24.09.2008 · Um mehr als 20 Prozent ist zeitweise die Aktie des angeschlagenen Touristik- und Kaufhauskonzerns Arcandor gestiegen. Die Banken haben nun endlich einer Refinanzierungslösung zugestimmt. Allerdings sind wichtige Details nicht bekannt.
Die Geschichte der Arcandor-Aktie ist die eines langen Leidens. Manche Aktionäre haben wahrscheinlich schon oft den Tag verflucht, an dem sich zum Kauf entschlossen haben. Um 85 Prozent ist der Kurs allein in den vergangenen zwölf Monaten gestürzt. Damit hat der einst als großer Hoffnungsträger gefeierte Vorstandsvorsitzende Thomas Middelhoff die Vorschusslorbeeren bisher nicht verdient.
An diesem Mittwoch jedoch setzt sich die Aktie mit einem Kursgewinn von zeitweise mehr als 20 Prozent an die Spitze der Tagesfavoriten im MDax. Im weiteren Verlauf lag das Plus bei 16,4 Prozent, die Aktie notierte bei 3,90 Euro.
Nach langen und schwierigen Verhandlungen verständigte sich der Touristik- und Handelskonzern nun mit den Banken auf ein Konzept zur Refinanzierung des angeschlagenen Unternehmens.
Banken stellen neue Kredite bereit
„Eine Verständigung über die Arcandor-Finanzierung ist erzielt“, teilte der Konzern am Morgen mit. Führungsbanken des Konsortiums seien die BayernLB, die Dresdner Bank und die Royal Bank of Scotland (RBS). Die Warenkreditversicherer Atradius, Coface, Euler Hermes und Zurich hätten dem Konzern versichert, dass sie „begleitend zu dieser Finanzierung die für das Arcandor-Geschäft notwendigen Kreditlinien zur Verfügung stellen“.
Dank der Einigung mit den Banken könne die Warenhaustochter Karstadt das wichtige Weihnachtsgeschäft nun „ganz normal in Angriff nehmen“, sagte ein Arcandor-Sprecher. Zugleich wurde die vorübergehende Deckelung der Ausfallgarantien für Warenlieferungen an die beiden Arcandor-Tochtergesellschaften Karstadt und Quelle aufgehoben. „Die Kreditversicherer sind mit uns wieder im Boot und das Weihnachtsgeschäft kann ganz normal weitergehen“, sagte ein Konzernsprecher am Mittwoch.
Musste Arcandor die Thomas-Cook-Aktien verpfänden?
Allerdings scheinen die Kursgewinne vom Mittwoch noch nicht gerechtfertigt. Denn das wichtigste Detail der Vereinbarung wurde nicht bekanntgegeben: Musste Arcandor die Aktien des Gewinnbringers Thomas Cook verpfänden oder nicht? Dies blieb am Mittwoch zunächst unklar. Arcandor werde Thomas Cook nicht verkaufen, versicherte aber ein Sprecher. „Thomas Cook ist nach wie vor Teil des Konzerns und wird es auch bleiben. Wir verkaufen Cook nicht.“
Ursprünglich hatte der Konzern die Verhandlungen mit den Banken in der vergangenen Woche abschließen wollen. Doch die Folgen der Finanzmarktkrise hatten die Gespräche erschwert. Vor allem die RBS soll sich Medienberichten zufolge quer gestellt und weitreichende Sicherheiten von Arcandor verlangt haben, etwa den Verkauf eines Teils der lukrativen Beteiligung am Reisekonzern Thomas Cook.
Der erfolgreiche Abschluss der Gespräche ist für Arcandor auch deshalb von Bedeutung, weil der Kreditversicherer Euler Hermes Ausfallgarantien für Warensendungen an Arcandor nicht mehr im vollen Umfang übernommen hatte. Nun kann Karstadt sich auf das Weihnachtsgeschäft konzentrieren, in dem Warenhauskonzerne traditionell ihre Gewinne einfahren.
Arcandor wies zum Halbjahr Nettofinanzverbindlichkeiten von 1,5 Milliarden Euro aus. Sie setzten sich zusammen aus langfristigen Finanzverbindlichkeiten von 907 Millionen Euro und kurzfristigen von fast zwei Milliarden Euro, abzüglich flüssigen Mitteln, Wertpapieren, Kaufpreisforderungen und Darlehen.
Starker Kursverfall
In den vergangenen Tagen war die Aktie stark unter die Räder gekommen. In der vergangenen Woche war bekannt geworden, dass der Kreditversicherer Euler Hermes die Ausfallgarantien gedeckelt hatte. Dies hatte am Markt die Befürchtung geweckt, die Warenversorgung in dem für den Handel wichtigen Weihnachtsgeschäft könnte gefährdet sein. Auch über Finanzierungslücken oder gar einen drohenden Kollaps des Konzerns wurde spekuliert. Arcandor hatte dies vehement zurückgewiesen.
Laut dem Hauptverband des Deutschen Einzelhandels (HDE) hat sich die Einschätzung der Unternehmen für das zweite Halbjahr 2008 stark eingetrübt. Bereits 2007 hatte die Branche in der traditionell umsatzstärksten Saison enttäuscht und ein Minus von 2 Prozent verzeichnet. Arcandor-Chef Thomas Middelhoff hatte sich zuletzt vorsichtig optimistisch geäußert: Das Weihnachtsgeschäft werde bei Arcandor „über Vorjahr und über Plan“ liegen, sagte er in einem Interview. „Üppig wird es nicht, aber Weihnachten fällt nicht aus.“
Charttechnisch sieht die Lage für die Aktie weiterhin nicht günstig aus. Der Titel befindet sich in einem ziemlich stabilen Abwärtstrend. Um diesen zu durchbrechen, müsste der Kurs zunächst die Marke um 5 bis 6 Euro durchstoßen.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |