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Zertifikate und ETFs

Anlegen in Aktien „China ist die Alternative zum Euroraum“

Seit 44 Jahren investiert Jens Ehrhardt in Aktien. Seine Vermögensverwaltung betreut gut 10 Milliarden Euro. Der Investor meidet Europa.

© Roeder, Jan Vergrößern Jens Ehrhardt, Gründer und Vorstandsvorsitzender der DJE Kapital AG

F.A.Z.: Herr Ehrhardt, viele Anleger fürchten Inflation. Für wie groß halten Sie diese Gefahr?

Ehrhardt: Wir werden auf absehbare Zeit keine große Inflationsbeschleunigung bekommen und schon gar keine Währungsreform. Wir sehen ja auch gleichzeitig gewisse Anzeichen für Deflation. Schließlich produziert China mit nur etwa 60 bis 65 Prozent Kapazitätsauslastung. Und dadurch übt das Land einen Preissenkungsdruck auf die gesamte Weltwirtschaft aus. Zwar flutete China die Märkte mit viel mehr Liquidität, als es die Fed in den Vereinigten Staaten oder die EZB in Europa getan haben. Drei Viertel der neuen Liquidität auf der Welt kamen bisher aus China. Die China-Teuerung beträgt aber nur noch 1,7 Prozent. Die Inflationssorgen sind meiner Meinung nach eher Ausdruck der allgemeinen Angst vor dem, was da noch kommen könnte.

F.A.Z.: Sie halten die Gefahr einer Deflation also für größer als die einer Inflation?

Ehrhardt: Leider ist die Lage nicht so klar. Die ganze Liquidität, die auf der Welt geschaffen wird, spricht ja eher für Inflation. Nur ist die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes so sehr gesunken, dass die Inflation relativ niedrig geblieben ist. Gleichzeitig verlangsamt sich die internationale Konjunktur. Das wird die Inflationsraten im Zaum halten. Was Deflation angeht, so tun die Zentralbanken ja alles, um die zu vermeiden.

F.A.Z.: Diese Unklarheit macht Geldanlage nicht einfacher. Wie halten Sie es?

Ehrhardt: Ich bin ein Anhänger von Gold und von guten Aktien. Denn Gold schneidet längerfristig bei Deflation wie bei Inflation gleichermaßen gut ab. Kurzfristig sind manche von Gold enttäuscht, aber auf mittlere und lange Frist sind die Aussichten nach wie vor gut. Für interessant halte ich auch Goldaktien. Goldminen sind ja an der Börse richtige Trümmeraktien. Schlimmer kann es für die also kaum kommen. Doch wer wirklich das Schlimmste befürchtet, der muss mit der Konfiskation von Gold rechnen. Aktien von Goldminen mussten die Anleger aber noch nie abgeben.

F.A.Z.: Südafrikanische Goldminen machen derzeit mit Streiks von sich reden. In welche Regionen würden Sie investieren?

Ehrhardt: Was Südafrika angeht, wäre ich noch vorsichtiger. Wie diese Streiks niedergeschlagen wurden, das war ja ähnlich wie zu den Zeiten der Apartheid. Ich versuche immer, die Finger von politisch instabilen Märkten zu lassen. Und deshalb halte ich mich von Südafrika fern.

F.A.Z.: Viele Anleger halten sich mit Aktien zurück. Halten Sie diese Vorsicht für gerechtfertigt?

Ehrhardt: Wir sind in einer Börsenphase, in der Aktien nicht sehr teuer sind, aber auch nicht übertrieben billig. Wir sind so irgendwo zwischendrin. Das macht es auch so schwierig, die Lage richtig zu beurteilen. Aber der Glaube an die Aktie kehrt langsam zurück. Viele Anleger lassen derzeit noch Aktienfonds liegen, kaufen aber schon den einen oder anderen dividendenstarken Titel.

F.A.Z.: Gut, unter Fonds sind zurzeit vor allem Rentenfonds gefragt...

Ehrhardt: Ja, der Trend ging weltweit bisher zu Rentenfonds, obwohl es 2012 besser gewesen wäre, Aktien zu halten. Aber jetzt kann bei den Kupons von Anleihen nicht mehr viel Gutes passieren.

F.A.Z.: Sie wirken vorsichtig. Gibt es keinen Trend, auf den Sie zurzeit setzen wollen?

Ehrhardt: Die Bereitschaft, defensive Titel zu kaufen, nimmt zu. Aber diese Aktienkäufe sind selektiv. Der breite Markt hinkt hinterher. So sehr, wie es die großen Aktienindizes vermuten lassen, sind die Aktienkurse nicht gestiegen. Eine Zeitlang war die Korrelation zwischen den einzelnen Aktien wegen ETF-Index-Käufen hoch, sogar auf einem Allzeithoch. Seit ein paar Monaten sinkt sie wieder. Das zeigt mir, dass wir in eine Marktphase kommen, in der Stockpicker, die einzelne, interessante Aktien herausgreifen, wieder Chancen haben.

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