einmal um 1990, vor dem großen Crash, waren Expressionisten so gefragt wie jetzt. Die Entwicklung ist hier besser als auf dem Gesamtmarkt. Insgesamt ergibt sich eine stetig steigende Linie bei deutlich geringeren Ausschlägen nach oben wie nach unten.

Da sich nur wenige die Millionausgabe für wichtige Ölgemälde leisten können, lohnt sich für weniger betuchte Anleger ein Engagement im Bereich der Grafik des deutschen Expressionismus. Der rege Handel in diesem Segment stellt zudem sicher, dass die Objekte bei vergleichsweise geringem Verlustrisiko schnell wieder in Liquidität umgewandelt werden können. Totalausfälle sind praktisch ausgeschlossen. Wer sich auf gängige Motive bekannter Namen konzentriert, zum Beispiel die Selbstporträts Max Beckmanns, kann kaum etwas falsch machen.

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