Selbst wenn Aktien in diesem Jahr wenig Anlass zur Freude bieten sollten - eine denkbare Möglichkeit angesichts einer drohenden Rezession - müssen Anleger nicht auf Erträge verzichten, wenn sie sich für Unternehmen mit ordentlichen Dividendenzahlungen entscheiden. Diese regelmäßigen Ausschüttungen erfolgen selbst dann, wenn sich die Aktie des Unternehmens und der gesamte Markt talwärts bewegen.
Diese in Baissezeiten beliebte und oft erfolgreiche Strategie ist jedoch nicht frei von Risiken. Vorsicht ist etwa bei Aktien mit besonders hoher Dividendenrendite angebracht, da diese signalisieren könnte, dass ein Unternehmen seinen Dividendenverpflichtungen in Zukunft womöglich nicht mehr nachkommen kann. Seit Beginn der Kreditkrise im Juli 2007 sorgten beispielweise Unternehmen des Finanzsektors mit Dividendenkürzungen für lange Gesichter bei ihren Aktionären.
Am anderen Ende des Spektrums weisen profitable Unternehmen mit lupenreinen Bilanzen nicht selten bemitleidenswert niedrige Dividendenrenditen auf.
„Im Finanzbereich sind besonders viele Tretminen verborgen“
Wo finden sich nun optimale Dividendenaktien? Wir fragten Fondsmanager nach Unternehmen mit robusten Dividenden und moderatem Risikoprofil, und wollten wissen, in welchen Aktien sie selbst engagiert sind.
Einige Fondsmanager sind der Ansicht, dass langfristig orientierte Anleger im stark gebeutelten Finanzsektor die eine oder andere Perle entdecken können. Dan Genter von RNC Genter Capital Management hält Aktien von U.S. Bancorp, Wells Fargo und Bank of America (BofA). Er sieht in diesen Großbanken die „Überlebenden“ der Kreditkrise, deren Aktienkursen jedoch noch eine harte Zeit bevorstehen könnte. Wenn man es sich leisten kann, die Krise auszusitzen, dann könnten die Renditen dieser Titel - 5,5 Prozent für U.S. Bancorp, 4,4 Prozent für Wells Fargo und 7,0 Prozent für BofA - das Warten in den kommenden ein oder zwei Jahren honorieren, so Genter.
Doch angesichts des düsteren Kreditklimas muss man im Finanzsektor auf jeden seiner Schritte achten. „Im Finanzbereich sind besonders viele Tretminen verborgen“, warnt Kirk Mentzer, Fondsmanager des Huntington Dividend Capture Fund. Einige Investoren befürchten, dass Finanzkonzerne nach wie vor zu hohe Dividenden zahlen. Matt Kaufler vom Touchstone Value Opportunities Fund weißt darauf hin, dass die Citigroup im vergangenen Herbst eine hohe Dividendenrendite bot, sich kurze Zeit später jedoch zu einer Dividendenkürzung sowie zur Aufnahme von zusätzlichem Kapital in Milliardenhöhe gezwungen sah. Dieses Schicksal könne der Citigroup mit einer aktuellen Dividendenrendite von über sechs Prozent erneut drohen, wenn sich die Lage auf den Kreditmärkten nicht verbessere, warnen einige Analysten.
Versorger und Verbrauchsgüter
Ein weiterer, traditionell als sicher geltender Dividendenhafen ist der langweilige Versorgersektor. Stark regulierte Versorger weisen zwar geringe Wachstumsraten auf, zahlen jedoch kontinuierlich hohe Dividenden. In Kauflers Portfolio finden sich etwa Dayton Power and Light mit einer Rendite von 4,4 Prozent.
Die meisten Fondsmanager warnen jedoch vor drohenden Problemen in diesem Sektor. Die Aktien von Versorgern haben bereits eine gute Kursentwicklung hinter sich und gelten bei vielen Marktbeobachtern als überbewertet. Zahlreiche amerikanische Versorger stehen vor hohen Modernisierungsinvestitionen der Infrastruktur, berichtet Steve Neimeth, Portfoliomanager bei AIG SunAmerica. Zudem könnte diesen Unternehmen eine stärkere Umweltregulierung drohen, insbesondere dann, wenn der nächste Präsident der Vereinigten Staaten Maßnahmen zur Begrenzung des Treibhauseffekts durchsetzen sollte.
Solide Dividendenrenditen finden sich auch im Verbrauchsgütersektor, wo Produkte wie Nahrungsmittel und Tabakwaren selbst in rezessiven Zeiten für stabile Einnahmen sorgen. Mehrere Fondsmanager nennen die Altria Group mit einer Rendite von vier Prozent. Altria wird seinen Namen wieder in Phillip Morris ändern und sein internationales Tabakgeschäft Ende dieses Monats abspalten. Neimeth hält den Lebensmittelkonzern General Mills und den Bierbrauer Anheuser Busch mit einer Dividendenrendite von jeweils 2,9 Prozent.
Pharma, Telekom, Energie und Industrie
Zu den Produkten, die sich in Rezessionen üblicherweise ebenfalls gut verkaufen, zählen jene der Gesundheits- und Pharmabranche. Doch die Pharmabranche steht vor großen Herausforderungen. In den Vereinigten Staaten zeichnet sich eine stärkere Regulierung des Gesundheitssystems ab. In der Zwischenzeit arbeiten Unternehmen wie Pfizer (mit einer Dividendenrendite von sechs Prozent) an der Entwicklung neuer Blockbuster-Medikamente, um die Lücken zu füllen, die ihre in den kommenden Jahren auslaufenden Patente hinterlassen. John Nichol, leitender Portfoliomanager bei Federated Investors schwört dennoch auf den Pharmariesen. Nach seiner Ansicht kann Pfizer seine Dividendenausschüttungen dank starker Cashflows zumindest noch einige Jahre auf dem bisherigen hohen Niveau halten.
Auch Anbieter von Telekommunikationsdienstleistungen sind für robuste Dividenden bekannt. Nichol hält Aktien von AT&T (mit einer Dividendenrendite von 4,6 Prozent) und von Verizon Communications (4,9 Prozent), da diese Unternehmen hohe Dividenden und solide Bilanzen aufweisen. „Sie sind zwar konjunktursensitiv, jedoch unempfindlich gegenüber der Kreditkrise“, konstatiert Nichol.
Energieunternehmen zahlen für gewöhnlich niedrigere Dividenden als manch andere Sektoren, generieren jedoch enorme Gewinne. Mentzer favorisiert Chevron mit einer Dividendenrendite von 2,7 Prozent und ConocoPhillips mit 2,4 Prozent.
Fondsmanager haben auch Papiere von Industrieunternehmen hereingenommen, da deren Dividendenzahlungen dank starker Nachfrage nach amerikanischen Exportgütern infolge des schwachen Dollars auf hohem Niveau bleiben dürften. Nichol besitzt Aktien des Mischkonzerns 3M mit einer Dividendenrendite von 2,6 Prozent. Paul Alan Davis, Portfoliomanager des Schwab Dividend Equity Fund, hat R.R. Donnelley, einen Anbieter von Druck- und Kommunikationsdienstleistungen mit einer Rendite von 3,5 Prozent in sein Portfolio genommen.
Steuerliche Überlegungen
Da hohe Dividenden in bestimmten Sektoren nicht selten gehäuft auftreten, kommt der Diversifikation eine wichtige Rolle zu. Im vergangenen Jahr haben sich viele dividendenorientierte Anleger die Finger verbrannt, weil sie übermäßig stark im Finanzsektor engagiert waren.
Dividendenaktien sollten auch im kommenden Jahrzehnt aufgrund demographischer Verschiebungen nicht an Popularität verlieren. Die sich aus dem Arbeitsleben zurückziehende Babyboom-Generation ist auf der Suche nach soliden Anlagemöglichkeiten mit stabilen Erträgen. Änderungen in der Steuergesetzgebung könnten Dividenden jedoch weniger lukrativ werden lassen. Das in den Vereinigten Staaten von der Bush-Regierung umgesetzte Steuersenkungsprogramm, wozu auch eine geringere Dividendenbesteuerung zählt, läuft 2010 aus; eine Verlängerung ist alles andere als sicher.
Eine ermutigende Tatsache für dividendenorientierte Anleger: Unternehmen kürzen Dividenden nur im äußersten Notfall. „Unternehmen, die Dividendenkürzungen vornehmen, werden vom Markt abgestraft“, sagt Davis. Dividendenzahlungen sind zwar niemals hundertprozentig sicher (was nicht zuletzt der Fall Citigroup belegt), in turbulenten Zeiten eignen sich Aktien mit robusten Dividendenrenditen jedoch nach wie vor als guter Geldparkplatz.