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Amerikanische Immobilienfinanzierer Countrywide-Aktie zeigt kritische Lage der Branche

21.10.2004 ·  Das amerikanische Finanzunternehmen Countrywide Financial konnte in den vergangenen Jahren mit steigenden Gewinnen und Kursen glänzen, wie die gesamte Branche. Nach einem Gewinneinbruch scheint es damit vorbei zu sein.

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Die amerikanische Wirtschaft wurde in den vergangenen Monaten vor allem getrieben durch tiefe Zinsen und den dadurch induzierten Immobilienboom. Davon profitierten nicht nur die „Hausbauer“ und ihre Zulieferer selbst, sondern auch Küchen-, Möbelhersteller und vor allem auch die Immobilienfinanzierer.

Sie konnten lange Zeit gleich doppelt von den noch bis vor kurzem immer weiter fallenden Zinsen profitieren. Einmal vom immer mehr angekurbelten „Hausfinanzierungs-Originalgeschäft“. Gleichzeitig aber auch von den Umfinanzierungen, mit welchen sich Hausbesitzer die immer vorteilhafter werdenden Zinskonditionen und steigende Hauspreise sicherten. Auf diese Weise konnten sie die finanziellen Belastungen immer weiter senken und trotz stagnierenden Börsen und Einkommen das vergleichsweise hohe Konsumniveau sichern.

Bisher konnte Countrywide Financial den Gewinn massiv steigern ...

Eines der Unternehmen, das davon profitieren konnte, war die Countrywide Financial Corporation. Sie konnte den Gewinn je Aktie in den Jahren 2000 bis 2004 beinahe vervierfachen. So dürfte es kaum verwundern, daß die Aktie einen satten Aufwärtstrend etablieren konnte. Sie legte von ihrem Zwischentief bei 5,58 Dollar im März des Jahres 2000 bis zum jüngsten Hoch bei knapp 40 Dollar überproportionale 616 Prozent zu.

Nun scheint allerdings Vorsicht angebracht zu sein. Denn mit einem Kursverlust von satten 11,55 Prozent auf 33,17 Dollar war die Aktie am Mittwoch nicht nur eine der schwächsten Aktien im S&P 500, sondern sie verbuchte auf diese Weise den größten Tagesverluste seit dem Börsencrash im Jahr 1987. Das war eine Reaktion auf die Mitteilung des Unternehmens, der Gewinn im dritten Quartal sei auf im Jahresvergleich um 47 Prozent auf 582 Millionen Dollar oder 47 Cents je Aktie gefallen. Der Umsatz fiel um 23 Prozent auf 2,45 Milliarden Dollar.

Analysten hatten mehr als das Doppelte erwartet und zeigten einmal mehr, daß sie ihre Prognosen oft aus blinden linearen Extrapolationen ableiten oder sich von zu optimistischen Unternehmensangaben leiten lassen. Die dramatische operative Wende zum Negativen dürfte gleich zwei Ursachen haben. Erstens scheint die das Unternehmen so an immer tiefere Zinsen und damit steigende Nachfrage nach seinen Diensten gewöhnt zu haben, daß es immer mehr Leute anheuerte. Aus diesem Grund sind die Kosten deutlich gestiegen. Zweitens hat sich das Management in der Marktentwicklung getäuscht. Denn die Nachfrage nach Hypotheken in Amerika ist im dritten Quartal des laufenden Jahres im Vergleich mit der Vorjahresperiode um satte 44 Prozent auf 671 Milliarden Dollar gefallen.

... aber damit dürfte es vorerst vorbei sein

Damit dürfte es sich bei den Umsatz- und Gewinneinbußen des Unternehmens nicht um einen Einzelfall, sondern um eine Branchenentwicklung handeln. Darauf deuten ähnliche Zahlen bei Wells Fargo & Co. und sehr wahrscheinlich auch bei Washington Mutual hin. Die Frage dürfte sein, wie es mit den halbstaatlichen Branchenriesen Freddie Mac und Fannie Mae aussieht. Sehr wahrscheinlich kaum besser, allerdings kann ihrem bilanziellen Zahlenwerk sowieso niemand mehr richtig glauben, da es offensichtlich manipuliert ist.

Countrywide hat die Gewinnprognose für das Gesamtjahr auf 3,75 bis vier Dollar je Aktie gesenkt. Damit werden nicht nur die bisherigen Erwartungen enttäuscht, sondern das fulminante Wachstum der vergangenen Jahre findet ein abruptes Ende. Da die Zinsen nicht nur nicht mehr weiter fallen können, sogar auf Grund der makroökonomischen Ungleichgewichte Amerikas und steigender Rohstoffpreise sehr wahrscheinlich weiter steigen müssen, dürfte das Ende des Immobilienbooms anstehen. Die negativen wirtschaftlichen Konsequenzen sind in ihrer vollen Tragweite noch nicht absehbar.

Mit Kurs-Gewinnverhältnissen von etwas mehr als acht auf Basis der bisherigen Gewinnschätzungen scheint das Papier zwar optisch günstig zu sein. Auch der langfristige Aufwärtstrend ist noch in Takt. Allerdings läßt er noch viel Platz nach unten. Auch die fundamentale Entwicklung rät für die gesamte Branche zur Vorsicht und zu entsprechenden Absicherungsstrategien.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @cri
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