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Apple-Aktie : Das hausgemachte Klumpenrisiko

  • -Aktualisiert am

Apple-Chef Tim Cook wird am Dienstagabend unter anderem ein neues iPhone präsentieren. Bild: AFP

Vor der Präsentation des neuen iPhones steht Apple gewaltig unter Druck. Die Kunden erwarten einen großen Wurf. Und dann sind da noch die verwöhnten Anleger.

          Das iPhone feiert sein Zehn-Jahre-Jubiläum. Bislang wurden 15 verschiedene Modelle vorgestellt. Am Dienstagabend wird mit dem iPhone 8 die neue Version präsentiert. Apple-Fans, Analysten und Anleger sind gespannt, was Apple-Chef Tim Cook dem Publikum vorlegen wird. Eines ist sicher: Das neue iPhone sollte nicht nur gut sein. Denn gut ist für den Konzern mit dem Apfel-Logo nicht gut genug.

          Das Selbstverständnis von Apple-Fans und auch von Aktionären des Unternehmens aus dem kalifornischen Cupertino hat sich in den vergangenen 12 Monaten wieder gewandelt. Vor zwei Jahren gab es eine Phase, die kannte man von Apple gar nicht. Die Aktie war im Sommer 2015 einer der größten Verlierer, obwohl die damaligen Quartalszahlen gut ausgefallen waren. Nicht wenige Analysten hatten aber sogar zum Verkauf der Papiere geraten. Die Erwartungen an Apple und seine Bilanz waren bis dato alle drei Monate aufs Neue extrem hoch gewesen. Es gehörte bei der Bilanzveröffentlichung – etwas paradox – im Grunde dazu, dass der Konzern die Erwartungen übertreffen werde.

          Diese Erwartung wurde erstmals im zweiten Quartal 2015 nicht erfüllt. Mit einem Gewinn von damals gut 10 Milliarden Dollar verdiente Apple zwar 38 Prozent mehr als im gleichen Vorjahresquartal, doch der iPhone-Absatz hatte die ein wenig Analysten enttäuscht. Die Aktie kannte nach der Zahlenbekanntgabe nur eine Richtung.

          Apple steht mit dem neuen iPhone gewaltig unter Druck

          Viele sprachen von einer Trendwende, dass der Konzern es nicht geschafft habe, auf die Produkte des wichtigen Mitbewerbers Samsung im Smartphone-Bereich angemessen zu reagieren. Aus dem einstigen Börsenüberflieger - so die Befürchtung vieler Aktionäre - würde nun ein „normaler“ Hightech-Konzern werden: Profitabel, aber eben nicht mehr so sexy wie seit Beginn der iPhone-Ära im Jahr 2007. Es kam bekanntlich nicht soweit. Apple verdiente in den vergangenen zwei Jahren herausragend viel Geld und Konzernchef Cook bediente sich zudem seit Mitte 2015 eines Mittels, dass an der Börse immer funktioniert: Kommuniziere vor der Bilanzveröffentlichung eher verhalten, lass deine Investoren pessimistischer werden und von ihren vielleicht allzu hohen Erwartungen herrunterkommen, dann kannst du mit schwächeren Ergebnissen glänzen und die pessimistischen Erwartungen des Marktes übertreffen. Die Folge sind dann Kursgewinne. Bei Apple funktionierte es, die Aktie gewann allein in den vergangenen 12 Monaten mehr als 50 Prozent hinzu. Noch besser verdienten Anleger, die seit vielen Jahren konsequent an Apple und seine Produkte sowie deren Innovationsstärke geglaubt hatten.

          Wer 2007 – im Jahr der Präsentation des ersten iPhones - eine Summe von 10.000 Euro in Aktien von Apple investiert hat, sowie Steve Jobs und seinen Produkt-Visionen Glauben geschenkt hatte, konnte bis zum heutigen Tag daraus mehr als 85.000 Euro erwirtschaften. Mit Apple haben also langfristig orientierte Anleger sehr gutes Geld verdient, wenn sie sich nicht von zwischenzeitlichen Kursschwächen haben nervös machen lassen. Es wäre ein Fehler gewesen, diese Aktien zu verkaufen und Apple das Vertrauen damit zu entziehen. Denn schließlich ist man an einem Konzern als Aktionär beteiligt, der nach wie vor über die höchste Marktkapitalisierung der Welt verfügt und weiterhin noch immer kräftiger als alle vergleichbaren Schwergewichte der Branche wächst.

          Auf der anderen Seite ist zu sagen: Apple steht mit dem iPhone 8 wieder gewaltig unter Druck. Nicht nur die große Gemeinde der Apple-Fans erwartet vom neuen Super-Smartphone Großes. Auch an der Börse geht man davon aus, dass dieses neue Modell - noch dazu das Jubiläums-iPhone - ähnlich einschlägt, wie fast alle bisherigen Modelle der Kalifornier. Denn der Konzern hat in den letzten zehn Jahren den Markt für Smartphones revolutioniert. Apple verkauft zwar längst nicht die meisten Smartphones, aber das Unternehmen setzt Maßstäbe, nicht nur bei Design und Technik.

          Dennoch spürt Apple den Druck des Marktes. Unmittelbar vor Vorstellung des neuen iPhones hat das Smartphone Galaxy Note 8 nach Angaben des Apple-Rivalen Samsung die bislang höchste Zahl an Vorbestellungen bei der Premiumserie eingeheimst. Innerhalb von fünf Tagen seien bereits vor der Markteinführung rund 650.000 Anfragen aus 40 Ländern eingegangen, teilte der südkoreanische Konzern am Dienstag mit. Das seien etwa 2,5 Mal mehr als bei dem Vorgängermodell. Der nach Marktanteil größte Smartphone-Hersteller musste das Note 7 vom Markt nehmen, weil sich in mehreren Geräten die Akkus entzündet hatten oder explodiert waren.

          Bild: FAZ.NET / Statista - Lizenz: CC BY-ND 3.0

          Ein Grund, weshalb nun Anleger und Fans vom iPhone 8 wahre Wunderdinge erwarten und warum auch die Apple-Aktie Fokus steht. In den Wochen vor der Herbstkonferenz folgt die Apple-Aktie seit Jahren einem Muster: Kaum kommen die ersten Gerüchte über den Termin der Apple-Keynote und den damit verbundenen neuen Produkten auf, steigt das Interesse an der Börse. Die Aktie steigt bis zum Konferenz-Termin an. In den vergangenen zehn Jahren gab es nur wenige Ausnahmen - unter anderem 2015. Da wurde das iPhone 6S im September vorgestellt, die Aktie verlor zuvor im August knapp 8 Prozent. Vor den Präsentationsterminen zu den Modellen iPhone 7 (2016), iPhone 6 (2014), iPhone 5S (2013), iPhone 5 (2012) sowie iPhone 4S (2011) gewann die Aktie im Vormonat dagegen durchschnittlich über 6,6 Prozent hinzu.

          Das hausgemachte „Klumpenrisiko“

          In der großen Erwartungshaltung von Apple-Fans und Anleger hinsichtlich des iPhone 8 liegt aber auch Enttäuschungspotenzial, Das Jubiläums-iPhone dürfte alles andere als ein Schnäppchen für die Käufer werden. Im Raum stehen Preise von 1000 Dollar für ein neues Supermodell, das angeblich den Namen iPhone X haben soll. Für ein Smartphone zum einfachen Telefonieren, Surfen und Nachrichten versenden ein stolzer Preis.

          Auf der anderen Seite hat es Apple bisher immer geschafft, seine Käufer zu überzeugen, das jeweils aktuelle iPhone-Modell bis zum Schluss zu kaufen - selbst wenn schon bekannt war, dass ein neues Modell kommen würde. Die aktuellen Bilanzzahlen zeigen dies. Im Juni-Quartal haben viele Käufer beim Vorgängermodellen zugegriffen, obwohl sie wussten, dass das Jubiläums-Modell bald erscheinen wird und somit Apple zu einem guten dritten Quartal des Geschäftsjahres 2016/17 (April bis Juni) verholfen. Letzteres ist wiederum das hausgemachte „Klumpenrisiko“ von Apple: Der Konzern ist abhängig vom Erfolg seines Smartphones. Es ist das mit Abstand bedeutsamste Produkt von Apple. Kein Mac-Computer, kein iPad oder gar eine Apple Watch kommt bei Umsatz und Gewinn an das Smartphone heran.

          Bild: FAZ.NET mit Material von DPA, AP, Apple

          Es gibt (dennoch) viele gute Argumente für ein Apple-Investment, wenn man als Anleger langfristig orientiert ist. Die Aktie ist derzeit mit einem 2018er-KGV von knapp 15 bewertet. Für ein Unternehmen, dass unter dem Strich in einem Quartal so viel Geld verdient, wie manch Dax-Unternehmen an Umsatz im ganzen Jahr macht, eine sehr attraktive Bewertung. Hinzu kommt, dass Apple in den vergangenen Jahren seine Aktionäre mit Dividenden und Aktienrückkäufen erfreut hat. Für 2018 liegt die geschätzte Dividendenrendite bei über 1,6 Prozent. Das hat einen einfachen Grund. Der Konzern sitzt auf einem riesigen Geldberg. Über 250 Milliarden Dollar, davon der größte Teil außerhalb der Vereinigten Staaten. Apple will die Milliarden-Reserven nicht ins Heimatland bringen, weil dann Steuern von rund 35 Prozent fällig würden, deshalb gibt es für Anteilseigner unter anderem Dividendenausschüttungen.

          Aktie langfristig erfolgreich

          Alles in allem dürfte die Apple-Aktie langfristig jedem Aktionär Freude bereiten. Die langfristige Perspektive ist für den erfolgsverwöhnten Konzern weiterhin sehr gut. Neue Produkte sowie neue Dienste dürften genügend positive Impulse für wieder steigende Kurse liefern. Denn neben dem neuen iPhone wird es am Dienstagabend weitere Ankündigungen geben. Unter anderem die dritte Generation der Apple Watch. Diese soll erstmals direkt ins schnelle LTE-Mobilfunknetz gehen können. Das macht sie unabhängiger vom iPhone. Nicht zu vergessen die zuletzt 2015 aufgefrischte Fernsehbox Apple TV. Sie wird künftig schärfere Videobilder mit besonders hoher 4K-Auflösung ausgeben können.

          Wer als Anleger mit Apple dennoch nicht so viel am Hut hat, aber abseits der Aktie im eigenen Depot trotzdem Rendite mit dem iPhone-Konzern machen möchte, könnte auf Derviate zurückgreifen. Mit einem klassischen Optionsschein – beispielsweise von der Deutschen Bank – lässt sich am möglichen steigenden Aktienkurs mitverdienen. Der Call auf Apple mit der WKN DM230Y verfügt über einen Hebel von 3,5 und hat eine Laufzeit von einem Jahr. Angesichts der positiven Analysteneinschätzungen zur Apple-Aktie ein lohnenswertes Investment.

          APPLE

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          Das japanische Analysehaus Nomura hat beispielsweise das Kursziel für Apple von 175 auf 185 Dollar angehoben und rät zum Kauf. Man begründet das neue Kursziel mit dem Aufwärtspotenzial für die Absatzzahlen und die durchschnittlichen Verkaufspreise des neuen iPhones. RBC Capital hat ebenfalls ein Kursziel von 180 Dollar für Apple ausgegeben. Auch hier ist man wegen des neuen iPhone-Modells optimistisch. Dieses könnte Apple im Schlussquartal höheren Absatz, höhere durchschnittliche Verkaufspreise und höhere Bruttomargen bringen, so die Einschätzung. Überhaupt sind nahezu alle Analysten auf Apple positiv zu sprechen. Aktuell gibt es keine einzige Verkaufsempfehlung – das war noch vor zwei Jahren wie gesagt anders. An dieser Stelle könnte man es nun mit Konrad Adenauer halten: „Was kümmert mich mein Geschwätz von gestern?“

          Quelle: FAZ.NET

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