22.02.2010 · Die Aktien von „Schrottunternehmen“ schneiden in der ersten Phase einer Börsenerholung oft gut ab. Später jedoch sind Anleger an guten Unternehmen, die stabile Dividenden zahlen, interessiert. Ihre Aktien sind langfristig reizvoll.
Von Lewis BrahamDie Jagd nach Schrottaktien ist offiziell beendet - meint zumindest John Gould, Co-Manager des Cullen High Dividend Equity Fonds. „Die 363 Aktien des Aktienindex Standard & Poor's 500, die Dividenden abwerfen, haben im vergangenen Jahr 26,2 Prozentpunkte zugelegt, die Aktien ohne Dividenden dagegen 65,3 Prozentpunkte“, sagt er.
„Die unattraktiven Unternehmen ohne Dividenden und Erträge schnitten also wesentlich besser ab - und das ist typisch für einen Markt, der sich gerade von extremen Kursrückgängen erholt. Aber nun treten wir in eine neue Phase ein. Die besten Ergebnisse haben in den vergangenen vier Monaten die Aktien mit starken Dividenden erzielt.“
Aktien von ausschüttenden Unternehmen schneiden langfristig gut ab
Dass Gould die Zahlung von Dividenden als ein Zeichen von Unternehmensstärke betrachtet, sollte niemanden verwundern, der die Geschichte der Märkte kennt. Seit 1972 haben die S&P-500-Aktien mit Dividenden eine durchschnittliche Jahresrendite von 8,5 Prozent erzielt. Die Aktien ohne Dividenden kamen nach Angaben von Ned Davis Research dagegen auf nur 1,2 Prozent - und lagen damit deutlich unter dem gesamten S&P 500 mit 6,8 Prozentpunkten. Die gute Jahresrendite der Aktien mit Dividende ist wohl darauf zurückzuführen, dass ihre Volatilität ein Drittel geringer war als die Volatilität der Aktien ohne Dividende.
Leider liegt der durchschnittliche Dividendenertrag von Aktien derzeit bei nur 2,2 Prozent - und damit noch weit unter der durchschnittlichen Aktienrendite von 5,4 Prozent nach dem letzten großen Einbruch am Aktienmarkt im Jahre 1974. Aber die Renditen werden sich aller Wahrscheinlichkeit nach wieder erholen. Da Bankkonten fast nichts abwerfen und Rentenpapiere kaum mehr als drei oder vier Prozent bringen, hungern die Anleger regelrecht nach Erträgen. Außerdem sitzen viele Unternehmen auf ihren Geldreserven, die sie während der Wirtschaftsflaute gehortet haben, und wissen nun gar nicht so recht, was sie mit ihnen anfangen sollen. Schließlich hielten die Barmittel Ende 2009 in den Unternehmensbilanzen einen Anteil von 12,5 Prozent an allen Vermögenswerten - und damit den höchsten Anteil aller Zeiten. „Microsoft sitzt auf 36 Milliarden Dollar Cash“, sagt Gould. „Was wollen sie denn damit anfangen? Es würde mich nicht wundern, wenn sie noch vor Jahresende eine weitere Dividendenerhöhung bekannt gäben.“ (Bloombergs Team, das die Dividendenprognosen erstellt und dafür sieben Faktoren verwendet, geht davon aus, dass Microsoft seine Dividenden sowohl in diesem als auch im nächsten Quartal beibehalten und erst in den folgenden Quartalen von 2010 von 13 Cents auf 14 Cents pro Aktie anheben wird.)
Anleger, die diesem Trend folgen wollen, sollten über Beteiligungen an einem dividendenorientierten Anlagefonds oder einem börsennotierten Fonds nachdenken. Die Manager dieser Fonds verwenden in der Regel drei Fonds-Arten: Equity Income, Dividend Growth und Dividend Capture.
Equity Income Fonds sind von allen drei Fonds meist die konservativsten - mit ihrer Ausrichtung auf momentan hohe, stabile Dividendenerträge. Das gilt auch für die Fonds Allianz Dividend Value und American Century Equity Income. „Wir suchen nach Unternehmen, die nachhaltige Dividenden haben“, sagt American Centurys Manager Phil Davidson. „Dann kaufen wir ihre Aktien, wenn sie gerade recht unpopulär sind, und wenn die Erträge im historischen Vergleich über dem Durchschnitt liegen. Als erstes verwenden wir aber sehr viel Zeit auf das Studium ihrer Bilanzen, damit wir uns auch wirklich ganz sicher sein können, dass ihre Dividenden zukunftsfähig sind.“
Aktien oder Wandelanleihen - das ist immer auch die Frage
Wenn Davidson sich zwar nicht ganz sicher ist, ob die Dividenden eines Unternehmens nachhaltig sind, aber dieses Unternehmen aufgrund seiner Bewertung trotzdem für attraktiv hält, kauft er statt Aktien manchmal Wandelanleihen, da diese Wertpapiere besser gegen Abwärtstrends geschützt sind. (Denn Anleihen, die gegen Unternehmensaktien eingetauscht werden können, haben in der Finanzierungsstruktur von Firmen traditionell Vorrang vor den Aktien und können deshalb zuerst auf bestehende Einkommensquellen zugreifen.) Obwohl Davidson auch Stammaktien von „todsicheren Kandidaten“ wie AT&T besitzt - einem Unternehmen mit 6,7 Prozent Rendite -, greift er meistens aber doch lieber zu Wandelanleihen der weniger stabilen Bank of America und des Finanzunternehmens U.S. Bancorp. Und das zahlt sich aus, denn mit seiner defensiven Strategie konnte Davidson seine Verluste in Zeiten der Konjunkturschwäche deutlich verringern. Schließlich verlor der Aktienfonds American Century Equity im Jahre 2008 nur 20,1 Prozent, während der Markt Verluste von 37 Prozent hinnehmen musste, und seine Zehn-Jahres-Rendite von 7,9 Prozent übersteigt 98 Prozent der vergleichbaren Fonds.
Im Gegensatz dazu interessieren sich Manager von Dividend Growth Fonds wie Donald Kilbride vom Vanguard Dividend Growth Fonds bei Aktien weniger für die aktuellen Renditen, als vielmehr für ihr Wachstumspotential in punkto Dividenden. „Wenn ich mit Anlegern spreche, versuche ich das Gespräch von den derzeitigen Renditen wegzulenken“, sagt er. „Ich denke stattdessen über die Erträge der Aktie in den nächsten fünf Jahren nach.“ Deshalb hat sein Fonds auch mit 2,2 Prozent eine geringere Rendite als der von Davidson mit 2,8 Prozent, wenn auch - dank Vanguards Gesamtkostenquote von 0,32 Prozent - nicht wesentlich geringer.
Kilbride weist darauf hin, dass seine Strategie unter Umständen weniger riskant ist als Investitionen in Equity Income Fonds, weil er nicht auf der Jagd nach den höchsten Erträgen ist. „Viele der ertragreichen Aktien von 2008 waren Finanzwerte“, sagt er. „Wir haben festgestellt, dass bei diesen Aktien kein Dividendenwachstum zu verzeichnen war und dass ihre zugrunde liegenden Fundamentalwerte ihre derzeitigen Ausschüttungen nicht untermauern konnten.“ Durch den Verzicht auf Banken und die Entscheidung für „Urgesteine“ wie das Logistikunternehmen United Parcel Service - mit einer mäßigen Rendite von 3,3 Prozent, aber einem großen Wachstumspotential - gelang es dem Vanguard Dividend Growth Fonds, dem Abwärtstrend des Marktes (mit 25 Prozent in 2008) zu trotzen. In den letzten Jahren hat der Fonds die Ergebnisse von 95 Prozent aller vergleichbaren Unternehmen übertroffen.
Schön wäre: Hohe Dividende plus gute Wachstumsaussichten
Im Idealfall würde man natürlich in Unternehmen investieren, die sowohl hohe Renditen als auch ein großes Wachstumspotential für sich verbuchen können, und einige Fonds versuchen das auch. Der Cullen High Dividend Equity Fonds und der TCW Dividend Focused Fonds verbinden diese Strategien, wobei Cullen mehr in Richtung Erträge tendiert und TCW in Richtung Dividendenwachstum. Andere Fondsmanager verwenden neue Strategien, um ihren Renditen Auftrieb zu geben. Die bekannteste Strategie heißt „Dividend Capture“: Um so viele Dividenden wie möglich „erobern“ zu können (auf Englisch: „to capture“), kaufen die Manager ihre Aktien unmittelbar vor deren Ausschüttung auf und verkaufen sie kurz darauf wieder, um sich dann der nächsten Dividendenaktie zuzuwenden.
Mit einer solchen Strategie erzielt der Alpine Dynamic Dividend Fonds im Moment stolze 17 Prozent. „Wir behalten die Aktien in der Regel nach ihrer Dividendenauszahlung noch mindestens 61 Tage lang, damit die Ausschüttung nur mit dem geringeren Dividendensteuersatz von 15 Prozent belegt wird“, erklärt Alpines Co-Manager Kevin Shacknofsky. „Wir kaufen Aktien von Unternehmen aber auch unmittelbar vor einer einmaligen besonderen Dividendenauszahlung.“
Eine solche Strategie hat aber natürlich auch ihre Risiken. Zum einen sind die Transaktionskosten normalerweise recht hoch, weil die Manager die Aktien erst einmal kaufen müssen, bevor sie in den Genuss der Dividenden kommen. Alpines Umschlagquote beträgt 323 Prozent und liegt damit mehr als zehn Mal höher als die Umschlagquote von Vanguard Dividend Growth. Zum anderen tendieren Fondsmanager, die diese Strategie verwenden, nicht selten dazu, den Aktien mit den höchsten Renditen nachzujagen. Eine solche Renditejagd wurde Alpine im Jahre 2008 zum Verhängnis und der Fonds fiel um 49 Prozent. Shacknofsky hat aus diesen Erfahrungen gelernt, sagt er. Heute enthält sein Aktienkorb neben riskanteren Kandidaten auch eine Auswahl soliderer Blue-Chip-Aktien wie McDonald's und Johnson & Johnson.
Wenn ertragreiche Aktien mit einem hohen Wachstumspotential in den Vereinigten Staaten auch noch eher dünn gesät sind, sind sie in Übersee doch schon wesentlich häufiger zu finden, vor allem in den Schwellenländern. „Von 2002 bis 2009 konnten die Dividenden asiatischer Aktien pro Jahr durchschnittlich 18 Prozent zulegen, während die amerikanischen Aktien nur sechs Prozent erzielten“, sagt Jesper Madsen, Manager des Matthews Asia Dividend Fonds. „In all diesen Jahren lagen die Renditen der asiatischen Aktien etwa einen halben Prozentpunkt über den amerikanischen Aktien.“ Im Moment, sagt Madsen, werfen asiatische Aktien im Durchschnitt 2,6 Prozent ab oder 3,1 Prozent, wenn man die japanischen Aktien nicht mit einrechnet.
Madsens Strategie hat sich - wie die anderer Dividendenfonds - in Zeiten der Konjunkturschwäche besser bewährt. Die Erträge seines Fonds fielen in 2008 um nur 26 Prozent, die Erträge der Fonds im Asien-Pazifik-Raum dagegen um durchschnittlich 43 Prozent. Aber im Gegensatz zu anderen vergleichbaren Fonds, die sich überwiegend an den Vereinigten Staaten orientieren, konnte Madsens Fonds während der Rally des Vorjahres mit 47,6 Prozent hervorragende Gewinne erzielen, während der durchschnittliche Asien-Fonds nur mit 34,7 Prozent aufwarten konnte. Dividendenhungrigen Anlegern bietet Madsens Fonds also eventuell gleich zwei Leckerbissen: gute Erträge und ein starkes Wachstum.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.848,03 | +1,42% |
| FAZ-INDEX | 1.526,72 | +1,43% |
| TecDAX | 778,36 | +0,73% |
| MDAX | 10.441,40 | +1,41% |
| SDAX | 5.048,27 | +1,17% |
| REX | 422,26 | −0,26% |
| Eurostoxx 50 | 2.520,31 | +1,24% |
| F.A.Z. EURO INDEX | 81,56 | +1,37% |
| Dow Jones | 12.949,90 | +0,35% |
| Nasdaq 100 | 2.584,24 | −0,31% |
| S&P500 | 1.361,23 | +0,23% |
| Nikkei225 | 9.384,17 | +1,58% |
| EUR/USD | 1,3138 | +0,07% |
| Rohöl Brent Crude | 119,95 $ | −0,08% |
| Gold | 1.723,00 $ | +0,58% |
| Bund Future | 138,50 € | −0,16% |