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Amerikanische Medienberichte Wall Street spekuliert auf weitere Börsenfusion

 ·  Nach dem geplanten Kauf des Börsenkonzerns Nyse Euronext durch die Terminbörse ICE rechnen Analysten mit einem Gegenschlag der CME.

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© dpa Vergrößern NYSE: Was bringt die Zukunft?

Die geplante Übernahme des traditionsreichen Börsenkonzerns Nyse Euronext durch die junge Rohstoffterminbörse Intercontinental Exchange (ICE) hat an der Wall Street Spekulationen über weitere Fusionen angefacht. Nach amerikanischen Medienberichten wollen die Spitzenmanager des großen Chicagoer Terminbörsenkonzerns CME Group ein potentielles Gegenangebot für die Nyse Euronext diskutieren. Eine Gegenofferte könnte zumindest den Preis nach oben treiben, den die ICE für die Nyse Euronext zahlen will.

Vor der Bekanntgabe der Übernahme durch die beiden Unternehmen am Donnerstag sollen auch Vertreter der CME Gespräche mit Nyse Euronext, dem Betreiber der New Yorker Börse an der Wall Street, über einen potentiellen Zusammenschluss geführt haben. Die ICE scheint an der Nyse Euronext vor allem interessiert zu sein, weil sich unter deren Dach die zweitgrößte europäische Terminbörse befindet, die Londoner Liffe. Damit würde die ICE ihre bislang auf Energie- und Agrarrohstoffe konzentrierte Produktpalette unter anderem auf Zinsprodukte ausweiten. Die ICE ist bisher vor allem für Rohölkontrakte der Nordsee-Sorte Brent bekannt.

Aktienkurs der CME reagiert mit Verlusten

„Die ICE agiert aus einer Position der Stärke. Diese Transaktion wird sie noch konkurrenzfähiger machen und den Wettbewerb im Derivategeschäft verschärfen“, sagte Gaston Ceron, Analyst beim Wertpapierinformationsdienst Morningstar. Ein Zusammenschluss von ICE und Nyse Euronext werde die CME zwar nicht versenken. „Aber es ist nie gut, wenn ein großer Konkurrent stärker wird“, fügte Ceron hinzu. Derivate sind von traditionellen Wertpapieren wie Aktien oder Anleihen abgeleitete Finanzprodukte, etwa Terminkontrakte oder Optionen.

© F.A.Z. Vergrößern Die Entwicklung der letzten fünf Jahre

Der Aktienkurs der CME reagierte am Donnerstag mit Verlusten von mehr als 2 Prozent auf die Ankündigung der Nyse-Übernahme. Der Kurs der ICE stieg dagegen um 1,4 Prozent. Das ist ein ungewöhnlich positives Votum der Börsianer. Meist fällt bei einer Übernahme der Aktienkurs des Käufers. Der Kurs der Nyse Euronext schoss dagegen um 34 Prozent auf 32,25 Dollar nach oben. Die ICE hatte einen Preis von 33,12 Dollar für die Aktien des Börsenbetreibers geboten. Das entspricht einem Kaufpreis von 8,2 Milliarden Dollar. (F.A.Z. vom 21. Dezember). Am Freitag gaben die Kurse im frühen Handel angesichts eines allgemein schwachen Börsentrends alle nach.

Die Aktien der Deutschen Börse AG reagierten am Donnerstag und am Freitag kaum auf das Fusionsvorhaben ihrer Konkurrenten. Die Deutsche Börse, der führende Terminbörsenkonzern in Europa, hatte im vergangenen Jahr selber versucht, die Nyse Euronext zu kaufen. Das Vorhaben scheiterte Ende Januar aber am Widerstand der europäischen Kartellbehörden.

„Eigentümerwechsel eines Wettbewerbers“

Als potentieller Übernahmekandidat wird jetzt wieder die Chicagoer Optionsbörse CBOE gehandelt, deren Aktienkurs am Donnerstag entsprechend um deutliche 4 Prozent in die Höhe schnellte, am Freitag die Gewinne aber zum Teil wieder abgab. „Ich glaube, die CBOE ist das schönste Mädchen auf der Party“, sagte Jon Najarian, Mitbegründer des Informationsdienstes Option Monster in Chicago. Najarian rechnet damit, dass die CME auf den Kauf der Nyse Euronext reagieren muss, um ihre Produktpalette auszuweiten.

Andere Analysten glauben allerdings nicht, dass die CME nun in Zugzwang gerät, da die Liffe schon vor einigen Jahren ohne Erfolg versucht hatte, die CME anzugreifen. „Es handelt sich um nicht mehr als den Eigentümerwechsel eines Wettbewerbers“, sagte Analyst Rich Repetto von der Investmentbank Sandler O’Neill.

Die erst vor zwölf Jahren entstandene ICE ist mit einer aggressiven Einkaufstour ihres Gründers Jeffrey Sprecher, der auch das gemeinsame Unternehmen führen wird, stark gewachsen. Die ICE profitierte dabei vom Wachstum des lukrativen Derivategeschäfts und dem Aufschwung in den Rohstoffmärkten. Die Margen im Aktienhandel, der immer noch das Kerngeschäft der Nyse ist, waren dagegen geschrumpft. Das Handelsvolumen im Aktienmarkt ist generell gesunken und die Nyse litt unter der wachsenden Konkurrenz elektronischer Handelsplattformen. Sprecher hofft allerdings auf einen Aufschwung dieses Geschäfts, weil die Wertpapieraufsicht an Reformen für den unübersichtlich gewordenen Markt arbeitet. „Das Geschäft für die New Yorker Börse kann nur besser werden“, sagte Sprecher. Für Kenner der Branche ist die Übernahme aber ein Zeichen des Niedergangs der New Yorker Börse und des starken Wandels im Wertpapiergeschäft. „Die Gründer der Nyse drehen sich in ihren Gräbern um“, sagte der Unternehmensberater Phil Panaro.

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