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Veröffentlicht: 07.11.2012, 17:28 Uhr

Amerikas Börse Wall Street reagiert negativ auf Wahl Obamas

Nach der Wahl in den Vereinigten Staaten fürchten Händler ein politisches Gerangel um den Haushalt. Historisch gesehen haben sich die Aktienkurse unter demokratischen Präsidenten aber bisher besser entwickelt.

von Norbert Kuls (New York) Daniel Mohr (Frankfurt)
© dapd Die Märkte in den Vereinigten Staaten hoffen, dass sich Demokraten und Republikaner rasch über Reformen einig werden.

Die amerikanischen Aktienmärkte haben am Mittwoch mit deutlichen Kursverlusten auf die Wahl Barack Obamas zum Präsidenten der Vereinigten Staaten reagiert. Der Dow Jones und der breiter gefasste Aktienindex S&P 500 verloren rund 2 Prozent, belastet von kräftigen Kursabschlägen bei Banken und Energietiteln. An den europäischen Märkten hatte zunächst Erleichterung über das eindeutige Ergebnis der Präsidentenwahl vorgeherrscht. Damit blieb eine anfangs befürchtete Hängepartie mit möglichen Stimmennachzählungen aus. Aufgrund von Umfragen war mit einem Kopf-an-Kopf Rennen zwischen dem Demokraten Obama und seinem republikanischen Herausforderer Mitt Romney gerechnet worden.

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Im europäischen Handelsverlauf rückte dann aber wie auch in Amerika die Diskussion um die so genannte „fiskalische Klippe“ in den Mittelpunkt, die den Vereinigten Staaten Ende des Jahres bevorsteht. Ab 2013 greifen automatische Steuererhöhungen und Ausgabenkürzungen, die das Land in eine Rezession stürzen könnten, wenn bis dahin kein Kompromiss gefunden wird. Für die Aktienmärkte könnte das in Kursrückschlägen um 15 Prozent bis 20 Prozent resultieren, meinen Analysten. „Amerikanische Unternehmen haben auf die fiskalischen Unwägbarkeiten bereits mit Investitionskürzungen reagiert, weswegen es Raum für eine Erholung gibt, sobald ein Kompromiss erreicht wird“, heißt es in einem Kommentar der Bank Credit Suisse.

Harte Verhandlungen um Reformen stehen bevor

Da die Republikaner ihre Mehrheit im Repräsentantenhaus verteidigt haben, erwarten Börsianer nun harte Verhandlungen mit den Demokraten, die weiter die Mehrheit im Senat stellen. Analysten der Bank Citigroup rechnen nur mit einem provisorischen Kompromiss, weil die bisherigen Verhandlungsführer der Parteien nicht ausgetauscht werden. „Der Appetit für eine umfassende Reform ist begrenzt“, heißt es in einem Kommentar. Republikaner im Kongress haben sich gegen Steuererhöhungen ausgesprochen. Obama hat angekündigt, ein Veto gegen die eventuelle Verlängerung von Steuerbegünstigungen für Gutverdiener einzulegen.

Im vergangenen Jahr hatte politisches Gerangel um die Erhöhung der Staatsschuldengrenze zu einer Abstufung der amerikanischen Bonität durch die Kreditbewertungsagentur Standard & Poor's sowie zu stark schwankenden Aktienkursen geführt. „Die Volatilität, die es wegen der Schuldenkrise gegeben hat, ist winzig im Vergleich zu dem, was jetzt möglicherweise auf uns zukommt“, meint Daniel Genter, Vorstandschef des Vermögensverwalters RNC Capital Management.

Amerikanische Aktienmärkte haben sich bisher unter demokratischen Präsidenten besser entwickelt

„Wir gehen davon aus, dass der Haushaltsstreit in Amerika die Börsen in den nächsten Wochen belasten wird“, sagt Tammo Greetfeld, Aktienstratege der Unicredit. Allenfalls eine Einigung in letzter Sekunde oder gar erst im nächsten Jahr rückwirkend zum Jahresanfang sei zu erwarten. „Beides verlangt zu viel Vertrauen der Märkte, so dass der Euro Stoxx 50 am Jahresende niedriger liegen dürften als heute.“

Historisch betrachtet entwickeln sich die amerikanischen Aktienmärkte unter demokratischen Präsidenten aber besser als unter Republikanern, obwohl letztere gemeinhin als wirtschaftsfreundlicher gelten. Nach Angaben der Analysegesellschaft Ned Davis hat der Dow Jones seit 1900 unter Demokraten im Jahr durchschnittlich um 7,8 Prozent an Wert gewonnen. Der durchschnittliche Jahresgewinn unter Republikanern fiel mit 3 Prozent deutlich geringer aus. War der Präsident Demokrat und der Kongress wie jetzt zum Teil in der Hand der Republikaner, kletterten die Kurse jährlich sogar um 9,6 Prozent. Seit dem Amtsantritt Obamas im Januar 2009, inmitten einer schweren Finanz- und Wirtschaftskrise, sind die Aktienkurse um mehr als 50 Prozent gestiegen. Bis zur Wahl lag der Dow Jones in diesem Jahr um mehr als 7 Prozent im Plus.

Aktien von Krankenhausbetreibern profitieren

Aktienstrategen konzentrieren sich für die zweite Amtszeit von Obama auf verschiedene Branchen, die von den politischen Initiativen des Präsidenten profitierten könnten. Dazu gehören Aktien von Krankenhausbetreibern, die nach der Gesundheitsreform Nutznießer einer steigenden Zahl versicherter Patienten sein werden.

Auf den Empfehlungslisten der Aktienstrategen stehen auch Unternehmen, die in der alternativen Energiebranche tätig sind. Hausbau-Unternehmen könnten weiter von staatlichen Initiativen zur Stützung des Häusermarktes profitierten, heißt es an der Wall Street. Der amerikanische Häusermarkt hat sich in diesem Jahr nach einer langen Durststrecke stabilisiert.

Quelle: F.A.Z.

 

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