18.05.2009 · Auch wenn die Finanzwerte nachgeben, können die Anleger noch immer vorrangige Schuldtitel, Vorzugsaktien und Hybridpapiere der Banken kaufen. Oder auf einen Pullback warten.
Von Ben LevisohnDie Stresstests sind zu Ende, und das Gleiche gilt, wie es scheint, auch für die Rally bei den Finanzwerten. Nach einer Bewertung anhand des Financial Select Sector Index sind die Finanzaktien seit dem 8. Mai, als die Ergebnisse der Stresstests verkündet wurden, um 13 Prozent eingebrochen.
Dieser Einbruch hätte die Anleger nicht sonderlich überraschen dürfen. Die Banken - und zwar sowohl die kapitalbedürftigen als auch diejenigen, die als gesund eingestuft wurden - ringen derzeit um Bargeld in Höhe von Milliarden Dollar, indem sie Aktien verkaufen und Vorzugsaktien in Stammaktien umwandeln und dabei das Eigenkapital der Aktionäre verwässern. Außerdem nehmen die Banken neue Anleihen auf und veräußern Vermögenswerte - Maßnahmen, die sich auf ihre künftigen Erträge und ihre Fähigkeit zur Rückzahlung von Schulden auswirken könnten.
Was bedeutet all dies für die Anleger? In der Annahme, dass die Banken nicht Pleite gehen, können couragierte Anleger durchaus auf werthaltige Emissionen der Finanzinstitute stoßen, angefangen bei Anleihen bis hin zu den eher obskuren Wertpapieren.
Bei Anleihen: vorrangige Schuldtitel kaufen
Für Anleger, die nach weniger Volatilität Ausschau halten, könnten Anleihen eine Option sein. Selbst wenn das alles ist, was sie bewirkt haben, so bestätigen die Stresstests zumindest das Engagement der amerikanischen Regierung, die großen Banken über Wasser zu halten. Es dürfte jedoch vermessen sein, anzunehmen, dass diese Unterstützung von unbegrenzter Dauer sein wird. Aus diesem Grund empfiehlt Jason Graybill, Senior Managing Director bei Carret Asset Management, sich für Anleihen mit kürzeren Laufzeiten, etwa im Bereich von drei bis vier Jahren, zu entscheiden. Die Bandbreite der Renditen kann von rund 4 Prozent für Schuldtitel von Goldman Sachs bis über 8 Prozent für eine in drei Jahren fällige Anleihe der Citigroup reichen.
„Vom Chancen-Risiko-Verhältnis her betrachtet sind die Anleihen nach wie vor attraktiv“, meint Graybill, der empfiehlt, sich an vorrangige Schuldtitel zu halten. „Wer plant, in Anleihen zu investieren, möchte der vorrangige Gläubiger sein.“
Die größte Bewegung könnte derzeit jedoch bei den Vorzugsaktien stattfinden. Bis vor kurzem waren die Vorzugsaktien volatil, da die Manager versuchten, herauszufinden, welche Banken ihre Dividenden aussetzen würden. (Die Citigroup setzte tatsächlich alle Vorzugsdividenden aus.) Nun spielen die Anleger ein anderes Spiel: Sie tippen darauf, welche Vorzugsaktien wohl für Tauschangebote in Frage kommen, wenn Banken die Papiere in Stammaktien umwandeln möchten.
So eliminiert die Citigroup im Grunde alle ihre Vorzugsaktien und wandelt sie in Stammaktien um. Andere Banken dagegen werden wohl nur einige ihrer Vorzugsaktien in Stammaktien umwandeln. Die Anleger versuchen nun, herauszufinden, welche Banken den Sprung wagen - und welche Klassen von Vorzugsaktien sie austauschen werden.
Verlockend, aber riskant - die Serie E der Bank of America
Die Bank of America hat das größte Kapitalloch zu stopfen. Trotz ihres jüngsten Erfolgs bei der Veräußerung ihres Anteils an der China Construction Bank für 7,3 Milliarden Dollar und ihrer Pläne, 1,25 Milliarden Stammaktien zu verkaufen, um weitere 11 Milliarden Dollar aufzubringen, wird die BofA noch mehr Geld benötigen, um ihren Bedarf in Höhe von 33,9 Milliarden Dollar zu decken. „Da gibt es noch ganz viel auszumisten“, meint Phil Jacoby, Senior Portfolio Manager des Principal Preferred Securities Fund. Weitere potenzielle Kandidaten sind einem Bericht von Barclays Capital zufolge Fifth Third Bancorp, PNC Financial, Regions Financial und SunTrust. Laut Barclays könnte KeyCorp an einer Umwandlung hybrider Kapitalinstrumente (Trust Preferred Securities) interessiert sein, einer Variante der traditionellen Vorzugsaktien, die zurzeit mit weniger als 60 Cent pro Dollar gehandelt wird.
Als Nächstes sollten die Anleger herausfinden, welche Klasse von Vorzugsaktien zuerst eingetauscht wird. In der Regel muss man hierfür die größte Emission mit dem höchsten Dividendensatz finden. Bei der Bank of America ist das eine als „Bank of America Series E“ bekannte Emission. Dieses Wertpapier hat einen variablen Zinssatz, der 4 Prozent nicht unterschreiten kann, und wird derzeit mit rund 40 Cent pro Dollar gehandelt. Beschließt die Bank of America tatsächlich, diese Emission umzuwandeln, so könnte sie das Papier beinahe zum doppelten Preis anbieten, sagt Jacoby. Das Risiko besteht darin, dass die Bank of America die Aktien nicht umwandeln wird und die Anleger auf einem Papier sitzen lässt, das sie über lange Sicht möglicherweise nicht haben wollen. Dies ist nichts für Anleger mit schwachen Nerven.
Andere Manager sehen Chancen bei Hybridpapieren, also übernachrangigen Schuldtiteln, die in den Geschäftsbüchern der Banken als Eigenkapital behandelt werden. Hybridpapiere sind zunächst fest verzinslich, bevor sie in eine variable Verzinsung übergehen. So bietet beispielsweise ein PNC-Hybridpapier, das 2049 fällig wird, einen festen Zinssatz in Höhe von 12 Prozent. Im Jahre 2012 wird es in einen variablen Zinssatz übergehen, der 8,61 Prozentpunkte über dem LIBOR (London Interbank Offered Rate) liegt, einem für Unternehmensdarlehen verwendeten Bezugssatz.
Bei Hybridpapieren: starke Banken kaufen
Es gibt jedoch einen Haken: Zum Zeitpunkt der Umwandlung haben die Banken das Recht, diese Anleihen von den Anlegern zum Nennwert zurückzukaufen. Und das ist gut so. Da die variablen Zinssätze höher sind als das, was eine Bank derzeit auf dem Markt bekommen könnte (und man geht davon aus, dass sie zum Zeitpunkt der Umwandlung noch höher sind), werden die Banken höchstwahrscheinlich beschließen, die Papiere zurückzukaufen, meint John Boland, Principal bei Maple Capital Management. Fazit ist, dass die Anleger drei bis vier Jahre lang eine hohe Rendite erhalten und dann ihre Kapitalsumme zurück bekommen sollten, um sie anderweitig zu investieren.
Dabei kann jedoch einiges schiefgehen. Zunächst einmal könnte die Bank entscheiden, die Anleihen nicht einzufordern und die Anleger auf einem festverzinslichen Produkt sitzen zu lassen, das erst irgendwann in den 40er Jahren des 21. Jahrhunderts fällig wird. Auch befinden sich diese Papiere sehr weit unten in der Kapitalstruktur, nur eine Stufe über den Stamm- und Vorzugsaktien. Daher rät Edward Maran, Portfoliomanager des Thornburg Value Fund, sich an stärkere Banken wie JPMorgan Chase, Goldman Sachs und US Bancorp zu halten.
Alternativ können es sich die Anleger auch ganz einfach machen. Wenn sie wirklich an die Zukunft der amerikanischen Finanzbranche glauben, können sie auf einen Pullback der Aktienkurse warten und dann einen Finanzinvestmentfonds oder einen börsengehandelten Indexfonds wie etwa den Financial Select Sector SPDR kaufen und damit ihre Bestände diversifizieren. Dass der Stresstest abgeschlossen ist, bedeutet noch lange nicht, dass die Sorgen der Branche vorbei sind.
„Es gibt noch immer einiges an Ballast in der Branche“, glaubt Kevin Mahn, Chief Investment Officer bei Hennion & Walsh Asset Management. „Man kann nicht so genau wissen, welche Bank in der nächsten Zeit die meisten Schwierigkeiten haben wird.“
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |