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Veröffentlicht: 10.03.2015, 20:44 Uhr

Aktienindex „Apple sollte sich weigern, dem Dow beizutreten“

Ein Rauswurf aus dem Dow Jones gilt als Schaden für die Reputation der betroffenen Unternehmen. Für Anleger bieten sich allerdings Chancen. Der Club der Ehemaligen schlägt sich nämlich ausgesprochen gut.

von , New York
© AP Titel, die in den Dow Jones aufsteigen, entwickeln sich danach oft unterdurchschnittlich.

Tradition zählt nicht mehr viel an der Wall Street. Der angekündigte Rauswurf des Telekommunikationskonzerns AT&T aus dem Dow-Jones-Index ist ein Bruch mit dem Börsenerbe. Immerhin war der Konzern – mit einer kurzen Unterbrechung – schon seit fast 100 Jahren Mitglied im exklusiven Club der 30 wichtigsten amerikanischen Aktiengesellschaften.

Norbert Kuls Folgen:

Der einst als American Telephone & Telegraph bekannte Titel hat auch nur einen einzigen Buchstaben, ein T, als Börsenkürzel – was einst den bedeutendsten Unternehmen vorbehalten war. Für T kommt nun der mit dem Multimediahandy iPhone und dem Tabletcomputer iPad groß gewordene Elektronikkonzern Apple in den Dow, wie der Indexanbieter S&P Dow Jones Indices in der vergangenen Woche mitteilte.

Die erste Reaktion der Börse folgte einem klassischen Muster: Der Aktienkurs von AT&T geriet in den Tagen nach der Ankündigung unter Druck. Der Kurs von Apple (Kürzel: AAPL) legte zu. Große Fonds, die ihre Anlageergebnisse am Dow Jones messen oder ihr Portfolio mit entsprechenden Terminkontrakten absichern, kaufen deswegen Apple-Aktien und verkaufen „Telephone“, wie Parketthändler AT&T nennen. Kurioserweise hält dieser Trend aber meist nicht lange an.

Investoren auf Suche nach Unterbewertetem

Im Gegenteil: In den vergangenen Jahren haben sich Aktien, die aus dem Dow entfernt wurden, überwiegend besser entwickelt als die Neuzugänge. „Aktien, die aus dem Dow rausgeworfen werden, entwickeln sich in den nächsten 12 Monaten in der Regel positiv – wenn alle anderen Faktoren gleich bleiben“, sagt Nicholas Colas, Anlagestratege beim Wertpapierhaus Convergex. So ist der Aktienkurs des vom Deutschen Klaus Kleinfeld geführten Aluminiumkonzerns Alcoa um rund 70 Prozent gestiegen, seit das Unternehmen im September 2013 ausgetauscht wurde.

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Der Aktienkurs des Technologiekonzerns Hewlett-Packard, der zum gleichen Datum entfernt wurde, ist um 64 Prozent geklettert. Der Mischkonzern Honeywell hat seit seinem Abschied aus dem Dow im Februar 2008 um 120 Prozent zugelegt. Fachleute erklären die Erholung der Kurse nach den ersten Rückschlägen mit dem wachsenden Kaufinteresse von Investoren, die nach unterbewerteten Substanzwerten suchen. Unternehmen, die aus dem Dow entfernt werden, sind nämlich in der Regel Titel, die bei Investoren in Ungnade gefallen sind. Der Aktienkurs von AT&T ist in den vergangenen 12 Monaten nur um rund 2 Prozent gestiegen. Der Dow hat im gleichen Zeitraum um knapp 9 Prozent zugelegt.

Apple musste Aktien verbilligen

Der Entscheidungsprozess für einen Wechsel der Dow-Mitglieder ist vergleichsweise unorthodox, weil es kaum objektive Kriterien gibt. Die Zusammensetzung anderer Marktbarometer wie des S&P 500 orientiert sich in der Regel an dem Börsenwert oder der Gewinnentwicklung der jeweiligen Unternehmen. Große und profitable Aktiengesellschaften wie Warren Buffetts Konglomerat Berkshire Hathaway, der Internetgigant Google oder die Bank Wells Fargo besitzen ein hohes Gewicht im S&P 500.

Im Dow Jones sind diese Titel nicht abgebildet, obwohl der Index für sich beansprucht, den Trend des Gesamtmarktes und der amerikanischen Konjunktur korrekt abzubilden. Die Zusammensetzung des Dow Jones Industrial Average, wie der Index offiziell heißt, wurde lange vom Chefredakteur des „Wall Street Journal“ entschieden. Nach dem Besitzerwechsel der Indexsparte des Wirtschaftsverlags Dow Jones ist jetzt ein Indexausschuss von S&P Dow Jones Indices dafür verantwortlich.

Obwohl es nur wenig objektive Kriterien gibt – eine Insolvenz disqualifiziert wie im Fall von General Motors vor einigen Jahren für die weitere Mitgliedschaft –, ist die Entscheidung allerdings auch nicht völlig willkürlich. Die 30 Titel sind alle große, führende Akteure in ihren jeweiligen Branchen, und es sind Aktien, die bei Privatanlegern und institutionellen Investoren breit gestreut sind. Da sich der Einfluss eines Dow-Wertes auf den Index am absoluten Preis der Aktie und nicht am Börsenwert orientiert – auch das ein Kuriosum –, kommt Google nicht in Frage. Mit dem aktuellen Kurs von 574 Dollar würde Google den Index dominieren. Apple wurde erst nach einem Aktiensplit zum Kandidaten, weil sich die Aktien dadurch optisch verbilligten. Apple-Aktien wurden zuletzt um 127 Dollar gehandelt.

Dow-Mitgliedschaft ist keine Gewinn-Garantie

Aktien kommen häufig auf dem Höhepunkt ihrer Popularität in den Dow. Der Aktienkurs von Apple war in den vergangenen 12 Monaten um 68 Prozent gestiegen. Der Softwarehersteller Microsoft und der Halbleiterkonzern Intel waren im November 1999 kurz vor dem Höhepunkt der Technologiehausse Mitglieder geworden. Ihr damaliges Kursniveau haben sie seither nicht wieder erreicht. Einige Analysten glauben, es sei ein schlechtes Omen für Apple, da Technologiewerte offenbar erst in den Dow kommen, wenn sich ihr Wachstum mit zunehmender Größe verlangsamt.

Trip Chowdhry von der Analysegesellschaft Global Equities Research bezeichnet die etablierten Unternehmen im Dow als Symbole von Selbstgefälligkeit und Innovationsmangel, als Konzerne auf den Weg in die Bedeutungslosigkeit. „Apple sollte sich einfach weigern, dem Index beizutreten“, meint Chowdhry. Auch die Aktien wie die Investmentbank Goldman Sachs, oder der Ölkonzern Chevron haben sich seit der Aufnahme in den Dow schlechter entwickelt als der Gesamtmarkt. Ausnahmen bestätigen indes die Regel. Der Aktienkurs des Versicherungskonzerns Travelers ist seit der Aufnahme im Juni 2009 um fast 145 Prozent gestiegen.

Und auch nicht alle Unternehmen, die entfernt wurden, haben sich langfristig gut entwickelt. Der Filmhersteller Eastman Kodak, der im April 2004 ausgetauscht wurde, meldete acht Jahre später Konkurs an. Investoren dürfen also nicht einfach darauf vertrauen, dass die Aktienkurse einem allgemeinen Trend folgen. „Niemand sollte eine Anlageentscheidung auf Basis dessen treffen, was der Dow-Ausschuss beschlossen hat“, sagt Marktstratege Colas. „Ob AT&T im Dow ist oder nicht, reicht nicht aus, die Qualität dieser Anlage zu bestimmen.“

Auch Dax-Absteiger entwickeln sich gut

Seit dem Jahr 2003 sind 14 Werte aus dem deutschen Börsenindex Dax ausgeschieden. Vier davon gibt es nicht mehr, weil sie in anderen Unternehmen aufgegangen sind. Bleiben also zehn Konzerne, die als Dax-Absteiger weiterhin gehandelt werden konnten. Bei ihnen bestätigt sich der Trend aus Amerika: Bei sieben von ihnen hat sich der Aktienkurs in den zwölf Monaten nach Ausscheiden besser entwickelt als der breit gefasste F.A.Z.-Index. Er eignet sich als Vergleich, weil er anders als der Dax, der Dividendenzahlungen beinhaltet, nur die Kursentwicklung wiedergibt. Besonders stark klaffte die Entwicklung der beiden Werte mit dem Vergleichsindex auseinander, die im März 2009 ausgeschieden sind. Infineon stand zu diesem Zeitpunkt mit 60 Cent nahe an seinem Allzeittief.

Die Kurssteigerung um 525 Prozent markiert die Wende zum Guten. Im September kehrte der Chiphersteller in den Index zurück. Auch der Postbank-Kurs entwickelte sich mit 98 Prozent besser als der Markt (plus 22 Prozent). Erheblich besser als der Markt (plus 29 Prozent) schnitt auch Lanxess seit Januar 2005 ab (plus 53 Prozent). Hannover Rück schlug den F.A.Z.-Index nach September 2009 noch mit 10 Prozent gegen 6,3 Prozent. Tui war leicht schwächer als der Markt, Salzgitter verlor 3 Prozent, während der Index um 13 Prozent zulegte. Ernüchternd war die Entwicklung bei MLP, wo ein Rückgang um 15,4 einem Indexanstieg um 12,9 Prozent gegenüberstand. pik.

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