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Amerikanische Banken Die Krise schwelt weiter

20.01.2010 ·  Börsianer an der Wall Street hoffen trotz der Verluste der Citigroup auf profitable Quartalszahlen der großen amerikanischen Banken. Die Malaise der Regionalbanken setzt sich indes fort.

Von Norbert Kuls, New York
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An der Wall Street stehen in diesen Tagen die Quartalsbilanzen der großen Finanzdienstleister im Blickpunkt der Investoren. Den Auftakt machte am vergangenen Freitag J.P. Morgan Chase mit einem überraschend hohen Gewinn, am Dienstag folgte die Citigroup wie erwartet mit einem neuerlichen Verlust, und am Mittwoch und Donnerstag werden die Bank of America, Wells Fargo, Morgan Stanley und Goldman Sachs den Reigen weiterführen.

Im Vergleich zum katastrophalen Schlussviertel des Vorjahres dürften die Gewinne der Branche aller Erwartung nach wohl so stark wachsen wie die keiner anderen Branche.

Umstrittene Boni

Daneben werden die Banken möglichst kleinlaut mitteilen, wie viel ihrer Erträge sie für 2009 als Boni an ihre Mitarbeiter ausschütten. Vor allem bei den im Wertpapiergeschäft stark engagierten Häusern werden die Bonuszahlungen nach der Kurserholung an den Börsen hoch ausfallen, wenn nicht gar Rekordniveau erreichen.

Nur etwas mehr als ein Jahr nach dem Zusammenbruch der Investmentbank Lehman Brothers und dem darauf folgenden Beben an den Finanzmärkten ist deswegen ein öffentlicher Aufschrei programmiert. Denn ohne die damals rasch verteilten Finanzspritzen des staatlichen Bankenrettungsprogramms Tarp hätten auch die großen Häuser kaum überlebt.

Präsident Barack Obama drängt deswegen darauf, die wegen der Rettung von Banken und Autoherstellern auf rund 120 Milliarden Dollar geschätzten Verluste für den Steuerzahler mit einer neuen Abgabe für große Banken auszugleichen. „Ich fordere sie auf, die Kosten für die Rettung abzudecken, indem sie die Boni für ihre Spitzenverdiener zurückrollen“, sagte Obama an die Adresse der Banker.

Zulasten der Aktionäre und Kreditnehmer

Die staatliche Stütze und die darauf fällige Dividende haben die größten Banken mittlerweile aber fast komplett zurückgezahlt. Das gilt als ein Zeichen wiedergewonnener Stabilität, die sich im Vertrauen von Investoren spiegelt. Führende Häuser wie J.P. Morgan Chase oder Goldman Sachs hatten sich schon Mitte des vergangenen Jahres aus dem Griff der Regierung gelöst.

Kurz vor dem Jahreswechsel nahmen auch die Bank of America, Wells Fargo und Citigroup von Anlegern Geld auf und gaben Hilfen in zweistelliger Milliardenhöhe zurück. Für die bestehenden Aktionäre der Banken, deren Anlagewert durch diese Kapitalerhöhungen verwässert wurde, war das keine ideale Lösung, wie auch die Banken selbst einräumten.

Aber die Bank of America und die Citigroup gehörten zu den sieben staatlich gestützten Unternehmen und Banken, bei denen ein Sonderbeauftragter des Finanzministeriums die Vergütung für Spitzenverdiener halbiert hatte. Das hatte den Bankmanagern bei der Rückzahlung der Hilfen offenbar Beine gemacht.

Eine stärkere Besteuerung der Banken läuft allerdings dem ursprünglichen Gedanken des Rettungsprogramms zuwider. Die Banken, die Kapital als Ausgleich für Verluste und als Risikopuffer brauchen, sollten durch die Staatshilfe in die Lage versetzt werden, für den wirtschaftlichen Aufschwung notwendige Kredite zu vergeben. Allerdings ist das offenbar nur unzureichend geschehen. Erst vor kurzem bestellte Obama hochrangige Banker ins Weiße Haus, um sie zur Vergabe von mehr Darlehen zu drängen.

Kleine Banken noch immer in Nöten

Die Erholung der Großbanken lenkt aber von der Malaise weiter Teile der Finanzbranche ab. Abseits der größten acht Banken haben von 69 Geldhäusern, die mindestens 100 Millionen Dollar Staatshilfe erhalten hatten, bisher nur 17 Institute das staatliche Rettungsprogramm wieder verlassen.

Rund 100 Milliarden Dollar aus dem Tarp-Programm sind weiter in mehr als 600 Banken investiert - gut die Hälfte der ursprünglich an mehr als 700 Banken vergebenen Summe. Das Finanzministerium hatte vor zwei Wochen noch einen zweistelligen Millionenbetrag in zehn kleine Banken gesteckt, um deren Kapitaldecke zu stärken. Neue Gelder sollen nun aber nicht mehr fließen.

Viele kleine Banken kämpfen weiter ums Überleben. Im vergangenen Jahr sind 140 meist kleinere Banken zahlungsunfähig geworden - so viele wie seit der Sparkassenkrise Anfang der neunziger Jahre nicht mehr. Erst am vergangenen Wochenende kamen zwei weitere hinzu. Auf der Liste gefährdeter Institute, die die Einlagensicherungsbehörde FDIC führt, standen zuletzt 552 Institute, Tendenz steigend.

Schwache Kursentwicklung

Auch die vier Aktien mit der schlechtesten Kursentwicklung im Aktienindex S&P-500-Index waren im vergangenen Jahr alle Finanztitel. Das Schlusslicht war Marshall & Ilsley, die größte Bank im Bundesstaat Wisconsin, die unter Ausfällen bei Baukrediten und Hypotheken leidet. Bei einer weiter hohen Arbeitslosenquote von 10 Prozent haben betroffene Bankkunden Schwierigkeiten, ihre Kredit- und Hypothekenraten zu zahlen.

Auch die Schwäche bei Gewerbeimmobilien belastet vor allem regionale Banken. Deren Geschäftsfelder sind in der Regel nicht sehr diversifiziert. Sie können Verluste im Kreditgeschäft daher nicht wie Großbanken mit Gewinnen im Wertpapierhandel ausgleichen. Mehr als 50 Kreditinstitute können wegen Verlusten die Dividenden auf die Vorzugsaktien nicht aufbringen, mit deren Kauf sich das Finanzministerium im Rahmen des Tarp-Programms an den Banken beteiligt hatte.

Auch bei den Großbaustellen der Finanzbranche, dem Versicherer AIG sowie den verstaatlichten Immobilienfinanzierern Fannie Mae und Freddie Mac, ist an eine Rückzahlung von Staatshilfen nicht zu denken. Erst kürzlich hatte das Finanzministerium den beiden Hypothekenriesen eine unbegrenzte Kreditlinie eingeräumt. Trotz der Erholung der Großbanken scheint es für eine vollständige Entwarnung in der Branche noch zu früh.

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Jahrgang 1965, Finanzmarktkorrespondent in New York.

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