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Aktualisiert: 05.05.2017, 13:22 Uhr

Anlageentscheidungen Anleger leiden am Spielerirrtum

Verlierer am Aktienmarkt sind besonders beliebt. Dabei müssten es viele Anleger eigentlich besser wissen.

von
© dpa Spielerrirrtum: Der Ausgang jedes Spiels ist völlig unabhängig vom Ausgang früherer Spiele.
 
Viele Anleger erkennen Muster, wo es definitiv keine Muster gibt

Ein immer wieder beobachtbares Phänomen ist der sogenannte Spielerirrtum: Menschen setzen in der Spielbank besonders gerne auf Rot, wenn zuvor dreimal in Folge Schwarz gekommen ist. Ihre „Begründung“ lautet: Da Rot und Schwarz im Prinzip gleich wahrscheinliche Ergebnisse im Roulette sind, nehme die Wahrscheinlichkeit von Rot zu, wenn drei Mal in Folge Schwarz gekommen sei. Diese „Begründung“ ist allerdings völlig falsch, da die Roulettekugel kein Gedächtnis besitzt und der Ausgang jedes Spiels völlig unabhängig ist vom Ausgang früherer Spiele.

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Ähnliches gilt für das Würfelspiel. Wenn drei Mal in Folge eine Sechs gewürfelt wurde, glauben viele Menschen, dass nach dem Gesetz der Wahrscheinlichkeit nun eine andere Zahl „dran“ wäre. Auch dies ist falsch, denn für das Ergebnis eines Wurfes ist es völlig gleichgültig, welche Zahl bei früheren Würfen gefallen ist. Die Wahrscheinlichkeit einer „Sechs“ (oder jeder anderen Zahl) beträgt bei jedem Wurf immer ein Sechstel.

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Ebenso wenig ist es im Lottospiel eine aus Sicht der Wahrscheinlichkeitstheorie besonders erfolgreiche Strategie, in der Vergangenheit eher selten erfolgreiche Zahlen mit der Begründung zu bevorzugen, diese Zahlen müssten in Zukunft häufiger gezogen werden: Die Ziehung von Lottozahlen ist ein wöchentlich immer neues Ereignis, dessen Ergebnis nichts mit der früheren Ziehung von Lottozahlen zu tun hat. Das Grundprinzip all dieser Beispiele lautet: Vergangene Zufallsereignisse haben keinen Einfluss auf künftige Zufallsereignisse.

Wie es so geht, lässt sich dieser Spielerirrtum auch in der Kapitalanlage sogar dann beobachten, wenn die Anleger zuvor über das Prinzip informiert wurden. Das ist das Ergebnis einer Simulation mit 188 Teilnehmern an der Ostfalia-Hochschule in Wolfsburg, die in einem Modellversuch in 15 Runden fiktives Kapital in zwei verschiedenen Aktien anlegen konnten. Nach den Worten von Markus Spiwoks, Professor an der Hochschule, sollte mit der Simulation erforscht werden, warum Kapitalanleger in der Praxis sehr häufig ihre Kapitalanlagen nicht in dem Maße streuen, wie es sinnvoll erscheint.

Viele Anleger erkennen Muster, wo es definitiv keine Muster gibt

So wurde getestet, inwieweit die Teilnehmer an der Simulation für ein Herdenverhalten anfällig waren, wie es an den Kapitalmärkten immer wieder Anlegern unterstellt wird: Es gab kaum Anzeichen dafür, dass die Teilnehmer in ihren Entscheidungen anderen Teilnehmern folgten. Ebenso wenig ließ sich das sogenannte Status-quo-Verhalten nachweisen: Hier neigen Anleger dazu, einen Wertpapierbestand auch dann unverändert zu lassen, wenn sie neue Erkenntnisse über ihre Wertpapiere erhalten. Aus der Verhaltensforschung sind mehrere Ursachen für eine solche Strategie bekannt. So haben nicht wenige Anleger Angst davor, schlechte Anlageentscheidungen zu treffen, die sie später bedauern werden. Daher verhalten sie sich passiv.

Nachweisen ließ sich allerdings der Spielerirrtum. „Das Ergebnis überraschte uns“, sagt Spiwoks. „Der Spielerirrtum entfaltet eine verheerende Wirkung. Viele Anleger erkennen Muster, wo es definitiv keine Muster gibt. Dadurch weichen sie nachhaltig von optimalen Anlageentscheidungen ab.“ Viele Mitglieder der Simulation kauften immer wieder jene Aktie, die zuvor schlecht abgeschnitten hatten – in der Annahme, diese Aktie müsse in der Zukunft besonders gut abschneiden.

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Ein solches Verhalten ist nicht auf das Labor beschränkt, sondern lässt sich auch in der Praxis nicht nur im Fall dubioser Minenaktien aus fernen Weltgegenden immer wieder beobachten. Anleger, die mit einer Aktie große Kursverluste erlitten haben, halten dieses Papier unverdrossen – in der Annahme, es müsse in der Zukunft große Kursgewinne erzielen, um den zuvor erlittenen Verlust mindestens zu kompensieren. So aber funktioniert die Börse nur in wenigen Fällen.

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