Der Anstieg der Umsätze im PC-Sektor ist zu einem großen Teil auf Preisnachlässe zurückzuführen - und es ist nicht allzu schwer, die schlechten Zahlen vom vergangenen Jahr zu übertreffen. Die Umsatzzahlen für PCs für das zweite Quartal 2003 sind nunmehr verfügbar.
Laut den kürzlich vom Marktforschungsunternehmen International Data (IDC) veröffentlichten Zahlen wurden weltweit 7,6 Prozent mehr PCs ausgeliefert als im Vorjahr. Dies stellt zwar eine Verbesserung gegenüber dem Zuwachs im ersten Quartal mit plus 2,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr dar. Dieses schwache Ergebnis war jedoch leicht zu schlagen.
Basiseffekt verzerrt das Bild
Ein Blick auf das Wachstum im Vergleich zum Vorquartal - eine wichtige Kennzahl in dieser Branche - zeigt jedoch, daß die Verkäufe von PCs im zweiten Quartal 2002 um 8,9 Prozent gegenüber dem ersten Quartal zurückgingen. Der Rückgang fiel damit stärker aus, als es das typische saisonale Muster erwarten ließe. Im Zeitraum 1994 bis 1998 - zahlreiche Analysten nutzen diese Periode und nicht die Boom-Jahre von 1998 bis 2000 für ihre Voraussagen zum Wachstum im PC-Sektor - stiegen die Verkäufe von PCs durchschnittlich um 0,7 Prozent gegenüber dem Vorquartal an, und nur im Jahr 1998 wurde ein anhaltender Rückgang verzeichnet.
Dell setzte weiterhin die meisten PCs ab. In Stückzahlen stieg der Absatz im zweiten Quartal um knapp 29 Prozent an. Damit wurde der stärkste Zuwachs seit dem ersten Quartal 2001 verzeichnet, und dieses Ergebnis stützt unsere Prognose für das Gewinnwachstum von 15 Prozent. Das IDC führte diese Entwicklung auf das starke internationale Geschäft bei Dell zurück. Es ist festzuhalten, daß Dell in Amerika im zweiten Quartal einen robusten Anstieg des Absatzes um 25,6 Prozent verzeichnen konnte. Mit einem Marktanteil von 31,5 Prozent hat das Unternehmen einen deutlichen Vorsprung vor seinem wichtigsten Konkurrenten Hewlett-Packard (HP), der 19,1 Prozent des Marktes für sich beanspruchen konnte.
Dell gegen den Rest der Welt
HP konnte seinen Absatz weltweit im zweiten Quartal um 13,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr steigern. Dies stellt gegenüber dem Rückgang um 5,7 Prozent im vorhergehenden Quartal eine deutliche Verbesserung dar. HP hatte im zweiten Quartal einen Anteil von 16,2 Prozent am Weltmarkt, was eine Steigerung gegenüber 15,8 Prozent im vorhergehenden Quartal sowie gegenüber 15,4 Prozent im Vorjahresquartal darstellt, gegenüber dem ersten Quartal 2002 (17,1 Prozent) jedoch einer Einbuße gleichkommt. Das IDC begründete die robusten Absatzzahlen mit der aggressiven Preispolitik und einer Erholung im Unternehmenssektor.
IBM konnte weltweit 11,9 Prozent mehr PCs verkaufen als im Vorjahr und übertraf damit unsere Prognosen. Mit 6,6 Prozent hatte das Unternehmen im zweiten Quartal den drittgrößten Marktanteil und konnte diesen von 6,3 Prozent im Vorjahr und 5,4 Prozent im ersten Quartal 2003 steigern. IBM konnte vom Wachstum bei Notebooks und der höheren Nachfrage in Europa sowie im asiatischen und pazifischen Raum profitieren.
Betrachtet man die einzelnen Regionen, so stieg der Absatz von PCs in Amerika um 8,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr und in Europa, dem Nahen Osten und Afrika aufgrund der stärkeren Nachfrage infolge der aggressiven Preispolitik und der anhaltenden Attraktivität von Notebooks um 9,8 Prozent an. Dem IDC zufolge wurde in Amerika zwar eine höhere Nachfrage aus dem Unternehmenssektor verzeichnet, das Wachstum fiel hier jedoch geringer aus als im privaten oder im öffentlichen Sektor. Im asiatisch-pazifischen Raum stieg der Absatz nach Stückzahlen trotz der Befürchtungen, daß die Lungenkrankheit SARS die Nachfrage nach PCs lähmen könnte, um kräftige 12,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr an.
Optimistische Einschätzung für das Gesamtjahr
Das dritte Quartal dürfte unseres Erachtens wichtige Hinweise auf die Stärke der PC-Nachfrage im weiteren Jahresverlauf geben. Das Ende der Sommerferien fällt in diesen Zeitraum, und dieser Effekt ist seit jeher schwierig zu prognostizieren. Derzeit wird viel Werbung für PCs gemacht, und zahlreiche Hersteller bieten Preisnachlässe und Werbeangebote an. Der Markt dürfte in den nächsten beiden Wochen durch die Telefonkonferenzen von Dell und HP zur Gewinnsituation der Unternehmen einen besseren Einblick in die Dynamik der Nachfrage nach PCs gewinnen.
S&P prognostiziert für das dritte Quartal einen Anstieg der Absatzzahlen für PCs um 3,3 Prozent gegenüber dem Vorquartal, und wir gehen weiterhin davon aus, daß der Absatz nach Stückzahlen in diesem Jahr um rund fünf Prozent zulegen dürfte. Diese Prognose impliziert einen Zuwachs der PC-Verkäufe weltweit um knapp 19 Prozent im vierten Quartal, was dem historischen Trend entspräche.
Da die Konjunkturprognosen jedoch zuletzt nach oben korrigiert wurden, könnte sich unser Szenario für die PC-Branche als zu konservativ herausstellen. Zudem zeigen sich Marktforschungsunternehmen wie IDC optimistischer im Hinblick auf einen möglichen Verbesserungszyklus bei der PC-Ausstattung in der zweiten Jahreshälfte 2003.
Vorerst neutrale Einstellung gegenüber dem PC-Sektor
Dennoch ist es bisher fraglich, ob sich die Nachfrage der Unternehmen dauerhaft steigert. Zudem wurde die Nachfrage nach PCs zuletzt durch aggressive Preissenkungen gestützt. Vor diesem Hintergrund steht S&P dem PC-Sektor derzeit neutral gegenüber. Wir geben daher für die Aktien von Dell und HP derzeit die Anlageempfehlung „Halten“ ab, auch wenn wir feststellen müssen, daß Dell aufgrund seiner niedrigen Produktionskosten Marktanteile gewinnen konnte. Unsere Anlageempfehlung für IBM lautet „Kaufen“, was jedoch auf die Wettbewerbsvorteile des Unternehmens in den Bereichen Service und Software zurückzuführen ist, nicht auf seine Position am PC-Markt.