11.01.2012 · Analysten wundern sich darüber, dass die Kurse auch im neuen Jahr weiter steigen. Sie beschäftigen sich damit, wie groß der voraussichtlich folgende Abschwung ausfallen wird. Technische Kommentare aus Wall Street.
Offenkundig hat der amerikanische Aktienmarkt große Mühe, seine kurz vor Ende Jahres 2011 begonnene Rally fortzusetzen. Viele technisch orientierte Analysten bezeichnen die laufenden und die vielleicht noch bevorstehenden Versuche, weiter nach oben voranzukommen, als „letzte Schnaufer“ einer im Grunde bereits gescheiterten Aufwärtsbewegung. Gestritten wird unter technischen Analysten jetzt vornehmlich nur noch darüber, ob lediglich eine ganz normale Korrektur folgt oder ob die im Mai 2011 entstandene Baisse wieder auflebt und die Indizes auf ein sehr viel niedrigeres Niveau drückt.
Jeffrey Saut, Stratege bei Raymond James, zeigt sich recht verwundert darüber, dass die Kurse an der Wall Street trotz des erstarkten Dollar weiter steigen. Dies spricht seiner Meinung nach dafür, dass der Markt doch noch nicht reif sein dürfte für den erwarteten Rückschlag. Dass der Dow-Jones-Index für Industriewerte und der Dow-Jones-Index für Transportaktien neue Hochs im Rahmen ihrer Aufwärtsbewegung erreicht hätten, der Standard & Poor’s 500 Index (S&P 500) aber nicht, lasse ihn vorsichtig werden. Dies sei eine negative Divergenz, die besonders bedeutsam erscheine, weil die saisonal bedingten positiven Auftriebskräfte nun nachließen. An irgendeinem Punkt, spätestens aber wohl, wenn der S&P 500 die Widerstandszone von 1300 bis 1320 Punkten erreiche, dürften Gewinnmitnahmen einsetzen.
Auch Walter Murphy, ein unabhängiger technischer Analyst, wartet auf sinkende Kurse. Im Gegensatz zu Saut zeigt er sich aber nicht so optimistisch wie Saut über die mittelfristigen Perspektiven. Allein die Indikatoren, die etwas über die Dynamik des Marktes verrieten, deuteten darauf hin, dass sich der nächste Abschwung als zweite Phase der im Mai 2011 entstandenen Baisse erweisen dürfte. Wahrscheinlich werde die Tendenz noch im Januar kippen, und dann könne eine „Domino-Kaskade“ folgen. Murphy zeigt sich besonders besorgt über den extrem gewordenen Optimismus unter den Börsianern. Ein einschlägiger Indikator habe zuletzt einen Anteil von Baissiers ausgewiesen, der der geringste seit Ende 2005 gewesen sei. Stimmungsindikatoren sind Kontraindikatoren. Sollte der S&P 500 die Marke von 1265 Punkten unterschreiten, wäre nach Ansicht des Technikers eine Gipfelformation abgeschlossen, die wohl das Ende des im Oktober entstandenen Aufschwungs bedeuten würde.
Ron Griess von thechartstore.com präsentiert eine bis März 2009 zurückreichende graphische Darstellung der im S&P 500 enthaltenen Finanzaktien. Seinerzeit begann dieser Sektorenindex bei einem Stand von rund 78 Punkten einen Anstieg, der am 15. April 2010 einen ersten Höchstpunkt bei 230 Zählern und am 18. Februar 2011 einen zweiten bei 231 Punkten erreichte. Es folgte eine Abwärtsbewegung, der am 4. Oktober bei 147 Zählern eine Zwischenerholung auf rund 190 Punkte folgte. Griess deutet das Verhalten dieser Finanzwerte als Entfaltung einer riesigen Gipfelformation, die den Index letztlich in den Bereich zwischen 125 und 130 Zählern drücken könne. Am Montag schloss er bei 181 Punkten. Die Perspektiven für diesen Sektorenindex gelten als sehr bedeutsam für die Entwicklung des gesamten S&P 500, da sich die Finanzwerte hier durch eine hohe Gewichtung im Gesamtindex auszeichnen.
David Rosenberg, Stratege beim kanadischen Kapitalverwalter Gluskin Sheff, sagt für das laufende Jahr eine anhaltend hohe Schwankungsanfälligkeit des amerikanischen Aktienmarktes voraus. Es werde immer wieder kurze Phasen der Euphorie und der Angst geben. Anleger sollten ihre Emotionen in Zaum halten und wie 2011 Strategien wählen, mit denen diese Bewegungen genutzt werden könnten. Rosenberg weist darauf hin, dass der Markt im vergangenen Jahr fast 6,3 Billionen Dollar an Kapitalisierung einbüßte, während sich die schweren Indizes über das gesamte Jahr hin nur wenig verändert hätten. Mit Blick vor allem auch auf Anleihen erklärt er, die Märkte signalisierten, dass Deflation 2012 eines der herausragenden Themen sein werde. Anzumerken bleibt, dass 2011 mit amerikanischen Staatsanleihen ein Gesamtrendite (Zinsen plus Kursgewinne) von mehr als 20 Prozent zu erzielen war.
Auch für Robert Prechter, dem heute herausragenden Vertreter der „Elliott Wave Theory“, wird Deflation das wichtigste Thema bei der Anlageplanung bleiben. Er vermutet, dass für jene, die sich auf dieses Phänomen eingestellt haben, die besten Jahre noch bevorstehen. Mit Blick besonders auf Aktien hebt Prechter eine Umfrage unter 43 Ökonomen hervor, nach der so gut wie keiner von ihnen 2012 mit einer Rezession in Amerika rechne. Auch Umfragen unter Anlagestrategen wiesen großen Optimismus aus. Er zeigt ferner auf, dass unter den Verwaltern von Investmentfonds nun schon 13 Jahre lang tendenziell Zuversicht vorherrsche, obgleich sich der Aktienmarkt „unter dem Strich“ kaum bewegt habe. Erst wenn der Optimismus umschlage, dürften das Verhalten nicht nur der Anleger konservativ werden, sondern auch Furcht vor einer Vereisung der Kreditmärkte aufkommen und Deflation ausbrechen. Für 2012 sagt Prechter voraus, dass die Baisse am Aktienmarkt wieder auflebt und noch größere Ausmaße annehmen dürfte als die von 2007 bis 2009. Doch dies werde sich nicht alles im neuen Jahr ereignen, sondern sich wohl bis 2016 erstrecken.
Elliot Waves und Technische Analyse.
Andreas Debus (Nyarlat)
- 13.01.2012, 22:59 Uhr
achja die Analysten
Wilhelm Knigge (pcleopa)
- 12.01.2012, 23:17 Uhr
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |