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Anlagebetrug Der 50-Milliarden-Dollar-Schwindel

13.12.2008 ·  Dem ehemaligen Verwaltungsratschef der Börse Nasdaq, Bernard Madoff, wird ein Anlagebetrug „epischen Ausmaßes“ vorgeworfen - es wäre der größte Fall dieser Art an der Wall Street. Das FBI hat ihn festgenommen. Der Wertpapierhändler hat zugeben, seine Anleger mit einem Schneeballsystem betrogen zu haben.

Von Norbert Kuls
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Der prominente Wertpapierhändler und ehemalige Verwaltungsratsvorsitzende der elektronischen Börse Nasdaq, Bernard Madoff, ist wegen Betrugsverdachts von der amerikanischen Bundespolizei FBI festgenommen worden.

Die Börsenaufsicht SEC und die Staatsanwaltschaft werfen Madoff vor, Kunden seines Wertpapierunternehmens um 50 Milliarden Dollar betrogen zu haben. „Unsere Klage unterstellt einen atemberaubenden Betrug, der von epischen Ausmaßen zu sein scheint", sagte Andrew Calamari vom SEC-Büro in New York.

„Es ist alles eine große Lüge“

Nach Angaben der Behörden hat Madoff ein Schneeballsystem betrieben, bei dem er Verluste vertuscht und die Renditen für Kunden seiner Vermögensverwaltung mit dem Geld neu angeworbener Investoren ausgezahlt hat. „Es ist alles eine große Lüge“, habe Madoff laut Klageschrift zweien seiner Mitarbeiter gestanden. Bei den Mitarbeitern soll es sich um seine beiden Söhne handeln, die danach über ihre Anwälte die Polizei informiert haben.

Der 70 Jahre alte Madoff ist an der Wall Street und in Kreisen vermögender New Yorker eine Legende. Er ist der Gründer und Mehrheitseigner der selbst nicht börsennotierten Firma Bernard Madoff Investment Securities LLC, die vor allem als Börsenmakler, also als Vermittler von Aktienkäufern und -verkäufern, auftrat. Das Unternehmen gehörte in der Vergangenheit zu den größten Maklern an der elektronischen Börse Nasdaq und beschäftigte Hunderte von Wertpapierhändlern. Madoff hatte die Gesellschaft im Jahr 1960 mit Ersparnissen gegründet, die er als Rettungsschwimmer an den Stränden von Long Island außerhalb von New York verdient hat.

Parallel dazu betrieb Madoff auch eine Vermögensverwaltung für wohlhabende Privatkunden, Hedge-Fonds und andere institutionelle Anleger, wo der Betrug stattgefunden haben soll. Diese Sparte verwaltete nach offiziellen Angaben Anfang des Jahres Anlagen im Volumen von 17 Milliarden Dollar. Laut Klageschrift hat Madoff seinen Söhnen gestanden, dass er mehr als 50 Milliarden Dollar veruntreut hat. Damit würde es sich um den weitaus größten Fall dieser Art an der Wall Street handeln. Der Betrug wäre zudem fünfmal größer als die Bilanzfälschung des Telefonkonzerns Worldcom, der 2002 zusammengebrochen war.

Schockwellen in den betuchten Zirkeln von New York und Florida

Bei Konkurrenten an der Wall Street herrschten seit Jahren Zweifel, wie Madoff trotz angeblich konservativer Anlagestrategien jahrelang kontinuierlich gute Renditen erwirtschaften konnte. Einer der prominentesten Fonds von Madoff, der Fairfield Sentry Fonds, hatte über einen Zeitraum von 15 Jahren jedes Jahr eine Rendite von 11 Prozent ausgewiesen. Der Fonds hatte noch im Oktober angeblich ein Volumen von 7,3 Milliarden Dollar. Fairfield Sentry berichtete für dieses Jahr bis Ende November einen Kursgewinn von 5,6 Prozent, obwohl der amerikanische Aktienindex S&P 500 im gleichen Zeitraum um 38 Prozent eingebrochen war. Händler hatten in den vergangenen Jahren vermutet, das Madoff als Makler möglicherweise sein Wissen um große kursbewegende Aufträge von Kunden nutzt, um vorher illegalerweise auf eigene Rechnung zu handeln. Madoff hatte diese Vorwürfe öffentlich zurückgewiesen.

Die Nachricht von Madoffs offenbarem Betrug sorgte für Schockwellen in den betuchten Zirkeln von New York und Florida, wo Madoff seine Kunden akquirierte. „Das wird so viele Leute vernichten. Es ist absolut schrecklich“, sagte ein Investor dem „Wall Street Journal“. Einer der großen Vertriebskanäle von Madoff war der Palm Beach Country Club, ein exklusiver Golfclub in Florida. „Sie haben den Fonds immer als reguläre Einkommensquelle verkauft“, sagte ein Mitglied des Clubs. „Aber niemand wusste so genau, was die Strategie war.“

Madoff geriet laut Klageschrift in den vergangenen Wochen unter Druck, da ein Kunde 7 Milliarden Dollar abziehen wollte und er Schwierigkeiten hatte, diese Summe aufzutreiben. Als die FBI-Agenten am Donnerstag früh an Madoffs Tür klingelten, fragten sie ihn, ob es eine harmlose Erklärung für den Verdacht gebe. „Es gibt keine harmlose Erklärung“, erwiderte Madoff. Er habe Investoren mit Geld bezahlt, das nicht existiert habe, er sei pleite und könne nicht so weitermachen. Madoff ist mittlerweile gegen eine Kaution von 10 Millionen Dollar auf freiem Fuß.

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Jahrgang 1965, Finanzmarktkorrespondent in New York.

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