Die Dominanz weniger amerikanischer Großbanken auf dem Hypothekenmarkt schwächt nach Ansicht eines einflussreichen Mitglieds der Notenbank Fed die Wirksamkeit amerikanischer Geldpolitik. Zwar hätten die Ankäufe von Hypothekenanleihen durch die Fed die Hypothekenzinsen auf ein historisch niedriges Niveau gedrückt, sagte der Präsident der New Yorker Fed, William Dudley, in einer Rede vor dem Ökonomenverband NABE.
Die niedrigen Zinsen auf dem Anleihemarkt würden allerdings von Banken nicht ausreichend an Hausbesitzer weitergereicht. Einer der Gründe dafür sei „eine Konzentration der Hypothekenvergabe bei wenigen wichtigen Finanzinstitutionen“, sagte Dudley. Aufsichtsbehörden sollten daher über Wege nachdenken, den Wettbewerb auf den Hypothekenmarkt zu stärken, damit niedrige Zinsen im Sekundärmarkt an die Haushalte weitergegeben werden. Die Fed ist neben der Geldpolitik auch für die Regulierung der amerikanischen Banken zuständig.
Banken werden nach Einschätzung von Dudley auch durch bestimmte Garantieauflagen von der Vergabe von Darlehen an Hauskäufer sowie von der Refinanzierung bestehender Hypotheken anderer Institute abgeschreckt. Dabei geht es um Sicherheiten, welche die verstaatlichten Immobilienfinanzierer Fannie Mae und Freddie Mac fordern. Die Institute, die Hypotheken von Banken kaufen und sie als Anleihepakete an institutionelle Investoren weiterreichen, können Banken zwingen, notleidende Immobilienkredite zurückzukaufen.
Die Fed hatte kürzlich ein neues unbefristetes Programm zum Ankauf von Hypothekenanleihen im Volumen von 40 Milliarden Dollar im Monat aufgelegt. Da die Leitzinsen bereits seit Jahren gegen null tendieren, versprechen sich die Notenbanker davon positive Impulse für das schleppende amerikanische Wirtschaftswachstum. Der Hypothekenmarkt gilt als einer der wichtigsten direkten Kanäle, über den die Geldpolitik die Konjunktur beeinflussen kann, da niedrigere Hypothekenraten in den Haushaltskassen der Verbraucher Gelder für andere Anschaffungen freimachen. Der durchschnittliche Zinssatz für eine traditionelle Hypothek mit einer Laufzeit von 30 Jahren lag zuletzt bei 3,4 Prozent.
Die Finanzkrise hat trotz aller Kritik an zu groß gewordenen Banken zu einer stärkeren Konzentration von Großbanken geführt. Alle führenden Kreditinstitute hatten Konkurrenten übernommen, die im damals verlustträchtigen Hypothekengeschäft stark engagiert und deswegen in Schieflage geraten waren. Die jetzt viertgrößte Bank Wells Fargo hatte den Konkurrenten Wachovia geschluckt und ist zum führenden Hypothekenanbieter aufgestiegen. Auf das in San Francisco beheimatete Institut entfällt allein ein Drittel aller neu vergebenen Hypotheken in den Vereinigten Staaten. JP Morgan Chase, die mittlerweile größte amerikanische Bank, hatte die stark im Hypothekengeschäft aktive Sparkasse Washington Mutual nach ihrer Pleite gekauft.
Die Bank of America, die aktuelle Nummer zwei der Branche, akquirierte den großen auf zweitklassige Hypotheken spezialisierten Anbieter Countrywide Financial. Wells Fargo, JP Morgan Chase und die Citigroup hatten in vergangenen Tagen aufgrund eines florierenden Hypothekengeschäfts über Erwarten hohe Gewinne für das dritte Quartal ausgewiesen. Der Vorstandsvorsitzende von JP Morgan Chase, Jamie Dimon, sprach von einer „Wende“ im Häusermarkt, da sich die Preise für Immobilien in diesem Jahr nach einer langen Durststrecke wieder etwas erholt haben.
Neben der Konzentration der Banken auf dem Hypothekenmarkt führte Notenbanker Dudley noch weitere Gründe für einen geringer gewordenen Einfluss der Geldpolitik auf den Hypothekenmarkt an. So sei die Verfügbarkeit von Krediten für Verbraucher mit schlechterer Bonität weiter begrenzt. In anderen Worten: Nach der Erfahrung der Finanzkrise wollen die Banken immer noch keine großen Risiken eingehen.
Der US-Hypothenmarkt ist eine mit Subventionen parfümierte Leiche
Klaus Wege (covenants)
- 16.10.2012, 22:46 Uhr