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Anlagestrategie Schwaches Wachstum - schwache Börsen?

20.10.2008 ·  Es werden immer mehr Stimmen laut, die zum Kauf von Aktien raten. Inmitten einer Krise seien die Aktien am günstigsten heißt es. Allerdings lassen konjunkturelle Daten Zweifel aufkommen, ob mehr als eine technische Erholung möglich ist.

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Bei aller Volatilität neigen die Börsianer immer wieder zum Optimismus. Sie orientieren sich gerne an der Vergangenheit. Immerhin zeigt die Erfahrung, dass sich die Märkte nach deutlichen Kursverlusten alleine schon aus technischen Gründen immer wieder rasch und deutlich erholen können.

Regelmäßig schnitten in diesen Phasen jene Bereiche besonders positiv ab, die zuvor am stärksten hatten Federn lassen müssen. Dazu zählen im aktuellen Umfeld die Finanzwerte. Alleine schon aufgrund der Kapital- und Liquiditätsspritzen der Regierungen und der Notenbanken müssten sie nach oben laufen, lautet die allgemeine Logik. Bald seien sie auch wieder in der Lage, wachsen und eindrucksvolle Gewinne erzielen zu können, so die allgemeine Erwartung.

Finanzsektor: Gewinnentwicklung der vergangenen Jahre lässt sich nicht wiederholen

Das mag zwar aufgrund der Basiseffekte und veränderter Bilanzierungsregeln möglich sein. Allerdings gibt es an der Nachhaltigkeit Zweifel. Denn der Finanzsektor ist zu groß und muss deutlich reduziert werden, sollten neuerliche Verwerfungen vermieden werden. Wären entsprechende Äußerungen von verschiedensten Seiten ernst gemeint, so könnten die Gewinne der Finanzunternehmen nicht mehr so stark wachsen wie in der Vergangenheit. Das machte die Werte nur bedingt interessant.

Schwaches Wachstum - schwache Börsen?

Grundsätzlich sehen Aktien zwar optisch günstig aus. Allerdings kann diese Optik vielfach täuschen, da die Gewinnerwartungen zu hoch sind. Das Problem zeigte sich in den vergangenen Wochen immer wieder und bestätigte sich am Wochenende am Beispiel von ElringKlinger. „Die derzeit spürbar verschlechterten Rahmenbedingungen und fehlende Signale für eine kurzfristige Verbesserung der Marktsituation veranlassen die ElringKlinger AG, trotz der in der Planung vorgenommenen üblichen Sicherheitsabschläge und einer im Vergleich zum Gesamtmarkt weiterhin besseren Entwicklung des Unternehmens, die Umsatz- und Ertragsprognose für das Geschäftsjahr 2008 zu reduzieren,“ teilte das Unternehmen mit.

Gewinnschätzungen scheinen noch ambitioniert zu sein

Solche Äußerungen sind nicht sonderlich ermutigend, zumal sie derzeit in Serie veröffentlicht werden. Tatsächlich deuten viele konjunkturelle Indikatoren auf eine deutliche wirtschaftliche Abschwächung in den Vereinigten Staaten, Europa, Osteuropa und in vielen anderen Regionen hin. Das wiederum lässt auf überhöhte Gewinnschätzungen schließen.

Wenn noch Zweifel daran bestanden haben sollten, dass sich die Wirtschaft der Vereinigten Staaten im Mahlstrom der Kreditmarktkrise befindet, dann wurden diese am 15. Oktober durch die amerikanischen Einzelhandelsumsätze für September und den Empire-State-Manufacturing-Index für Oktober endgültig ausgeräumt, erklären Michael Englund and Rick MacDonald von Action Economics.

Als die Rohstoffpreise Mitte Juli auf Rekordniveaus vorstießen, trat bei den Verbraucherausgaben eine markante Trendwende ein, und es ist sehr wahrscheinlich, dass die Kombination aus nachlassender Kreditverfügbarkeit und wachsenden Rezessionsängsten im vierten Quartal zu einer weiteren Verringerung der Konsumausgaben und zu einer Erhöhung der Sparquote führen wird. Die schwachen Zahlen des Empire-State-Manufacturing-Index für Oktober legten den Schluss nahe, dass die Unternehmen dem Beispiel der Verbraucher folgen würden, was für das Schlussquartal 2008 wenig Gutes erhoffen lasse. Die am 15. Oktober veröffentlichten Zahlen zu den amerikanischen Lagerbeständen im August deckten sich mit dem möglichen Szenario einer schrumpfenden Wirtschaft im dritten und vierten Quartal.

Schwache amerikanische Konjunktur ...

Doch damit nicht genug. Der Erzeugerpreisindex für September erinnerten die Fed daran, dass ihre Probleme über die Stützung des hinkenden amerikanischen Bankensystems hinausgingen, nachdem der düstere Inflationsausblick für die Vereinigten Staaten selbst bei schrumpfender Wirtschaft und implodierendem Finanzsektor anhalte. Auf der Sitzung des Offenmarktausschusses der Fed am 28. und 29. Oktober werde das Chaos auf den Finanzmärkten im Mittelpunkt stehen, wenngleich mögliche Abwärtsrevisionen der Wachstums- und Inflationsprognosen auch eine akkomodierende Geldpolitik ins Spiel bringen werde.

Der Fed dürfte allerdings nach wie vor unwohl bei dem Gedanken an den mit 1,5 Prozent ungewöhnlich niedrigen Leitzinssatz sein, der im Zuge ihrer Rolle als Refinanzierungsinstitut der letzten Instanz für notwendig erachtet wurde, und nach einem Blick auf die Kernrate des Erzeugerpreisindex' für September wird deutlich, weshalb sich viele Mitglieder des Offenmarktausschusses möglichen weiteren Zinssenkungen widersetzen werden. Die außergewöhnlichen Umstände der jüngsten Zeit könnten die „Inflationsfalken“ der Fed jedoch in die Knie zwingen und ihnen die Zustimmung zu weiteren Leitzinssenkungen abtrotzen., erklären Englund und MacDonald weiter.

Fragt sich nur, ob niedrige Zinsen in einem Umfeld weiterhelfen können, das von anhaltenden Verspannungen auf den Kreditmärkten und einer allgemeinen Rückführung der Schuldenquoten gekennzeichnet ist. Das gilt nicht nur für die Vereinigten Staaten. Dort befindet sich der Häusermarkt weiterhin im Abschwung und zieht die restliche Wirtschaft mit nach unten. Die Kaufkraft sinkt ebenso wie die Stimmung, die Arbeitslosigkeit nimmt zu und der Konsum geht zurück. Der amerikanische Exportsektor spürt den sich erholenden Dollar ebenso, wie die nachlassen Weltkonjunktur.

... dürfte sich weltweit weiterhin bremsend bemerkbar machen

Läuft die amerikanische Wirtschaft nicht rund, so macht sich das weltweit in jenen Exportnationen bemerkbar, die ihre Produkte bisher zu einem großen Teil direkt oder in Amerika verkauft haben. Das gilt unter anderem auch für Europa und indirekt auch in Osteuropa und viele Schwellenländer. So lassen sich die Kursverluste an den Börsen nicht nur aus Liquidationen angeschlagener Anleger erklären, sondern auch durch fundamentale Faktoren.

Inzwischen werden zwar Stimmen laut, die argumentieren, es habe sich in der Vergangenheit ausgezahlt, Aktien in der Krise zu kaufen, um auf diese Weise von einer wirtschaftlichen Erholung zu profitieren. Angesichts der weltweiten Schwäche und vor allem auch angesichts der nötigen finanziellen Konsolidierung der Haushalte und der wachsenden industriellen Überkapazitäten stellt sich die Frage, ob eine rasche wirtschaftliche Erholung möglich sein wird. Zumindest der Blick auf die wirtschaftliche Entwicklung in Japan nach dem Platzen der Blase kann Zweifel daran aufkommen lassen. In diesem Sinne dürfte es ratsam sein, auf Kurserholungen nur in Verbindung mit Absicherungsstrategien zu setzen. Sicherer ist die Wette auf solide, schuldenfreie Unternehmen mit hoher Ausschüttung, die in robusten Branchen operieren.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @cri
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