Home
http://www.faz.net/-gv7-7476r
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER
Zertifikate und ETFs

Amerikas Börse Wall Street reagiert negativ auf Wahl Obamas

Nach der Wahl in den Vereinigten Staaten fürchten Händler ein politisches Gerangel um den Haushalt. Historisch gesehen haben sich die Aktienkurse unter demokratischen Präsidenten aber bisher besser entwickelt.

© dapd Vergrößern Die Märkte in den Vereinigten Staaten hoffen, dass sich Demokraten und Republikaner rasch über Reformen einig werden.

Die amerikanischen Aktienmärkte haben am Mittwoch mit deutlichen Kursverlusten auf die Wahl Barack Obamas zum Präsidenten der Vereinigten Staaten reagiert. Der Dow Jones und der breiter gefasste Aktienindex S&P 500 verloren rund 2 Prozent, belastet von kräftigen Kursabschlägen bei Banken und Energietiteln. An den europäischen Märkten hatte zunächst Erleichterung über das eindeutige Ergebnis der Präsidentenwahl vorgeherrscht. Damit blieb eine anfangs befürchtete Hängepartie mit möglichen Stimmennachzählungen aus. Aufgrund von Umfragen war mit einem Kopf-an-Kopf Rennen zwischen dem Demokraten Obama und seinem republikanischen Herausforderer Mitt Romney gerechnet worden.

Mehr zum Thema

Im europäischen Handelsverlauf rückte dann aber wie auch in Amerika die Diskussion um die so genannte „fiskalische Klippe“ in den Mittelpunkt, die den Vereinigten Staaten Ende des Jahres bevorsteht. Ab 2013 greifen automatische Steuererhöhungen und Ausgabenkürzungen, die das Land in eine Rezession stürzen könnten, wenn bis dahin kein Kompromiss gefunden wird. Für die Aktienmärkte könnte das in Kursrückschlägen um 15 Prozent bis 20 Prozent resultieren, meinen Analysten. „Amerikanische Unternehmen haben auf die fiskalischen Unwägbarkeiten bereits mit Investitionskürzungen reagiert, weswegen es Raum für eine Erholung gibt, sobald ein Kompromiss erreicht wird“, heißt es in einem Kommentar der Bank Credit Suisse.

Harte Verhandlungen um Reformen stehen bevor

Da die Republikaner ihre Mehrheit im Repräsentantenhaus verteidigt haben, erwarten Börsianer nun harte Verhandlungen mit den Demokraten, die weiter die Mehrheit im Senat stellen. Analysten der Bank Citigroup rechnen nur mit einem provisorischen Kompromiss, weil die bisherigen Verhandlungsführer der Parteien nicht ausgetauscht werden. „Der Appetit für eine umfassende Reform ist begrenzt“, heißt es in einem Kommentar. Republikaner im Kongress haben sich gegen Steuererhöhungen ausgesprochen. Obama hat angekündigt, ein Veto gegen die eventuelle Verlängerung von Steuerbegünstigungen für Gutverdiener einzulegen.

Im vergangenen Jahr hatte politisches Gerangel um die Erhöhung der Staatsschuldengrenze zu einer Abstufung der amerikanischen Bonität durch die Kreditbewertungsagentur Standard & Poor's sowie zu stark schwankenden Aktienkursen geführt. „Die Volatilität, die es wegen der Schuldenkrise gegeben hat, ist winzig im Vergleich zu dem, was jetzt möglicherweise auf uns zukommt“, meint Daniel Genter, Vorstandschef des Vermögensverwalters RNC Capital Management.

Amerikanische Aktienmärkte haben sich bisher unter demokratischen Präsidenten besser entwickelt

„Wir gehen davon aus, dass der Haushaltsstreit in Amerika die Börsen in den nächsten Wochen belasten wird“, sagt Tammo Greetfeld, Aktienstratege der Unicredit. Allenfalls eine Einigung in letzter Sekunde oder gar erst im nächsten Jahr rückwirkend zum Jahresanfang sei zu erwarten. „Beides verlangt zu viel Vertrauen der Märkte, so dass der Euro Stoxx 50 am Jahresende niedriger liegen dürften als heute.“

Historisch betrachtet entwickeln sich die amerikanischen Aktienmärkte unter demokratischen Präsidenten aber besser als unter Republikanern, obwohl letztere gemeinhin als wirtschaftsfreundlicher gelten. Nach Angaben der Analysegesellschaft Ned Davis hat der Dow Jones seit 1900 unter Demokraten im Jahr durchschnittlich um 7,8 Prozent an Wert gewonnen. Der durchschnittliche Jahresgewinn unter Republikanern fiel mit 3 Prozent deutlich geringer aus. War der Präsident Demokrat und der Kongress wie jetzt zum Teil in der Hand der Republikaner, kletterten die Kurse jährlich sogar um 9,6 Prozent. Seit dem Amtsantritt Obamas im Januar 2009, inmitten einer schweren Finanz- und Wirtschaftskrise, sind die Aktienkurse um mehr als 50 Prozent gestiegen. Bis zur Wahl lag der Dow Jones in diesem Jahr um mehr als 7 Prozent im Plus.

Aktien von Krankenhausbetreibern profitieren

Aktienstrategen konzentrieren sich für die zweite Amtszeit von Obama auf verschiedene Branchen, die von den politischen Initiativen des Präsidenten profitierten könnten. Dazu gehören Aktien von Krankenhausbetreibern, die nach der Gesundheitsreform Nutznießer einer steigenden Zahl versicherter Patienten sein werden.

Auf den Empfehlungslisten der Aktienstrategen stehen auch Unternehmen, die in der alternativen Energiebranche tätig sind. Hausbau-Unternehmen könnten weiter von staatlichen Initiativen zur Stützung des Häusermarktes profitierten, heißt es an der Wall Street. Der amerikanische Häusermarkt hat sich in diesem Jahr nach einer langen Durststrecke stabilisiert.

Quelle: F.A.Z.

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Vereinigte Staaten Obama verschiebt Einwanderungsreform

Der amerikanische Präsident Barack Obama beugt sich dem Druck aus der eigenen Partei und will nun erst nach den Kongresswahlen Dekrete erlassen, die Millionen von illegalen Einwanderern vor einer Abschiebung bewahren könnten. Mehr

07.09.2014, 17:27 Uhr | Politik
Obamas Überraschungsbesuch in Bagram

Der amerikanische Präsident Barack Obama ist zu einem unangekündigten Truppenbesuch auf dem Luftwaffenstützpunkt der vereinigten Staaten in Bagram bei Kabul eingetroffen. Mehr

26.05.2014, 09:06 Uhr | Politik
Kampf gegen Islamischen Staat Diesen Krieg wollen die Amerikaner

Vor der Rede an die Nation des Präsidenten sind die Umfragen eindeutig: Neun von zehn Amerikanern sehen ihr Land vom Islamischen Staat bedroht. Obama ist ihnen zu zögerlich. Auch aus dem Kongress dringen Appelle, viel mehr im Irak zu unternehmen.  Mehr

10.09.2014, 07:36 Uhr | Politik
Edward Snowden darf dem Präsidenten eine Frage stellen

Bei seiner Fernseh-Fragerunde ließ Russlands Präsident Putin auch den früheren amerikanischen Geheimdienstler Edward Snowden eine Frage stellen - und antwortete mit einem Seitenhieb auf die Vereinigten Staaten. Mehr

17.04.2014, 20:49 Uhr | Politik
Allensbach-Analyse Der Groll über den großen Bruder

Die NSA-Affäre wird als Skandal empfunden. Doch es gibt keinen dramatischen Einbruch des Vertrauens in die Vereinigten Staaten. Die Krisen in der Ukraine und im Mittleren Osten stärken die Rolle des Bündnispartners. Mehr

17.09.2014, 12:17 Uhr | Politik
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 07.11.2012, 17:28 Uhr


Aktienmärkte
Name Kurs Änderung
  F.A.Z.-Index --  --
  Dax --  --
  Dow Jones --  --
  Nikkei --  --
  Hang Seng --  --
  F.A.Z.-Euro-Index --  --
  EuroStoxx 50 --  --
  S&P 500 --  --
  Nasdaq 100 --  --
  M-Dax --  --
  Tec-Dax --  --
  S-Dax --  --
  Dax Future --  --
Wertpapiersuche