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Apple auf dem Aktienmarkt : Icahn, Buffett und die Wette auf Apple

Das iPhone ist wichtig für Nutzer und Anleger Bild: Reuters

Ein Alt-Investor steigt im großen Stil bei Apple ein, der andere ist schon ausgestiegen. An der Börse erwarten Analysten von den neuen iPhone-Modellen große Innovationen. Wie geht’s also weiter für die Apple-Aktie?

          Die berühmten Investoren Carl Icahn und Warren Buffett haben einiges gemeinsam. Beide sind Multimilliardäre, über 80 Jahre alt und können Kurse bewegen. Aber es gibt auch große Unterschiede. Icahn unterstützt und berät den amerikanischen Präsidenten Donald Trump, Buffett hatte sich im Wahlkampf für dessen Konkurrentin Hillary Clinton starkgemacht. Buffett lebt in der amerikanischen Provinzmetropole Omaha, Icahn residiert in Manhattan – und auch bei Apple scheiden sich die Geister.

          Norbert Kuls

          Freier Autor in der Wirtschaft.

          Icahn hatte vor gut einem Jahr seine Aktien des kalifornischen Technologiekonzerns verkauft. Als das Ende April bekanntwurde, sackte der Aktienkurs von Apple deutlich ab. Buffetts Gesellschaft Berkshire Hathaway hatte im gleichen Zeitraum damit begonnen, Aktien von Apple zu kaufen. Als Berkshire die Beteiligung im Mai in einer Pflichtmitteilung bekanntgab, schoss der Kurs wieder nach oben, obwohl die Idee wohl gar nicht von Buffett, sondern von einem seiner designierten Nachfolger stammte.

          Im vergangenen Quartal hat Berkshire seine Position bei Apple nun vervierfacht, wie in dieser Woche bekanntwurde. Am Ende des vergangenen Jahres besaß Berkshire mehr als 57 Millionen Apple-Aktien im Wert von 6,6 Milliarden Dollar. Nach Kursgewinnen von 17 Prozent in diesem Jahr und einem neuen Rekordhoch von mehr als 135 Dollar in dieser Woche ist die Beteiligung von Berkshire mittlerweile 7,7 Milliarden Dollar wert. Mit einem Anteil von rund 1,2 Prozent zählt Berkshire jetzt zu den zehn größten Aktionären von Apple, der unter deutschen Anlegern beliebtesten Auslandsaktie.

          Analysten hoben ihre Kursprognosen für Apple weiter an

          Die Meinungen zu Apple an der Börse hängen häufig von den jeweiligen Prognosen für den Absatz des iPhones ab. Das vor nunmehr fast zehn Jahren erstmals vorgestellte Handy ist weiterhin das wichtigste Produkt von Apple und trägt mehr als zwei Drittel zum Gesamtumsatz bei. Die Stimmung an der Börse ist derzeit gut, weil Analysten für die im Herbst erwartete Vorstellung der neuen Modelle wegen des Jubiläums große Innovationen erwarten. Ein neues iPhone 8 dürfte nach Meinung vieler Analysten für Umsatzrekorde sorgen, weil Besitzer ihre alten Smartphones dann gegen die neuen Geräte eintauschen werden. In der Regel stellt Apple seine iPhones im September vor, kurz vor der Weihnachtssaison des Einzelhandels.

          Im vergangenen Quartal hatte Apple auch ohne ein neues iPhone-Modell die jüngste Serie von Umsatzrückgängen beendet. Apple verkaufte mehr als 78 Millionen Stück – ein Rekord – und steigerte den Absatz im Vergleich zum Vorjahr damit um 5 Prozent. Einmal mehr schnitt die Dienstleistungssparte des Konzerns mit einem Umsatzplus von 13 Prozent am besten ab.

          Analysten hoben ihre Kursprognosen für Apple weiter an. Angelo Zino von der Analysegesellschaft CFRA erhöhte das Kursziel von 140 Dollar auf 155 Dollar, weil er mit wachsender Nachfrage von Anlegern rechnet. Die Analysten der Investmentbank Goldman Sachs hatten ihr Kursziel für Apple-Aktien für die kommenden zwölf Monate am Montag von 133 Dollar auf 150 Dollar angehoben.

          Steuererleichterungen Trumps sind eine wichtige Stütze

          Eine wichtige Stütze für den Aktienkurs sind außerdem die von Trump avisierten Steuererleichterungen. Nach Angaben von Apple-Finanzvorstand Luca Maestri würde Apple dadurch „zusätzliche Flexibilität“ bei der Ausschüttung von Dividenden oder bei Rückkäufen eigener Aktien erhalten. Trump will die Rückführung im Ausland erwirtschafteter Gewinne amerikanischer Unternehmen steuerlich attraktiver machen. Mehr als 90Prozent der gesamten Barmittel von Apple in Höhe von 246 Milliarden Dollar befinden sich bei ausländischen Tochtergesellschaften des Konzerns.

          Zur Vorsicht mahnt allerdings der selbständige Technologieanalyst Rob Enderle. „Es gibt eine Menge Risiken für Buffett“, sagte Enderle. „Apple könnte davon profitiert haben, dass Samsung mit dem Galaxy 7 abgestürzt ist.“ Apple-Konkurrent Samsung hatte dieses Handy wegen Brandgefahr vom Markt genommen. Enderle vermutet zudem, dass der Telekommunikationsausrüster Qualcomm ein Konkurrenzprodukt zum iPhone auf den Markt bringen könnte. „Wenn Buffett eine Aktie kauft, ermutigt das all die anderen Anleger zum Kauf.

          Aber traditionell ist es kein guter Zeitpunkt für ein Investment in Apple, wenn der Aktienkurs auf einem Rekordhoch ist.“ Buffett hatte die Aktien in der Tat zu einem günstigeren Zeitpunkt erworben. Und auch Icahn hatte die Titel günstig gekauft und nach drei Jahren mit einem Gewinn von rund 2 Milliarden Dollar wieder abgestoßen. Aus heutiger Sicht hat er damit aber einen weiteren Kursanstieg von mehr als 40 Prozent verpasst. Icahn hatte seine Trennung von Apple damals mit Gewinnmitnahmen begründet. Apple sei immer noch ein „großartiges Unternehmen“ nur eben keine „idiotensichere Wette“ mehr.

          Quelle: F.A.Z.

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