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Veröffentlicht: 01.01.2010, 21:50 Uhr

Anlagemix 2010 Dividendenstarke Aktien sind die Favoriten

Langlaufende Anleihen mögen nur wenige, beliebt sind kurzlaufende Anleihen und Gold. Und auch Aktien sind für einige wieder „in“: Eine Umfrage unter neun Vermögensverwaltern zum richtigen Anlagemix für 2010.

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© AP In schlechten Zeiten ist es gut, wenn regelmäßig Dividenden in die Kasse fließen

Größere Kursgewinne am Aktienmarkt halten viele Vermögensverwalter im Jahr 2010 für unwahrscheinlich. In einem noch von niedriger Inflation geprägten wirtschaftlichen Umfeld sollten Anleger aber auf Zinseinnahmen und Aktien mit hohen Dividendenzahlungen nicht verzichten. Dieser Ratschlag lässt sich aus einer Umfrage ableiten, die die F.A.Z. unter neun Vermögensverwaltern durchgeführt hat.

Hanno Mußler Folgen:

Vor einem Jahr hatte bei den Vermögensverwaltern noch die Angst vor einem Kollaps des Finanzsystems überwogen. Die Frage, wie ein dreißig und ein sechzig Jahre alter Anleger zu Beginn des Jahres 2009 ihr Geld auf die verschiedenen Anlageklassen aufteilen sollten, beantworteten die meisten damals mit hohen Quoten für die Position „Kasse“. Erstmals waren „Aktien“ in dieser Umfrage, die die F.A.Z. seit dem Jahr 2005 durchführt, nicht die einem dreißig Jahre alten Anlegern größte angeratene Position. Älteren Anlegern empfehlen Vermögensverwalter ohnehin traditionell wegen ihrer geringeren Risikotoleranz eine niedrigere Aktienquote.

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In diesem Jahr haben nur zwei der ersten acht Vermögensverwalter in der Tabelle, die sich an der früheren Umfrage beteiligt haben, ihren Kassenbestand noch einmal geringfügig erhöht. Die anderen sechs haben ihn abgebaut, die meisten haben dafür die Positionen „kurze Anleihen“ und „Rohstoffe/Edelmetalle“ erhöht, einige wenige auch „Aktien“ wie Jens Ehrhardt. Der Münchener Vermögensverwalter hatte vor einem Jahr einem dreißig Jahre alten Anleger noch zu 55 Prozent „Kasse“ geraten.

Infografik 882 / Tabelle / Die richtige Mischung für 2010: Die Vorschläge der Vermögensverwalter © F.A.Z. Vergrößern

Aktien in Depots mit Derivaten absichern

Das empfohlene höhere Gewicht für Aktien sei „vor allen Dingen im Sinne einer Erhöhung in dividendenstarken Titeln“ zu sehen, heißt es von Jens Ehrhardt. „Es ist durchaus denkbar, dass die Dividendenrenditen jetzt über einen längeren Zeitraum ähnlich wie von den dreißiger Jahren bis Mitte der fünfziger Jahre des letzten Jahrhunderts wieder höher sind als die Renditen erstklassiger Anleihen.“ Gottfried Heller, Seniorpartner von Fiduka und enger Weggefährte von Börsenguru André Kostolany, rät vor allem älteren Anlegern zu den im Vergleich zu Wachstumswerten weniger schwankungsintensiven Dividendenwerten, die sich vor allem in Aktien aus den Branchen Öl, Versorger, Telekom und Pharma finden ließen. Jüngere Anleger hingegen könnten nach Ansicht von Heller durchaus mit mehr Risiko darauf setzen, dass „die Weltwirtschaft noch in einem frühen Stadium der Erholung ist und Aktien, gemessen an den Kurs-Gewinn-Verhältnissen, moderat bewertet sind“.

Die meisten anderen Vermögensverwalter allerdings halten die Konjunkturlage nicht für stabil und sind deshalb vorsichtig bei Aktien. Hans-Georg Kuhlmann von PAM glaubt nicht daran, dass die Unternehmen erhebliche Umsatzsteigerungen erwarten können, auf denen aber die höheren Gewinnerwartungen der Anleger fußen. PAM befürchtet deshalb 2010 einen Rückgang des Dax von derzeit knapp 6000 auf 4500 und sichert die Aktien in den Depots mit Derivaten ab. Auch Burkhard Wagner von Partners trägt sich mit dem Gedanken, seine Aktienquote mit weiter steigenden Aktienkursen zu verringern. „Die Aktienmärkte haben eine V-förmige Erholung der Weltwirtschaft antizipiert, die wir als unrealistisch einschätzen, so dass dort die Risiken die Chancen bei weitem übersteigen“, begründet Martin Mack von Mack & Weise seine empfohlene Aktienquote von null.

Edelmetalle und Immobilien bleiben weiter wichtig

Die V-förmige Entwicklung sei nur in der Staatsverschuldung und den Notenbankbilanzen zu erkennen, sagt Mack. „Dies wird mittelfristig zu einem weiteren Vertrauensverlust in das herrschende Geldsystem führen, so dass die Geldmetalle Gold und Silber als Sachwerte sowie die eigengenutzte Immobilie zur Absicherung des Portfolios elementar sind.“ Auch Jens Ehrhardt hält Edelmetalle und Immobilien weiterhin für interessant, wenngleich der Einstieg in Immobilien auf den „ehemaligen angelsächsischen Blasenmärkten im Gegensatz zu Hongkong/China noch immer kein ausgewogenes Chance-Risiko-Verhältnis bietet“.

Kein Vermögensverwalter erwartet in den kommenden Monaten steigende Zinsen für Anleihen mit kurzen Laufzeiten in größerem Ausmaß. Deshalb raten viele zu dieser Anlage, obwohl die Rendite von Bundeswertpapieren mit zwei Jahren Laufzeit derzeit nur magere 1,5 Prozent beträgt. Doch auch die Inflationsrate dürfte 2010 mit etwa 1 Prozent niedrig sein, und Kursverluste wären bei konstanten Zinsen nicht zu befürchten. „2010 wird noch nicht das Jahr der Inflation, auch wenn viele die Angst davor umtreibt und die Zinsen für langlaufende Anleihen deshalb durchaus steigen können“, sagt Joachim Paul Schäfer, Partner der Vermögensverwaltung PSM. Weil steigende Zinsen im Gegenzug zu Kursverlusten führen würden, sind langlaufende Anleihen bei den Vermögensverwaltern derzeit unbeliebt. Schäfer hält die kurzlaufenden Anleihen auch deshalb für attraktiver, weil er sogar eine weitere Zinssenkung der Europäischen Zentralbank für möglich hält.

Quelle: F.A.Z.

 

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