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Amerikas Banken Risikofaktor schwacher Häusermarkt

02.09.2010 ·  Analysten an der Wall Street fürchten bei einem abermaligen Rückgang der Häuserpreise hohe Verluste der Kreditinstitute. Zudem wollen die verstaatlichten Immobilienfinanzierer Fannie Mae und Freddie Mac säumige Hypotheken an Banken zurückgeben.

Von Norbert Kuls, New York
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Eine mögliche Abschwächung der amerikanischen Häuserpreise könnte die großen Banken des Landes nach der jüngsten Erholung wieder unter Druck setzen. Nach Einschätzung der unabhängigen Analystin Meredith Whitney reicht die Kapitalausstattung der Banken derzeit nicht aus, um einem abermaligen Abschwung des Häusermarktes zu widerstehen. „Sie brauchen mehr Kapital“, sagte die Bankenanalystin, die mit korrekten Prognosen während der Finanzkrise an der Wall Street stark an Profil gewonnen hatte.

Analysten der Kreditbewertungsagentur Moody's Investors Service betrachten nachgebende Häuserpreise als größtes Risiko besonders für die großen Kreditinstitute, darunter die Bank of America, die Citigroup, J. P. Morgan Chase und Wells Fargo. „Das ist die Millionen-Dollar-Frage - was wird mit den Häuserpreisen geschehen?“, sagt Craig Emrick, Analyst bei Moody's.

Staatsinstitute wollen Ramschhypotheken wieder loswerden

Der Grund: Die größten Banken Amerikas halten immer noch die größten Anteile am Hypothekenmarkt. Zudem fordern die verstaatlichten Immobilienfinanzierer Fannie Mae und Freddie Mac sowie andere Investoren von den Banken, säumige oder ausfallgefährdete Hypotheken wieder zurückzukaufen. Banken hatten die von ihnen an Hauskäufer vergebenen Immobiliendarlehen an Fannie Mae, Freddie Mac sowie an Investmentbanken verkauft. Die Institute schnürten aus den Hypotheken dann komplexe Anleihepakete und reichten sie teilweise an Investoren weiter.

Die jüngsten Daten von Amerikas Häusermarkt deuten auf eine Abschwächung. Zwar waren die amerikanischen Häuserpreise im zweiten Quartal, gemessen am S&P/Case-Shiller-Index, gegenüber dem ersten Quartal um 4,4 Prozent gestiegen. „Obwohl diese Zahlen positiv sind, signalisieren andere aktuelle Daten für Hausverkäufe und Hypotheken zukünftig niedrigere Zuwächse“, sagte David Blitzer, der Vorsitzende des Indexausschusses beim Informationsdienst Standard & Poor's.

Entfall der Zuschüsse lässt Häusermarkt schwächeln

Trotz extrem niedriger Hypothekenzinsen waren die Verkaufszahlen sowohl von Neubauten als auch von schon existierenden Häusern im vergangenen Monat deutlich zurückgegangen. Ein Grund dafür war das Auslaufen staatlicher Stützungsmaßnahmen, die im Juli erstmals ihre volle Wirkung zeigten. Erstkäufer hatten bis Ende April eine Steuergutschrift von 8000 Dollar erhalten. Die noch im April unterzeichneten Kaufverträge mussten allerdings bis Ende Juni abgeschlossen sein.

Sollten die Häuserpreise nun aufgrund nachlassender Verkäufe fallen, drohen Banken mit notleidenden Hypotheken steigende Verluste. Denn die Häuser, die als Sicherheit für die Hypothek dienen, sind dann weniger wert. Auch Kredite, die Hausbesitzer auf den gestiegenen Wert ihrer Häuser aufgenommen haben (“Home Equity Loans“) könnten weitere Verluste bewirken, wenn der Wert der Immobilie unter die Kreditsumme sinkt.

Gute Gewinne und Insolvenzgefahr

Die großen amerikanischen Banken hatten sich aufgrund staatlicher Hilfen und niedriger Leitzinsen zuletzt wieder deutlich erholt. Nach Angaben der Einlagensicherungsbehörde FDIC haben amerikanische Kreditinstitute im zweiten Quartal insgesamt 21,6 Milliarden Dollar verdient. Das war das beste Quartal seit 2007.

Dennoch stieg die Zahl der Banken, denen nach Einschätzung der FDIC möglicherweise ein Zusammenbruch droht, im gleichen Zeitraum um 54 auf 829. Bei den 118 Banken, die in diesem Jahr bereits zusammengebrochen sind, handelte es sich aber zumeist um kleine Institute mit großen Engagements im schwachen Geschäftsimmobilienmarkt.

Hartnäckiges Schwarzer-Peter-Spiel

Fannie Mae und Freddie Mac prüfen derzeit säumige Hypotheken in ihrem Bestand auf falsche Angaben bei der Antragstellung, um Banken zu Rückkäufen zu zwingen. Während des Aufschwungs des Häusermarktes waren die Anforderungen bei der Kreditvergabe allgemein gelockert worden. Falsche Angaben zu Einkommen oder Schulden der Antragsteller sowie überhöhte Schätzungen des Immobilienwertes waren verbreitet.

Freddie Mac kündigte an, bei den Verhandlungen zukünftig härter gegen Banken vorzugehen, die mit Rückkäufen zögern. Banken, die Hypotheken vergeben, müssen einen Vertrag mit Fannie und Freddie haben, was deren Verhandlungsposition stärkt.

Die Banken leisten dennoch Widerstand. „Wir kämpfen um jeden einzelnen Kredit“, sagte der Vorstandsvorsitzende der Bank of America, Brian Moynihan, gegenüber Investoren. Der Kampf werde noch eine Weile andauern. Die vier großen Geschäftsbanken haben insgesamt Verluste von 9,8 Milliarden Dollar mit Hypotheken verbucht, die sie schon zurückgekauft haben oder möglicherweise zurückkaufen werden. Analyst Moshe Orenbuch von der Bank Credit Suisse rechnet mit einem weiteren Anstieg der Summe auf bis zu 30 Milliarden Dollar.

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