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Amerikanischer Einzelhandel Boden schon erreicht?

16.04.2009 ·  Trotz enttäuschender Einzelhandelsumsätze im März befinden sich die Verbraucherausgaben und die Aktienkurse von Einzelhandelsunternehmen über ihren Tiefs des vergangenen Jahres. Wird diese Rally anhalten?

Von Ben Steverman
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Drei Monate nach der für den Einzelhandel schlechtesten Weihnachtssaison der jüngeren Geschichte mehren sich die Anzeichen für eine leichte Erholung der Einzelhandelsunternehmen. Zunächst zogen die Aktienkurse der am härtesten getroffenen Untergruppen des Einzelhandels an und es schien, als hätten die Verbraucher ihre Konsumzurückhaltung letztlich gelockert.

Selbst die am Dienstag veröffentlichten Einzelhandelsumsätze für März, die mit einem Rückgang von 1,1 Prozent gegenüber dem Vormonat deutlich schlechter ausfielen als erwartet, konnten den Optimismus der Investoren nicht gänzlich zunichte machen. Die Daten der amerikanischen Statistikbehörde führen uns allerdings einmal mehr vor Augen, dass das Comeback des Einzelhandelssektors nicht einfach werden wird.

Kursverluste deutlich verringert

Die Aktienkurse von Warenhäusern sanken am Dienstag in Reaktion auf die Märzzahlen um 2,6 Prozent. In den vorangegangenen 13 Wochen hatten diese allerdings um 22 Prozent zugelegt und damit einen respektablen Teil ihrer 2008 erlittenen Kursverluste von 50 Prozent wettgemacht.

Auch andere im vorigen Jahr unter die Räder gekommenen Untergruppen der Einzelhandelsbranche haben sich überraschend stark gezeigt. Die Aktienkurse von Textileinzelhändlern zogen in den zurückliegenden 13 Wochen um 28 Prozent an, nachdem sie 2008 um 42 Prozent nachgegeben hatten. Die Kurse von Internethändlern verteuerten sich nach einem Wertverlust von 49 Prozent im vergangenen Jahr sogar um 36 Prozent.

Die Einzelhandelsaktien mit der besten Wertentwicklung seit dem Tief des Gesamtmarktes Anfang März seien jene gewesen, die während der bisherigen Baisse am schlechtesten abgeschnitten hätten, sagt Jaison Blair, Analyst bei Rochdale Research. „Nach unserer Ansicht befindet sich der Einzelhandelssektor in einem frühen bis mittleren Stadium des Bodenbildungsprozesses“, schrieb er in der vergangenen Woche.

Wal-Mart verliert Freunde

Im bisherigen Verlauf der Rezession stand der Discounter Wal-Mart bei Anlegern hoch im Kurs. Seit dem Markttief am 9. März ist der Aktienkurs allerdings nur um 4,5 Prozent gestiegen, während etwa das Papier der Luxus-Kaufhauskette Nordstrom um 72 Prozent nach oben schoss. Nach der starken Rally der Einzelhändler ist Blair nun allerdings vorsichtig, was deren kurzfristiges Kurssteigerungspotential anbetrifft.

Alles in allem zeigen sich Analysten und Investoren allerdings gegenüber dem Einzelhandel in jüngster Zeit deutlich optimistischer. So erhöhten beispielsweise die Analysten von JP Morgan am Montag ihre Gewinnschätzungen für Wal-Mart, J.C. Penney, Nordstrom, Target und Macy's.

„Die Blutung ist noch nicht gestoppt“

Aus den enttäuschenden Märzzahlen lassen sich jedoch positive Schlüsse ziehen.
Nach Schätzungen der Statistikbehörde sanken die Gesamtumsätze des Einzelhandels vom ersten Quartal 2008 bis zum ersten Quartal 2009 um 8,8 Prozent. Der stärkste Rückgang erfolgte jedoch im zweiten Halbjahr 2008, als die Konsumausgaben kräftig einbrachen. Seit Jahresende haben sich die Verbraucherausgaben dagegen sogar leicht erhöht. Im Januar stiegen die Einzelhandelsumsätze um 1,3 Prozent und im Februar um 0,3 Prozent, bevor sie im März um 1,1 Prozent zurückgingen.

„Der Rückgang scheint sich abzuschwächen“, sagt Keith Hembre, Chefvolkswirt bei First American Funds. Auch Michele Gambera, Chefvolkswirt bei der Morningstar-Tochter Ibbotson Associates, ist der Ansicht, dass „die Stärke der Blutung nachgelassen hat“, fügt jedoch an: „Die Blutung des Patienten ist noch nicht gestoppt.“

Warnung vor Überschätzung

Einige Volkswirte warnen indes, dass die Einzelhandelsumsätze von Monat zu Monat schwanken können damit nur bedingt verlässlich sind. Gestiegene Sozialleistungen, Arbeitslosenunterstützung und Steuerrückerstattungen könnten zum Anstieg der Konsumausgaben zu Beginn des neuen Jahres beigetragen haben, während sich die Auswirkungen der diesjährigen kalenderbedingten Verschiebung von Ostern in den April schwer prognostizieren lassen. „Die uns zur Verfügung gestellten Daten reichen nicht aus“, um eine Prognose anzustellen, sagt Gambera.

Investoren, Analysten und Volkswirten bleibt also nicht anderes übrig, als die wenigen Fakten zu durchforsten, wobei der Ausblick für das verbleibende Jahr unterschiedlich ausfallen könnte.

Oppenheimer-Analyst Robert Samuels merkt an, dass „die sich Kundenfrequenz in Einkaufszentren eindeutig erhöht hat“. Es könnte zwar noch einige Zeit dauern, bis sich dies in positiven Umsatzzahlen und einer Ausweitung der Gewinnmargen der Unternehmen niederschlage, „es gebe jedoch Anzeichen, dass Unternehmen diese 'neue Normalität' angemessen einplanen“, schrieb er am 14. März.

Vermögen sinkt

Dave Hinnenkamp, Vorstandschef von KDV Wealth Management, sieht in den niedrigen Aktienkursen zahlreicher Konsumgüterunternehmen attraktive Kaufgelegenheiten für geduldige Anleger. Wenn man über einen langfristigen Anlagehorizont von sechs Monaten, einem Jahr oder mehr verfüge, „bieten Konsumgüteraktien ein sehr gutes Kurssteigerungspotenzial“, so Hinnenkamp.

Michael Yoshikami, Vorsitzender und leitender Investmentstratege von YCMNET Advisors, warnt jedoch davor, dass die Verbraucherausgaben als Prozentsatz der Wirtschaftsleistung spürbar sinken werden. Dies sei in erster Linie auf den rasanten Wertverfall von Eigenheimen und an zweiter Stelle auf den Anstieg der Arbeitslosigkeit zurückzuführen.

„Was wir erleben, ist eine logische Folge des Vermögensrückgangs innerhalb der Wirtschaft“, sagt Yoshikami. Nach seiner Einschätzung könnte diese Entwicklung schleichend verlaufen, möglicherweise über die kommenden fünf Jahre hinweg. Keine gute Nachricht für diejenigen, die auf eine Erholung von Einzelhandelsaktien warten.

Stabilisierung garantiert keine Trendwende

Durch die jüngsten Steuersenkungen und die Refinanzierung von Hypotheken könnten die Amerikaner kurzfristig mehr Geld im Portemonnaie haben, sagt Ryan Sweet, Volkswirt bei Moody's Economy. „Das größte Fragezeichen besteht jedoch mit Blick auf die zweite Jahreshälfte“, schrieb Sweet am Dienstag. „Sollte am Arbeitsmarkt keine schnelle Trendwende eintreten, könnte dies verheerende Folgen für die Verbraucherausgaben haben, da diese kurzfristigen Einkommenszuflüsse rasch dahinschmelzen.“

Hembre geht davon aus, dass der Rückgang der Verbraucherausgaben größtenteils bereits erfolgt sei, warnt jedoch: „Ich denke nicht, dass wir ausgehend vom derzeitigen Stand mit einer schnellen Erholung rechnen können. Eine Rückkehr auf das einst erreichte Niveau wird sehr langsam erfolgen.“ Eine Arbeitslosenquote von zehn Prozent oder mehr im kommenden Jahr dürfte ihren Tribut fordern. Angesichts der großen Zahl von Arbeitslosen dürften die Löhne in den Vereinigten Staaten - wenn überhaupt - nur äußerst langsam steigen.

Anleger, die mit dem Gedanken spielen, in Einzelhandelsaktien zu investieren, sehen sich demnach dem gleichen Dilemma gegenüber wie jene, die den Gesamtmarkt beobachten. Nach kräftigen Rückgängen 2008 scheint nun vorerst eine Stabilisierung eingetreten zu sein. Diese ist jedoch keine Garantie für eine baldige rasche Trendwende nach oben.

Ben Steverman ist Reporter für den Business Week Investing Channel.

Quelle: Business Week Online
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