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Apple-Aktie Schmerzhafte Anpassung

Vor vier Monaten kämpfte die Apple-Aktie noch mit 700 Dollar - auf dem Weg nach oben. Jetzt kämpft sie mit 500 Dollar - auf dem Weg nach unten. Stationen eines Anpassungsprozesses vor dem Comeback.

© Reuters Vergrößern iPhone 5: Wer braucht es und wie viel?

Es ist kaum vier  Monate her, da machte Apple Schlagzeilen als wertvollstes Unternehmen der Welt. Die Vorfreude auf ein neues iPhone und ein mögliches kleineres iPad sowie Spekulationen über große Pläne im Fernsehgeschäft ließen den Börsenwert des Unternehmens auf 660 Milliarden Dollar steigen.

Martin Hock Folgen:    

Mittlerweile ist davon nicht mehr viel übrig. Denn der Tag des Rekordhochs war auch der Tag des Anfangs vom Ende. Von mehr als 700 Dollar ist der Kurs mittlerweile auf weniger als 500 Dollar gefallen, ein Kursverlust von knapp 30 Prozent.

Ist das noch Apples Welt?

Denn die Tage, als jedes neue Apple-Produkt einen Triumphzug erhielt, sind wohl gezählt. Das neue iPhone und iPad sind just das: Neuauflagen erfolgreicher Produkte. Offenbar überlegen sich immer mehr Kunden, ob sie wirklich eine neue Version brauchen. Jedenfalls hat der Konzern offenbar wegen eine schwachen Nachfrage weniger Bauteile für das  iPhone 5 bestellt, wie es von informierten Personen heißt. Es seien nur halb so viel Displays bestellt worden wie ursprünglich anvisiert. Auch bei anderen Komponenten seien die Bestellungen abgesackt.

Am Markt geht nun die Sorge um, dass das neue iPhone doch kein so großer Verkaufsschlager sein könnte. Und das in einem Moment, zu dem Samsung und andere Smartphone-Hersteller ohnehin Apple schon das Leben schwermachen - etwa mit den Geräten, die das Android-Betriebssystem von Google verwenden. Wie sagte doch Fondsmanager und bekennender Apple-Fan über die Konkurrenzprodukte? „Android-Smartphones sind iPhones für arme Leute.“ Das mag zutreffen, ist aber genau der Punkt. Apple-Produkte sind für betuchtere Konsumenten gedacht. Und wenn denen das Geld nicht so locker in der Tasche sitzt, dann verzichten sie auch mal auf die neue iPhone-Generation.

„Apple muss sich an eine sehr viel andere Welt anpassen”, sagte John Sculley, der bis 1993 Vorstandschef des Unternehmens war, der Nachrichtenagentur Bloomberg. Die Preise für Smartphones sänken derzeit von 500 auf bis zu 100 Dollar. Unter diesen Umständen müsse die Lieferkette drastisch verändert werden. Der amerikanische und der europäische Markt seien gesättigt. Zudem habe sich der technische Vorsprung gegenüber der Konkurrenz verringert. Jedenfalls kürzte Apple die Produktion im Dezember um 30 Prozent.

Übertreibung

Indes bemühen sich viele Analysten um Schadensbegrenzung. Die Nachrichten seien nicht gerade neu, heißt es da. Niedrigere Bestellungen könnten auch ein Hinweis darauf sein, dass die Produktion routinierter verlaufe und eine geringere Lagerhaltung von Nöten sei. Außerdem, so Steven Milunovich von der UBS, werde auch unter dem derzeit gehandelten Szenario Apple seine Verkaufsprojektion von 25 Millionen iPhones zwischen Oktober und März übertreffen. Auch andere Analysten sagen, dass derzeit übertrieben werde, was den Rückgang der Bestellungen angehe.

Übertreibung ist nun einmal das Wesen der Börse. Apple wird sicherlich nicht zur nächsten Kodak. Aber jedes Wachstum erschöpft sich einmal. Dann müssen Unternehmensprozesse ebenso angepasst werden wie Wachstumsprojektionen und das führt zu einem Kursrückgang.

Für Langzeit-Investoren ist das Absatzwachstum gerade im Fall Apple nicht entscheidend. Apples Strategie ist nie gewesen, die beste Technik oder das schickste Design zu bieten, sondern Bestandteil des Lebens seiner Nutzer zu werden - ein Ökosystem, aus dem nur schwer wieder auszusteigen ist. So wird dann das Wachstumsunternehmen letztlich immer mehr zum Versorger, dessen Aufgabe sein muss, das Beste aus seinem Marktsegement herauszuholen und dieses zu verteidigen. Wie heißt es doch: Kunden zu gewinnen ist die Fingerübung, Kunden zu behalten die Kunst, und Kunden zurückzuholen das Wunder? Just darum geht es bei Apple.

Aktie ist fast preiswert

Bei einer Bewertung der Aktie mit geschätzten Kurs-Gewinn-Verhältnissen von 10,7 für das laufende und 9 für das kommende Jahr erscheint die Apple-Aktie angesichts des Geschäfts- und Kundenvolumens derzeit sogar eher preiswert. Die Marktkapitalisierung liegt beim Zweieinhalbfachen des erwarteten Umsatzes. Bei Google ist es das Dreieinhalbfache, bei Facebook mehr als das Fünffache.

Deutlich günstiger ist indes Samsung, dessen Aktie mit weniger als dem Einfachen des Umsatzes und geschätzten Kurs-Gewinn-Verhältnissen von rund 8 für das laufende und mehr als 7 für das kommende Jahr. Just das trägt natürlich ebenfalls zum Apple-Abstieg bei.

Besser wäre es daher, nicht zuletzt angesichts der Steilheit des Abstiegs erst einmal abzuwarten, wie sich der Apple-Kurs weiter entwickelt. Denn charttechnisch fehlt bis in den Bereich zwischen etwa 380 bis 420 Dollar die Unterstützung.

Infografik / Kursentwicklung der Apple-Aktie

Unter diesen Umständen bleiben große Investoren vorsichtig – zumindest bis zum nächsten großen Ding von Apple. Vielleicht ist das ja doch Apple TV, die Set-Top-Box für den Fernseher, auch wenn das Sensationelle daran mittlerweile schon ein bisschen modrig riecht. Sie ist derzeit auch nicht wirklich ein Gesprächsthema. Wie nannte es Apple-Chef Tim Cook im vergangenen Oktober: „Geliebtes Hobby“. Nun, manches was als Hobby angefangen hat, wurde einmal zur Weltsensation.

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Quelle: FAZ.NET

 
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Veröffentlicht: 15.01.2013, 14:08 Uhr


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